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Kräuter-Menestra

Libro de arte coquinaria · Norditalien · 1465

BeilageBeilageLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10Höfische KücheHofküche
Zubereitungszeit25 Min.Portionen2-4 PersonenBuchLibro de Arte Coquinaria (~1465)

Nimm die Blätter von Mangold und ein wenig Borretsch. Lass sie kurz in klarem, kochendem Wasser aufkochen, sobald du sie hineingibst. Nimm sie dann heraus und hacke sie sehr fein mit einem Messer. Nimm zudem ein wenig Petersilie und frische Minze und hacke sie ebenfalls mit den genannten Kräutern. Zerstoße sie dann gut im Mörser und gib sie in einen Topf mit fetter Brühe. Lass sie ein wenig kochen. Wenn es dir beliebt, füge ein wenig Pfeffer hinzu.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
foglia di viete Mangoldblätter - Rübenblätter
borragine Borretsch Wochenmarkt / Bio-Laden -
acqua chiara bogliente Klares, kochendes Wasser Leitung -
petrosillo Petersilie - -
menta cruda Frische Minze - -
brodo grasso Fette Brühe (Fleischbrühe) - -
pepe Pfeffer - -

Welches Gericht ist das? Eine schlichte, grüne Kräutersuppe - menestra war bei Martino ein weiter Begriff für Gänge/Portionen, hier konkret ein feines Blattgemüse-Mus in Fleischbrühe, verwandt mit mar-063 und mar-070.

So gelingt es. Mangoldblätter und etwas Borretsch nur ganz kurz in kochendem Wasser blanchieren - das nimmt die Bitterkeit/Schärfe, ohne die Kräuter komplett zu verkochen. Herausnehmen und mit dem Messer sehr fein hacken. Petersilie und frische Minze dazugeben und mit den blanchierten Kräutern gemeinsam weiterhacken, dann im Mörser fein zerstoßen - das macht aus grobem Grün eine gleichmäßige, cremige Masse.

So wird es richtig gut. Die zerstoßene Kräutermasse in fette Brühe geben und nur kurz aufkochen - lange Kochzeit würde die frische, grüne Farbe und das Kräuteraroma zerstören. Nach Belieben mit Pfeffer abschmecken. Die fette Brühe ist hier wichtig: sie trägt die Kräuteraromen und macht aus dem sonst wässrigen Grün ein sättigendes Gericht.

Was ist 'viete' und woher bekomme ich Borretsch?

‚Viete' bezieht sich auf die Blätter von Mangold oder Rüben. Mangold ist im Supermarkt erhältlich. Borretsch findest du auf dem Wochenmarkt oder im Bio-Laden, alternativ kannst du ihn selbst anbauen.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist sehr gut für die Lagerküche geeignet. Du benötigst lediglich einen Topf und eine Möglichkeit, die Kräuter zu hacken und zu zerstoßen. Die Kräuter können auch bereits gehackt mitgebracht werden.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem ‚Libro de Arte Coquinaria' von Maestro Martino da Como, verfasst um 1465 in Norditalien. Es ist ein frühes und einflussreiches Kochbuch der Renaissance.

Was bedeutet ‚Menestra' im Rezept?

Im Kontext von Maestro Martino bedeutet ‚Menestra' nicht unbedingt eine Suppe im modernen Sinne, sondern eher ein Gericht, einen Gang oder eine Portion. Es ist ein Sammelbegriff für verschiedene Speisen, die in Schüsseln serviert wurden.

Was ist ein ‚Mörser' - brauche ich einen Mörser und Stößel?

Der hier gemeinte Mörser ist ein großer Fleischmörser, kein kleiner Gewürzmörser. Du kannst die Kräuter auch sehr fein mit einem Messer hacken und dann mit der flachen Klinge auf einem Brett zerdrücken, oder eine moderne Küchenmaschine verwenden, um eine feine Paste zu erhalten. Für authentische Darstellungen ist ein großer Granit-Mörser mit schwerem Holzstößel ideal.

Menestra d'herbette. Togli le foglia di viete, et un pocha di borragine et fagli dare un boglio in acqua chiara bogliente quando le mitti dentro; dapoi cacciale fore et battile molto bene col coltello. Et togli un pocho de petrosillo, et di menta cruda, et similemente le batti co le ditte herbe. Dapoi macinale bene nel mortale, et mittile in una pignatta con brodo grasso et falle bollire un pocho. Et se ti pare mettevi un pocho di pepe.
viete

Blätter von Mangold oder Rüben

borragine

Borretsch

menestra

Gericht, Gang, Portion

brodo grasso

Fette Brühe, meist Fleischbrühe

mortale

Mörser

pignatta

irdener Kochtopf

Handschrift
Libro de arte coquinaria
Folio
Fol. 21v
Sprache
Frühitalienisch (15. Jh.)
Entstehung
Norditalien, 1465

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartviete

Gewählte Lesart: Mangoldblätter - Diese Lesart wurde gewählt, da Mangold heute weit verbreitet und geschmacklich ähnlich ist.

Andere mögliche Lesart:

  • Rübenblätter - ‚Viete' kann auch die Blätter von Rüben (z.B. Rote Bete) bezeichnen, die im Mittelalter ebenfalls häufig verwendet wurden.

LesartMenestra

Gewählte Lesart: Gericht / Gang / Portion - Diese Lesart spiegelt Martinos Verwendung des Begriffs wider, der oft eine breite Palette von Speisen bezeichnete, die in Schüsseln serviert wurden.

Andere mögliche Lesart:

  • Suppe - Obwohl ‚Menestra' im modernen Italienisch oft ‚Suppe' bedeutet, war die mittelalterliche Bedeutung breiter gefasst und umfasste viele Arten von gekochten Gerichten, die nicht unbedingt flüssig waren.

Originalwerk (~1465) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 21v, Library of Congress, Rare Book and Special Collections Division, Washington MS (TX723 .M3 1460), Public Domain
Transkription
Uni Giessen (Gloning/Romanelli, Digitale Edition 2004, Basis: Faccioli 1966) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche · ⭐ Gold - vollständig lagerküchentauglich
Benötigt einen Topf und eine Möglichkeit zum Hacken und Zerstoßen der Kräuter. Die Kräuter können auch vorab gehackt mitgebracht werden.
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