The Forme of Cury · England · 1390
Nimm Borretsch, Kohlblätter, Ochsenzunge (Pflanze), Petersilie, Mangoldblätter, Melde, Nelkenwurzblätter, Veilchenblätter, Bohnenkraut und Fenchelkraut. Wenn diese gekocht sind, drücke sie sehr fein. Gib sie in eine gute Brühe und koche sie. Serviere sie dann.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| Borage | Eine Handvoll Borretsch | - | - |
| cool | Eine Handvoll Kohlblätter | - | - |
| langdebef | Eine Handvoll Ochsenzunge (Pflanze) | Gärtnerei, Kräuterfachhandel | - |
| persel | Eine Handvoll Petersilie | - | - |
| betes | Eine Handvoll Mangoldblätter | - | Spinat oder Rote-Bete-Blattgrün |
| orage | Eine Handvoll Melde | Kräuterfachhandel, Wildsammlung | Spinat |
| auance | Eine Handvoll Nelkenwurzblätter | Kräuterfachhandel, Wildsammlung | Junge Brennnesselblätter |
| violet | Eine Handvoll Veilchenblätter | Garten, Wildsammlung | - |
| saueray | Eine Handvoll Bohnenkraut | - | - |
| fenkel | Eine Handvoll Fenchelkraut | - | - |
| gode broth | 500 ml gute Brühe | - | - |
Welches Gericht ist das? Ein grünes Kräutermus der englischen Hofküche - ein Dutzend Garten- und Wildkräuter werden gekocht, fein zerdrückt und in Brühe noch einmal aufgekocht. Im Geiste die englische Schwester der italienischen minestra di erbe (vgl. Martinos Kräuter-Menestra mar-080) und des mittelhochdeutschen Krautmus. Teil der Gemüse-Pottage-Reihe des Forme of Cury (foc-005, foc-007).
Eowtes - der Speisetyp. Eowtes ist ein mittelenglischer Sammelbegriff für gekochte Kräuter-Pottagen; das Forme of Cury kennt sie in zwei Spielarten: Eowtes of Flessh (mit Fleischbrühe, dieses Rezept) und Eowtes of Fyssh (mit Fischbrühe für Fastentage). Der Zusatz of Flessh meint also nicht Fleisch im Topf, sondern die Brühe-Wahl. Pegge erwog 1780 eine Herleitung von Roots, verwarf sie aber selbst, weil das Rezept Blätter und kein Wurzelwerk nennt.
Die Kräutermischung. Borretsch, Kohl, Ochsenzunge (langdebef, Anchusa/Buglossum), Petersilie, Mangold (betes), Melde (orage, Atriplex), Nelkenwurz-Blätter (auance, Geum urbanum), Veilchenblätter, Bohnenkraut und Fenchelkraut - ein typisch breiter mittelalterlicher Garten- und Wildkräuter-Mix. Nicht alle müssen es sein; greifbar sind heute leicht Mangold, Spinat (für Melde), Petersilie, Borretsch und junge Brennnessel (für Nelkenwurz).
Presse hem wel smale - fein zerdrücken. Die gekochten Kräuter werden gründlich ausgedrückt und passiert, bis ein glattes, sämiges Mus entsteht - die feine Textur ist der Unterschied zwischen Pottage und gekochtem Gemüse.
Praxis. Rund 500 g gemischte Blätter kurz in Salzwasser blanchieren (nicht zerkochen, das hält die grüne Farbe), gut ausdrücken, im Mörser oder durch ein Sieb zu einer Paste arbeiten. Mit etwa 200-300 ml kräftiger Brühe sämig aufkochen, mit Salz und einer Prise Muskat abschmecken. Ein Spritzer Verjus hebt die grünen Aromen. Warm als Beilage zu Braten oder Fisch.
Ochsenzunge (Pflanze) ist eine alte Kulturpflanze und kann in gut sortierten Gärtnereien oder bei spezialisierten Kräuterhändlern gefunden werden. Melde und Nelkenwurz sind auch Wildpflanzen, die man mit entsprechender Kenntnis selbst sammeln kann, oder ebenfalls im Kräuterfachhandel erhältlich sind. Als Alternative für Melde kann Spinat verwendet werden, für Nelkenwurzblätter junge Brennnesselblätter.
Ja, dieses Rezept ist sehr gut für die Lagerküche geeignet. Die Kräuter können zuhause gewaschen und grob gehackt werden. Am Lager können sie dann in einem Topf über dem Feuer gekocht und anschließend durch ein Sieb oder mit einem Löffel fein gedrückt und in Brühe erhitzt werden.
Dieses Rezept stammt aus 'The Forme of Cury', einer der ältesten und wichtigsten englischen Rezeptsammlungen. Sie wurde um 1390 für den Hof von König Richard II. verfasst und bietet einen tiefen Einblick in die höfische Küche des späten Mittelalters in England.
'Eowtes' ist ein altertümlicher Begriff, dessen genaue Bedeutung umstritten ist. Der Herausgeber des Originaltextes vermutete eine Verbindung zu 'Roots' (Wurzeln), schloss dies aber selbst aus, da das Rezept hauptsächlich Blätter verwendet. Es handelt sich wahrscheinlich um eine Art grünen Kräuterbrei oder -eintopf, der als Beilage oder leichte Speise diente.
Mittelenglischer Sammelbegriff für gekochte Kräuter-Pottage; im Forme of Cury als 'of Flessh' (Fleischbrühe) und 'of Fyssh' (Fischbrühe, Fasten). Hieatt/Butler übersetzen 'herb pottage'.
Ochsenzunge (Anchusa/Buglossum sylvestre), benannt nach der zungenförmigen, rauen Blattform.
Mangold (Blattbete) - die Blätter, nicht die Wurzel.
Garten-Melde (Atriplex hortensis), spinatartiges Blattgemüse.
Nelkenwurz (Geum urbanum), hier die Blätter; nelkenartig duftende Wildpflanze.
Die gekochten Kräuter gut ausdrücken und fein passieren/zerdrücken - sorgt für die glatte Mus-Textur.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
EOWTES OF FLESSH
Gewählte Lesart: Kräuter-Pottage mit Fleischbrühe; der Zusatz 'of Flessh' bezeichnet die Brühe-Wahl (Gegenstück: 'of Fyssh' mit Fischbrühe für Fastentage), nicht Fleisch als Zutat.
Andere mögliche Lesart:
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