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Gefüllte Eier in Schmalz gebacken

München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 725 · Tegernsee / Oberbayern · 1480

BeilageBeilageLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10Höfische KücheHofküche
Zubereitungszeit45 Min.Portionen2-4 PersonenBuchMünchner Kochbuchhandschriften (Cgm 725) (~1480)

Siede die Eier hart und hacke sie anschließend fein. Reibe ein wenig Semmelbrot und Lebkuchen dazu. Schlage rohe Eier hinzu und rühre alles gut durcheinander. Würze die Masse kräftig.

Nimm zerbrochene Eierschalen, die in der Mitte voneinander getrennt sind (also halbe Schalen). Fülle diese Schalen mit der vorbereiteten Masse. Klebe die gefüllten Hälften mit etwas von der Masse wieder zusammen, sodass sie ganze Eier bilden.

Backe die so geformten Eier dann in heißem Schmalz aus. Nimm sie anschließend aus dem Schmalz und entferne die Schalen. Serviere die gefüllten Eier entweder trocken oder in einer Brühe.

OriginalModernMengeWo kaufenAlternative
ayr hertt Eier, hart gekocht - - -
ein wenig semel Ein wenig Semmelbrösel - - -
leczelten Lebkuchen, gerieben - gut sortierter Supermarkt, Online-Spezialitätenhandel ungeglaste Aachener Kräuterprinten (oder ungeglaster Honig-Lebkuchen)
air Ei, roh 1 - -
wurcz sy woll Gewürze - - Pfeffer, Ingwer, Nelken, Muskat
Smalcz Schweineschmalz - Metzger, Supermarkt Butterschmalz oder Pflanzenöl für eine vegetarische Variante
prue Brühe (optional) - - -

Welches Gericht ist das? Crosair (auch „Kroßeier“) - laut Ehlert schmalzgebackene Rühr-/Spiegeleier: Hartgekochte Eier werden gehackt, mit geriebenem Semmel und Lebkuchen sowie rohem Ei zu einer Masse verrührt, kräftig gewürzt, in zerbrochene Eierschalen gefüllt und in Schmalz gebacken.

Lebkuchen als Würze und Bindung. Wie bei der Fischsülze (m725-014) liefert geriebener Lebkuchen Süße und Bindung; das Back-Rezept dafür ist m725-002.

Praxis. Eier hart kochen, fein hacken, mit Semmelbröseln, geriebenem Lebkuchen, rohem Ei und Gewürzen mischen, in Schalenhälften füllen und in Schmalz ausbacken (oder als kleine Bratlinge braten).

Was bedeutet der Titel ‚Crosair'?

‚Crosair' (auch ‚Kroßeier') ist heute ungebräuchlich. Trude Ehlert deutet das Wort im Glossar als schmalzgebackene Rühr- oder Spiegeleier - also einen Gattungsbegriff für in Schmalz gebackene Eierspeisen, nicht einen rätselhaften Eigennamen.

Welche Gewürze soll ich verwenden?

Das Rezept nennt keine spezifischen Gewürze, sondern nur ‚würze sie wohl'. Typisch für die spätmittelalterliche Küche waren Gewürze wie Pfeffer, Ingwer, Nelken und Muskat. Du kannst eine Mischung dieser Gewürze nach deinem Geschmack verwenden, um eine authentische Note zu erzielen.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist gut für die Lagerküche geeignet. Die Zutaten sind robust und lassen sich gut transportieren. Das Kochen der Eier, das Mischen der Füllung und das Ausbacken in Schmalz sind am offenen Feuer oder auf einem Kocher gut umsetzbar. Das Füllen und Verschließen der Eierschalen erfordert etwas Geschick, ist aber mit etwas Übung gut zu bewerkstelligen.

Was ist ‚Lebkuchen' in diesem historischen Kontext?

Im Mittelalter war ‚Lebkuchen' (oder ‚Leczelten') oft würziger und weniger süß als der moderne Weihnachtskuchen. Er wurde mit Honig und kräftigen Gewürzen wie Zimt, Nelken, Kardamom und Ingwer gebacken und diente nicht nur als Süßigkeit, sondern auch als Würzmittel in herzhaften Gerichten, um diesen eine komplexe, süß-würzige Tiefe zu verleihen.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Münchner Kochbuchhandschriften (Cgm 725) (spätes 15. Jh., Tegernsee / Oberbayern). Kleine Kochrezeptsammlung (22 Rezepte) aus einer überwiegend medizinisch-pharmazeutischen Sammelhandschrift des Klosters Tegernsee. Die Rezepte liegen in zwei Lagen: ein Wein- und Lebkuchenrezept auf Bl. 41r, die Hauptsammlung auf Bl. 139r-142v. Inhaltlich Fruchtmuse (Erdbeer, Weichsel, Holunder, Reis, Kalbsleber), Quittenlatwerge, Schweinsbraten, gefüllter Kapaun, mehrere Fastenfisch-Gerichte (Fischsülze, Fisch im Pfeffer, gebackener Fisch) sowie gefüllte Eier, gebrannte Küchlein und kandierter grüner Ingwer. Zweite Tegernsee-Quelle im Korpus neben dem Tegernseer Speisenbuch (Cgm 8137) - ermöglicht den direkten Vergleich zweier Kochüberlieferungen desselben Klosters. Im CoReMA-Projekt (Uni Graz) als Handschrift M5 ediert.

Crosair Item sewd ayr hertt vnd hack Si klain vnd reib ein wenig semel vnd leczelten daran vnd slach daran air vnd Rur es alles durch ein ander vnd wurcz sy woll vnd tue sy In zuprochen ayr sch schallen Die In der mit von ein ander sind full dy Schallen damit voll vnd kleib sy vber ein ander mit dem da das dw es aus machest vnd pach es dann In Smalcz vnd thue dann dy Schalen dauon vnd gib sy trucken oder In einer prue
semel

Mittelhochdeutsch für ‚Semmel', hier im Sinne von Semmelbrösel oder geriebenem Brot.

leczelten

Alte Bezeichnung für Lebkuchen. Im Mittelalter waren Lebkuchen oft würziger und weniger süß als heute, mit Honig und kräftigen Gewürzen gebacken.

wurcz sy woll

‚Würze sie wohl' - eine typische Anweisung ohne genaue Spezifikation der Gewürze. Üblich waren Pfeffer, Ingwer, Nelken und Muskat.

zuprochen ayr sch schallen

Zerbrochene Eierschalen, die in der Mitte geteilt sind. Dies deutet darauf hin, dass die Füllung in die Hälften gegeben und diese dann wieder zusammengeklebt wurden, um die Form eines ganzen Eies zu erhalten.

Smalcz

Schmalz, hier tierisches Fett, meist Schweineschmalz, das zum Braten und Backen verwendet wurde.

prue

Mittelhochdeutsch für Brühe. Das Gericht konnte trocken oder in einer Brühe serviert werden, was eine gängige Servierweise für gefüllte Speisen war.

Handschrift
München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 725
Folio
Fol. 141v
Sprache
Frühneuhochdeutsch (ostmittelbairisch, Kloster Tegernsee, spätes 15. Jh.)
Entstehung
Tegernsee / Oberbayern, 1480

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartCrosair

Gewählte Lesart: Crosair = ‚Kroßeier'. Ehlert (1999) glossiert das Wort als schmalzgebackene Rühr-/Spiegeleier - also kein rätselhafter Eigenname, sondern ein (heute ungebräuchlicher) Gattungsbegriff für in Schmalz gebackene Eierspeisen.

Andere mögliche Lesart:

  • Es könnte sich um eine Verballhornung eines französischen Begriffs handeln, der sich auf die Kreuzform oder eine ähnliche Form bezieht. - Manche mittelalterliche Gerichtsnamen sind aus dem Französischen entlehnt und wurden im Deutschen phonetisch angepasst. Eine konkrete Entsprechung ist jedoch nicht bekannt.

Lesartair

Gewählte Lesart: Das Wort ‚air' (singular) wird hier als ‚Ei' im Singular übersetzt, da es sich auf die bindende Funktion bezieht. Für die Menge wird 1 Ei angenommen, da keine spezifische Zahl genannt wird.

Andere mögliche Lesart:

  • Es könnten auch mehrere Eier gemeint sein, um eine bessere Bindung zu erzielen, auch wenn der Text nur den Singular verwendet. - In mittelalterlichen Rezepten ist die genaue Mengenangabe oft vage, und der Singular kann generisch für eine Zutat stehen, die in variabler Menge benötigt wird.

Lesartkleib sy vber ein ander mit dem da das dw es aus machest

Gewählte Lesart: Die Anweisung wird so interpretiert, dass die gefüllten Eierschalen-Hälften mit etwas von der Füllmasse selbst zusammengeklebt werden, um die Form eines ganzen Eies zu erhalten.

Andere mögliche Lesart:

  • Es könnte auch gemeint sein, dass ein separater Teig oder eine andere klebrige Substanz zum Verschließen der Eierschalen verwendet wird. - Die Formulierung ‚mit dem da das dw es aus machest' ist etwas vage. Da jedoch keine andere Zutat für diesen Zweck genannt wird, ist die Verwendung der Füllmasse selbst die plausibelste und einfachste Methode.

Originalwerk (~1480) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 141v, Bayerische Staatsbibliothek München, Cgm 725 (spätes 15. Jh.); bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ms. M5 (München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 725), hyperdiplomatische Basistranskription, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Die Zutaten sind robust und gut transportierbar. Das Kochen der Eier, das Mischen der Füllung und das Ausbacken in Schmalz sind am offenen Feuer oder auf einem Kocher gut umsetzbar. Das Füllen und Verschließen der Eierschalen erfordert etwas Geschick und Zeit, ist aber im Lager gut machbar.
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