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Gefüllte Eier in der Schale

Koch vnd Kellermeysterey von allen Speisen vnd Getrencken · Frankfurt am Main · 1574

VorspeiseVorspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10Bürgerliche KücheBürgerlichFischFastenspeise
Zubereitungszeit25 Min.Portionen4-6 PersonenBuchKoch und Kellermeisterei (~1574)

Schlage Eigelb, geriebenes Semmelbrot, Muskat und Salz miteinander. Fülle die Eierschalen damit. Stülpe ein kleines Hütchen von einer anderen Eierschale, innen mit Eiweiß bestrichen, über das Loch des gefüllten Eis. Röste sie in Butter, brate oder siede sie. Solche Füllung kannst du auch in Krebsschalen füllen, Petersilie und andere gute Kräuter hineinhacken, mit Gewürzen und Salz abschmecken. Serviere es in einer Brühe oder trocken.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
Eyertotter 6 Eigelb - -
gerieben Semmelbrot 50 g Semmelbrösel - -
Muscaten 1 Prise Muskatnuss - -
Saltz 1 Prise Salz - -
Eyerschalen 6 Eierschalen (leer) - -
Eyerklar 1 Eiweiß - -
Buttern 50 g Butter - -
Krebsschalen 6 Krebsschalen (optional) Fischhändler Kleine feuerfeste Schälchen
Peterlin Petersilie - -
ander gute Kreuter gemischte Kräuter - -
Würtzen 1 Prise Gewürze (optional) - -
Brühlin 200 ml Brühe (optional) - -

Welches Gericht ist das? Ein Schaugericht: leere Eierschalen werden mit einer gewürzten Eigelb-Brösel-Masse gefüllt, mit einem aus einer zweiten Schale geschnittenen Hütchen verschlossen und dann in Butter geröstet, gebraten oder gesiedet - das fertige Ei sieht ganz aus, ist aber neu gefüllt. Im Korpus gibt es dazu fast wortgleiche Schwestern (Meister Hans und Cgm 384), die dieselbe Illusion über das Garen am Spieß erzeugen.

Die Mechanik der Illusion. Man bläst ein rohes Ei an beiden Enden aus, behält die heile Schale und füllt sie mit der Masse - das güpfflin, ein kleines Schalenhütchen, schließt das Loch, mit Eiweiß als Klebstoff verstrichen. Dass das mechanisch heikel ist (Schalen brechen leicht, das Hütchen hält nur lose), gehört zum Charakter dieser Spielereien und sollte nicht schöngeredet werden: der Reiz liegt im Effekt am Tisch, nicht in der einfachen Zubereitung.

Die praktikable Zweitform. Das Rezept bietet selbst den bequemen Ausweg an: dieselbe Füllung - dann mit gehackter Petersilie, weiteren Kräutern und Gewürz - in Krebsschalen (oder kleine feuerfeste Schälchen) gefüllt und in einer Brühe oder trocken serviert. Das ist die alltagstaugliche Variante.

Praxis. Eigelb mit geriebenem altbackenem Brot (Semmelbrösel), Muskat und Salz verrühren. Für den Schau-Effekt ausgeblasene Schalen füllen, Hütchen aufsetzen, in Butter sanft garen. Einfacher: die Masse mit Kräutern in Schälchen füllen, in der Pfanne stocken lassen und in etwas Brühe anrichten.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist sehr gut für die Lagerküche geeignet. Die Zutaten sind einfach zu beschaffen und zu transportieren. Die Zubereitung über offenem Feuer in einer Pfanne oder einem Topf ist unkompliziert. Die Eierschalen können vorsichtig transportiert oder die Füllung vorab zubereitet und erst am Lager in die Schalen gefüllt werden.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch 'Koch und Kellermeisterei', das um 1574 in Frankfurt am Main veröffentlicht wurde. Es ist ein typisches Beispiel für die frühneuzeitliche Küche, die bereits eine gewisse Raffinesse in der Zubereitung von alltäglichen Zutaten wie Eiern zeigte.

Was sind 'Krebsschalen' in diesem Rezept?

Die 'Krebsschalen' sind eine alternative Servierform für die Füllung. Anstatt die Füllung in Eierschalen zu geben, kann man sie auch in die leeren Schalen von Krebsen füllen. Dies war eine gängige Praxis im Mittelalter und der frühen Neuzeit, um Speisen ansprechend zu präsentieren und den Geschmack der Meeresfrüchte zu nutzen.

Was bedeutet 'güpfflin' im Rezept?

Ein 'güpfflin' ist ein kleines Hütchen oder ein Deckel. Im Rezept wird es aus einer weiteren Eierschale geformt und mit Eiweiß bestrichen, um das Loch der gefüllten Eierschale zu verschließen. Dies dient dazu, die Füllung während des Garens im Ei zu halten und eine ansprechende, geschlossene Form zu erhalten.

Kuglechte Eyer. Klopff Eyertotter/ gerieben Semmelbrot/ Muscaten vnd Saltz/ machs durch einander/ füll die Eyerschalen damit/ stürtze ein güpfflin von einer anderen Eyerschalen/ innen mit Eyerklar gesalbet/ vber das löchlin des gefüllten Eyes/ röst sie in Buttern/ braht oder seud sie. Solche füll mag man in Krebsschalen füllen/ Peterlin vnd ander gute Kreuter darein hacken/ mit Würtzen vnd Saltz abgemacht. Gib es in einem Brühlin/ oder trucken.
Kuglechte Eyer

Wörtlich 'kugelige/rundliche Eier' - die in der Schale wieder zur ganzen Eiform gefüllten Eier.

güpfflin

Ein kleines Hütchen oder Deckelchen, hier aus einer zweiten Eierschale geschnitten, um das Loch des gefüllten Eis zu verschließen.

Eyerklar

Eiweiß - dient hier als Klebstoff, um das Hütchen aufzusetzen.

Brühlin

Ein kleiner Sud oder eine leichte Brühe zum Anrichten.

Handschrift
Koch vnd Kellermeysterey von allen Speisen vnd Getrencken
Sprache
Frühneuhochdeutsch
Entstehung
Frankfurt am Main, 1574

Originalwerk (~1574) gemeinfrei.

Bildquelle
Koch und Kellermeisterei, S. 039
Transkription
Uni Giessen (Gloning, Digitale Edition 2000) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Der Schau-Effekt - die wieder in die leere Schale gefüllten und darin gegarten Eier - ist am Lager fummelig: die Schalen müssen heil ausgeblasen, das Hütchen sauber aufgesetzt werden. Wer den Aufwand scheut, nimmt die unkomplizierte Variante mit der Füllung in kleinen feuerfesten Schälchen (oder Krebsschalen), die sich problemlos in der Pfanne über dem Feuer garen lässt.
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