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Gefüllte Eier in Fladen

Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1) · Österreich (Mondsee, Oberösterreich) · 1480

VorspeiseVorspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 7/10
Zubereitungszeit25 Min.Portionen2-3 PersonenBuchMondseer Kochbuch (~1480)

Wenn du Eier zubereiten willst, geh so vor: Siede Eier hart und schäle sie. Teile sie entzwei und nimm die Eidotter heraus.

Dann vermische die Eidotter mit rohen Eiern und Gewürzen. Fülle diese Mischung wieder in die halbierten Eiweiße. Wende die Dotterfüllung in der Pfanne und backe sie rot.

Bereite danach einen dünnen Fladen und lege die Eier darauf. Lass beides, den Fladen und die Eier, zusammen backen. Löse es dann voneinander und serviere es.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
air herdt Hartgekochte Eier - -
rohen airen Rohe Eier - -
gebürcz Gewürze gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelken, Muskat

Welches Gericht ist das? Ein gefülltes, hartgekochtes Ei, das doppelt gegart wird - erst in der Pfanne angebacken, dann noch in einen dünnen Eierkuchenteig eingebacken. Das Grundprinzip "Ei in einer Hülle" kennt man heute vom britischen Scotch Egg, näher verwandt ist aber der süddeutsch-österreichische gefüllte Palatschinken: eine Einlage, die in einen dünnen Pfannkuchenteig eingearbeitet wird. Drei enge Verwandte im Korpus (m725-019, boc-038, m384-049) zeigen, dass "gefüllte Eier" im 14./15. Jahrhundert ein verbreitetes Motiv der Kochbuchliteratur waren - mit wechselnder Füllung von Kräutern bis Ingwer, Zimt und Safran.

Die Fladen-Zutaten. Was genau in den "placz" hineingehört, sagt der Text nicht - schon die alte Handnotiz am Rand vermerkt ratlos "placz ?!". Der Zwilling m384-049 zieht die gefüllten Eier durch einen dünnen, mit Safran und Zucker gewürzten Eierteig und backt sie darin aus; das stützt die Lesart von "placz" als dünnem, mitgebackenem Eierkuchenteig und nicht als bloße Unterlage zum Servieren.

Praxis. Eier hart kochen, schälen, halbieren und die Dotter herauslösen. Die Dotter mit rohem Ei und Gewürzen zu einer streichfähigen Masse verrühren - das rohe Ei bindet die sonst krümelige Dottermasse wieder. Die Mischung zurück in die Eiweißhälften füllen. Die gefüllte Seite in der Pfanne anbacken, bis sie kräftig Farbe nimmt: Da die Hälften hier offen bleiben und nicht wieder verschlossen werden, gelingt das Wenden am sichersten mit einem breiten Pfannenwender und wenig Fett, damit die halbflüssige Füllung nicht ausläuft. Parallel einen dünnen Fladen aus Eierteig in der Pfanne ausbacken, die gefüllten Eier daraufsetzen und gemeinsam fertigbacken, bis beides eine zusammenhängende Fläche bildet. Zum Servieren Ei und Fladen mit dem Pfannenwender voneinander lösen.

Welche Gewürze soll ich für die Eierfüllung verwenden?

Das Rezept nennt keine spezifischen Gewürze. Typisch für die spätmittelalterliche Küche wären jedoch eine Mischung aus Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelken oder Muskat. Experimentiere mit den Aromen, die dir zusagen.

Was ist mit 'placz' gemeint und wie bereite ich ihn zu?

'Placz' bezeichnet einen dünnen Fladen oder Pfannkuchen. Das Rezept gibt keine genauen Anweisungen für seine Zubereitung. Ein verwandtes Rezept zieht die gefüllten Eier durch einen dünnen, mit Safran und Zucker gewürzten Eierteig - orientiere dich daran oder nutze einen einfachen Pfannkuchenteig aus Mehl, Eiern und Milch oder Wasser, den du dünn in der Pfanne ausbackst, bevor du die gefüllten Eier darauflegst.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist gut für die Lagerküche geeignet. Die Zubereitung ist schnell und erfordert nur eine Pfanne und eine Feuerstelle. Eier sind robust genug für ein Lagerwochenende, wenn sie leicht gekühlt gelagert werden.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem 'Mondseer Kochbuch', einer umfangreichen Sammlung aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Es wurde im bairisch-österreichischen Raum, vermutlich im Umfeld des Klosters Mondsee, verfasst.

Was bedeutet ‚backe sie rot‘ - wird die Füllung eingefärbt?

Vermutlich nicht mit einem Färbemittel. ‚Rot backen‘ ist hier ein Bräunungsgrad: die Dotterfüllung soll in der Pfanne kräftig rötlich-braun anziehen - vergleichbar mit der Formel ‚bis es goldrot wird‘, die im Korpus für angebratene Speisen belegt ist (m5919-087). Der Text nennt kein Färbemittel, und die Füllung wird direkt in der Pfanne angebraten, was für eine Bräunungsfarbe statt einer zugesetzten Farbe spricht.

ITem wil dw von airen chochen So thue ains vnd sewdt air herdt vnd schell die enczway dw auß dy tutter dan so mengs mit rohen airen vnd mit geburcz full sy wider In die selbigen halben air cher die tutter in der phann pach sy rott nach ein dvnn placz leg die air dar auff laß paid placz vnd air czw samen pachen lab es dan von ein ander vnd gib es hin etc.
tutter

Bairisch-österreichische Bezeichnung für den Eidotter.

gebürcz

Frühneuhochdeutsche Schreibweise für 'Gewürze'. Die genaue Mischung ist nicht angegeben, aber typisch wären Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelken oder Muskat.

placz

Bezeichnet einen dünnen Fladen oder Pfannkuchen. Die Zutaten sind im Rezept nicht spezifiziert, doch der Zwilling m384-049 zieht die gefüllten Eier durch einen dünnen, mit Safran und Zucker gewürzten Eierteig - das stützt die Lesart als mitgebackener Eierkuchenteig.

pach sy rott

„Backe sie rot“ - hier ein Bräunungsgrad, keine Zutatenfarbe: Die Dotterfüllung soll in der Pfanne kräftig rötlich-braun anbacken, ähnlich der Formel „bis es goldrot wird“ (vgl. m5919-087). Der enge Zwilling mha-091 verwendet exakt dieselbe Wendung „pach sy rot“ für dieselbe Dotter-Ei-Masse - dort wurde sie bislang als Hinweis auf ein Färbemittel (Sandelholz) gelesen, was angesichts des hiesigen Pfannen-Kontexts eher für die Bräunungs-Lesart spricht.

Handschrift
Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1)
Folio
Fol. 031v
Sprache
Frühneuhochdeutsch (bairisch-österreichisch, 15. Jh.)
Entstehung
Österreich (Mondsee, Oberösterreich), 1480
CoReMA

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartcher die tutter

Gewählte Lesart: Die Phrase 'cher die tutter' wurde als 'Wende die Dotterfüllung' übersetzt. 'Cher' bedeutet 'kehren' oder 'wenden' und bezieht sich hier - wörtlich wie im Glossar festgelegt - auf 'tutter', den Eidotter bzw. die daraus bereitete Füllmasse, nicht auf die Eiweißhälfte als Ganzes.

Andere mögliche Lesart:

  • Denkbar wäre auch eine freiere Lesart 'wende das gefüllte Ei', die den ganzen Vorgang statt nur der Füllung benennt. - Der einzige weitere Beleg für 'cher die' im Korpus (mon-062, 'cher die hawt an das recht' = 'wende die Haut auf die rechte Seite') zeigt aber, dass 'cher' + direktes Objekt im Mondseer Sprachgebrauch das tatsächlich gewendete Objekt wörtlich benennt - hier also die Dotterfüllung, nicht ein Homonym mit verschobener Bedeutung.

Lesartlab

Gewählte Lesart: 'Lab es dan von ein ander' wurde als 'Löse es dann voneinander' übersetzt. Gemeint ist das Trennen von Fladen und Ei nach dem gemeinsamen Backen.

Andere mögliche Lesart:

  • 'Lab' könnte eine dialektale Nebenform oder Schreibvariante von 'laß' (lass) sein - im selben Satz verwendet der Schreiber nur wenige Wörter zuvor die reguläre Form 'laß' ('laß paid placz...'). - Für ein Verb 'lab' gibt es im lokalen Korpus keinen weiteren Beleg; die einzigen Treffer betreffen das Nomen 'Lab' (Käse-Lab). Beide Lesarten - 'löse' wie 'lass' - ergeben inhaltlich denselben Sinn (das gemeinsam Gebackene wird getrennt serviert), die Übersetzung ist dadurch gedeckt und für die Kochanleitung unkritisch.

Originalwerk (~1480) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 031v, Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609; bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz (CC BY-NC-SA 4.0)
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ms. GR1 (Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609), hyperdiplomatische Basistranskription, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Im Topf oder Pfanne am Feuer schnell zubereitet. Eier benötigen leichte Kühlung, sind aber robust genug für ein Lagerwochenende.
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