Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460
Aber von Eiern. Koche Eier hart und schneide sie der Länge nach auf. Löse die Dotter heraus, vermenge weitere Eier dazu und gib die Dotter in das Schapffen. Backe sie rot. Mache dazu eine dünne Platte, lege die Eier darauf und lass Platte und Eier zusammen backen. Schneide jedes Stück voneinander und trage es auf.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| ayr | Eier | - | - |
| dunn plat | Dünne Teigplatte | - | - |
Welches Gericht ist das? Ein Eidotter-Häppchen im Teigmantel: Die Dotter gekochter Eier werden herausgelöst, mit rohem Ei zu einer formbaren Masse gebunden und zwischen einer dünnen Teigplatte mitgebacken - ein in Stücke geschnittenes Häppchen für die Tafel. Der enge Zwilling mon-089 überliefert praktisch dieselbe Sequenz samt der Wendung „pach sy rot“, füllt die Dottermasse dort aber ausdrücklich zurück in die ausgehöhlten Eiweißhälften und brät sie zusätzlich in der Pfanne an, bevor beides mit dem Fladen zusammengebacken wird. mha-091 nennt diesen Rückfüll-Schritt nicht - die Dotter werden hier offenbar frei geformt (zue dem schapffen) statt in die Eiweiß-Schale zurückgegeben. Ob der Titel „Gefüllte Eier“ die volle Eiweiß-Hülle korrekt abbildet, bleibt daher am mha-091-Wortlaut selbst nicht sicher belegt.
Die Dottermasse. Aus den ausgelösten Dottern und etwas zugeschlagenem Ei wird eine geschmeidige Masse gerührt (meng dar zue aber ayr = menge weitere Eier dazu, ker dar zue die totter zue dem schapffen = gib/wende die Dotter dazu in das Schapffen). Das rohe Ei bindet die krümeligen Kochdotter zu einer Masse, die sich formen lässt und beim Mitbacken zusammenhält.
„schapffen“ - eine offene Frage. Das Wort ist auch in der CoReMA-Erschließung selbst als ungeklärt eingestuft (kein gesichertes Wikidata-Äquivalent, anders als ayr, totter und plat auf derselben Manuskriptseite). Gemeint ist wohl eine Form oder ein Gefäß, in das die Dottermasse gegeben wird - der genaue Gegenstand bleibt aber Hapax/ungeklärt.
„pach sy rot“ - ein Bräunungsgrad, kein Färbemittel. Der enge Zwilling mon-089 verwendet exakt dieselbe Wendung („pach sy rott“) für dieselbe Dotter-Ei-Masse, dort ausdrücklich beim Anbraten „in der phann“ (in der Pfanne). Das spricht dafür, „rot“ als kräftige, rötlich-goldbraune Bräunung beim Anbraten zu lesen - dieselbe Farbformel wie „bis es goldrot wird“ bei m5919-087 - statt als Auftrag, mit einem eigens zugesetzten Färbemittel zu arbeiten. Ein zusätzliches rotes Färbemittel wie Sandelholz oder Alkanna bliebe denkbar, ist aber durch den Text nicht gefordert.
Praxis. Eier hart kochen (nicht zu lange, sonst werden die Dotter grau), längs halbieren, Dotter auslösen. Dotter mit etwas rohem Ei zu einer formbaren Masse verrühren und formen - der Text nennt weder Gewürz noch Salz noch eine feste Form. Eine dünne Teigplatte auflegen (Zutaten und Zubereitung des Teigs nennt der Text nicht) und Platte und Dottermasse gemeinsam backen, bis der Teig gar ist. In mundgerechte Stücke schneiden und auftragen.
Der Begriff 'aber ayr' bedeutet 'weitere Eier'. Es ist nicht explizit genannt, ob ganze Eier oder nur Eiweiß gemeint ist. Eiweiß würde die Dottermasse binden, ohne die Farbe stark zu verändern, während ganze Eier die Masse reicher machen würden.
Nur eingeschränkt. Es erfordert mehrere Schritte - Eier kochen und formen, eine Teigplatte zubereiten und beides gemeinsam backen -, was eine gut regelbare, gleichmäßige Hitze braucht. Am offenen Lagerfeuer mit schwankender Glut ist das gleichmäßige Durchbacken der Teigplatte ohne Verbrennen schwer zu kontrollieren; besser zuhause vorbereiten.
Dieses Rezept stammt aus dem 'Kochbuch des Meisters Hans', einem Küchenmeister-Kochbuch für Graf Ulrich V. von Württemberg, verfasst um 1460. Die einzige erhaltene Handschrift wird heute an der Universitätsbibliothek Basel verwahrt - Basel ist also nur der heutige Aufbewahrungsort, nicht der Entstehungsort des Werks.
‚Pach sy rot‘ ist vermutlich als Bräunungsgrad gemeint, nicht als Farbauftrag: der Zwilling mon-089 verwendet dieselbe Wendung für dieselbe Dotter-Ei-Masse ausdrücklich beim Anbraten in der Pfanne - die Masse soll also kräftig rötlich-goldbraun anziehen, vergleichbar mit ‚bis es goldrot wird‘ (m5919-087). Ein zusätzliches Färbemittel wie rotes Sandelholz oder Alkanna wäre historisch denkbar, aber vom Text nicht gefordert.
„Backe sie rot“ - vermutlich ein Bräunungsgrad, kein Färbemittel: Der Zwilling mon-089 verwendet dieselbe Wendung für dieselbe Dotter-Ei-Masse ausdrücklich beim Anbraten in der Pfanne, was für kräftiges rötlich-goldbraunes Anbraten spricht (vgl. „bis es goldrot wird“ bei m5919-087). Ein zusätzliches Färbemittel wie Sandelholz oder Alkanna wäre denkbar, ist aber im Text nicht gefordert.
Eine dünn ausgerollte Teigplatte (oder dünner Fladen), in der die gefüllten Eier zwischen zwei Lagen mitgebacken werden.
ker (kêren = wenden, geben, hinwenden) - im Satz ker dar zue die totter zue dem schapffen: „gib/wende die Dotter dazu in das Schapffen“. Konsistent mit dem Zwilling mon-089 (cher die tutter in der phann = wende die Dotter in die Pfanne).
Eine Form oder ein Gefäß, in das die Dottermasse gegeben wird; meng dar zue aber ayr meint, weitere (rohe) Eier zur Bindung unterzumengen. Das Wort selbst ist auch in der CoReMA-Erschließung als ungeklärt eingestuft - im Unterschied zu ayr, totter und plat auf derselben Manuskriptseite gibt es dafür kein gesichertes Wikidata-Äquivalent.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
pach sy rot
Gewählte Lesart: Ein Bräunungsgrad beim Anbraten, kein Farbauftrag: Der Zwilling mon-089 verwendet dieselbe Wendung für dieselbe Dotter-Ei-Masse ausdrücklich beim Anbraten in der Pfanne (vgl. „bis es goldrot wird“ bei m5919-087).
Andere mögliche Lesart:
schapffen
Gewählte Lesart: Eine Form oder ein Gefäß, in das die Dottermasse zum Formen gegeben wird.
Andere mögliche Lesart:
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