München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 725 · Tegernsee / Oberbayern · 1480

Gefullte ayr
Item prich dy air vnden vnd oben auf an dem spicz vnd lar sy aus vnd vnd sewd es das aus denn ayren komen ist vnd hack es dan klain vnd wurcz das woll vnd slach annder ayr daran vnd ain wenig Smalcz vnd ful das wider ein dy schallen vnd stosz es an ein spisz lein vnd brate sy so hastu guette ayr
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ms. M5 (München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 725), hyperdiplomatische Basistranskription, CC BY 4.0
Lagerküche-Tipp: Lagerküche-Tipp: Technisch machbar - aber im Grunde Rührei mit Extra-Schritten (ausblasen, garen, würzen, zurückfüllen, am Spießlein braten). Wenn euch gerade furchtbar langweilig ist und ihr nichts Besseres zu tun habt: nur zu. Ansonsten macht lieber Rührei.
Brich die Eier unten und oben am Spitz auf und lass den Inhalt herauslaufen. Siede diesen Eierinhalt, bis er fest ist, und hacke ihn dann klein. Würze das Gehackte gut. Schlage weitere frische Eier und ein wenig Schmalz dazu. Fülle die Mischung wieder in die leeren Eierschalen zurück. Spieße die gefüllten Eierschalen auf ein kleines Spießlein und brate sie. So erhältst du gute Eier.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| dy air | Eier | - | - |
| annder ayr | zusätzliche Eier | - | - |
| Smaltz | Schmalz | - | Pflanzenöl oder Butter |
| wurcz das woll | Gewürze | - | Salz, Pfeffer, Ingwer |
Welches Gericht ist das? Gefüllte Eier in der eigenen Schale, am Spießlein gebraten - ein Schau-Effekt: Die Eier werden an beiden Spitzen aufgebrochen und ausgeblasen, der Inhalt fest gegart, gehackt, gewürzt, mit frischem Ei und Schmalz gebunden, in die leeren Schalen zurückgefüllt und auf einem Spießchen gebraten. Ein Verwandter der gefüllten Eier (vgl. mha-280, teg-031).
Ehrlich gesagt: kulinarisch ist das Rührei mit Extra-Schritten - der Reiz liegt allein in der Vorführung (das Ei sieht ganz aus, ist aber gefüllt). Wer den Aufwand nicht braucht, würzt das Ei und macht Rührei.
Praxis. Eier an beiden Enden anstechen und ausblasen; die Eimasse fest garen, hacken, würzen (Pfeffer, Ingwer, Salz), mit etwas rohem Ei und Schmalz binden, in die Schalen zurückfüllen und auf Spießchen kurz braten.
Tierisches Fett, meist Schweineschmalz. Im Mittelalter ein häufig verwendetes Bratfett.
Ein kleines Spießchen, hier wohl ein Holzspießchen, um die gefüllten Eierschalen über dem Feuer oder in der Glut zu braten.
Im Mittelalter wurden Speisen oft mit einer Mischung aus Pfeffer, Ingwer, Salz und manchmal auch Safran oder Nelken gewürzt. Für dieses einfache Gericht sind Salz und Pfeffer eine gute Wahl, eventuell ergänzt durch eine Prise Ingwer für eine leichte Schärfe.
Machbar - aber ehrlich gesagt aufwändiger Schnickschnack: Es ist letztlich Rührei, das man umständlich in die ausgeblasene Eierschale zurückfüllt und am Spießchen brät. Fürs Lager nett als kleine Vorführung; wer satt werden will, würzt das Ei und macht Rührei.
Dieses Rezept stammt aus den Münchner Kochbuchhandschriften (Cgm 725), die um 1480 im Benediktinerkloster Tegernsee verfasst wurden. Es ist ein Beispiel für die spätmittelalterliche Klosterküche in Ostmittelbayern.
Schmalz ist tierisches Fett, meist Schweineschmalz oder Gänseschmalz. Es war im Mittelalter ein gängiges Bratfett. Du kannst es durch Butter oder ein Pflanzenöl wie Raps- oder Sonnenblumenöl ersetzen, wenn du eine vegetarische Alternative bevorzugst.