München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 5919 · Regensburg, Bayern · 1505
Nimm welsche Weinbirnen und reinige sie gründlich. Stoße sie dann in einem Mörser. Nimm geschälte Mandeln und stoße sie ebenfalls darin. Mische Ingwer und Zucker dazu. Wenn das geschehen ist, wälze die Masse in der Hand und forme daraus kleine Birnen. Stecke dann unten ganze Mandelkerne hinein, die wie Stiele aussehen.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| welhische weinpir | Welsche Weinbirnen | gut sortierter Supermarkt, Wochenmarkt | Feste Kochbirnen |
| geschelten mandel | Geschälte Mandeln | Supermarkt (Backregal) | Ungeschälte Mandeln, selbst blanchiert |
| ymbier | Ingwer | - | - |
| zucker | Zucker | - | - |
| mandel kerne | Ganze Mandeln | Supermarkt (Backregal) | - |
Welches Gericht ist das? Ein höfisches Birnen-Mandel-Konfekt - im Grunde ein frühes, fruchtiges Marzipan: welsche Weinbirnen und geschälte Mandeln werden im Mörser zu einer festen Paste gestoßen, mit Ingwer und Zucker gewürzt und zu kleinen Birnen geformt, garniert mit eingesteckten Mandelkernen als Stiele. Verwandt mit Martinos Marzipan (mar-145, mar-146) und den geformten Schau-Konfekten (mha-007).
welhische weinpir. Welsche (romanische, meist italienische) Weinbirnen - feste Kochbirnen, die sich gut zu Paste stoßen lassen.
Praxis. Feste Kochbirnen sehr fein mörsern, mit etwa gleich viel blanchierten, gemahlenen Mandeln zu einer knetbaren Masse stoßen, mit gemahlenem Ingwer und Zucker abschmecken. Ist die Masse zu feucht, mehr Mandeln zugeben. Zu kleinen Birnchen rollen, je einen ganzen Mandelkern als Stiel hineinstecken - ein hübsches Schau-Konfekt.
Im Mittelalter war der Mörser ein großes, schweres Gerät, um Zutaten wie Fleisch, Fisch oder in diesem Fall Birnen und Mandeln zu einer feinen Paste zu zerstoßen. Für dieses Rezept kannst du stattdessen eine moderne Küchenmaschine oder einen Blender verwenden, um eine glatte Masse zu erhalten. Wer authentisch arbeiten möchte, benötigt einen großen Granit-Mörser mit schwerem Holzstößel.
Ja, dieses Rezept ist gut für die Lagerküche geeignet. Die Zutaten sind robust und benötigen keine Kühlung. Die Zubereitung im Mörser oder mit vorbereiteten gemahlenen Mandeln ist unkompliziert und erfordert nur grundlegendes Equipment.
Dieses Rezept stammt aus dem 'Regensburger Kochbuch' (Cgm 5919), das um 1500-1510 in Regensburg verfasst wurde. Es repräsentiert die gehobene bürgerliche bis klösterliche Küche des mittelbairischen Raums der Spätgotik.
'Welhische weinpir' bezeichnet 'welsche Weinbirnen', also Birnen aus romanischsprachigen Gebieten, die für ihre feste Konsistenz und Eignung zum Kochen bekannt waren. 'Pren' ist ein weniger eindeutiger Begriff, der hier am wahrscheinlichsten kleine, zapfenförmige oder birnenähnliche Gebilde meint, die aus der Birnenmasse geformt werden. Es könnte sich auch um eine Art von Konfekt oder Gebäck handeln, dessen Form hier imitiert wird.
Birnen. Im Mittelalter waren Birnen eine beliebte Frucht, oft gekocht oder zu Mus verarbeitet.
Ein großer Fleischmörser, nicht der kleine Gewürzmörser. Er diente zum Zerkleinern und Pürieren von Fleisch, Fisch oder Früchten zu einer feinen Paste.
Ingwer war ein weit verbreitetes und geschätztes Gewürz im Mittelalter, das sowohl in süßen als auch in herzhaften Speisen verwendet wurde.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
ymbier
Gewählte Lesart: Ingwer
Andere mögliche Lesart:
pren
Gewählte Lesart: kleine Birnen
Andere mögliche Lesart:
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