München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 5919 · Regensburg, Bayern · 1505
Nimm gekochtes Wasser und gib Mehl hinein. Verrühre das gut, sodass es dickflüssig bleibt. Dann gib vier Eier hinein und mische das gut. Streiche den Teig mit einem Löffel portionsweise in die Pfanne mit Schmalz. Wenn das Gebäck gebraten ist, so streue reichlich Zucker darauf.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| Sieduncz ge wasser | Wasser | Leitung | - |
| mell | Mehl | - | - |
| vier ayr | 4 Eier | - | - |
| smalcz | Schmalz | Supermarkt, Metzger | Pflanzenöl oder Butterschmalz |
| zucher | Zucker | - | - |
Welches Gericht ist das? Bemerkenswert: ein früher Brandteig (~1500). Siedendes Wasser wird mit Mehl abgebrannt, dann werden Eier eingearbeitet, der Teig löffelweise in Schmalz ausgebacken und gezuckert - der direkte Vorfahr von Spritzkuchen und Brandteig-Krapfen, lange vor der französischen Pâte à choux. Im Korpus der nächste Verwandte: mha-140 (Brandteig-Pfanntaler).
Praxis. Wasser aufkochen, Mehl einrühren und unter Rühren abbrennen, bis ein glatter, dicker Kloß entsteht; etwas abkühlen, dann nacheinander vier Eier kräftig einarbeiten, bis der Teig zäh-glänzend ist. Mit zwei Löffeln Nocken abstechen, in heißem Schmalz goldbraun ausbacken, zuckern.
Der Begriff 'Brandgebäck' (prantz gepachen) bezieht sich hier auf eine Art von frittiertem Teig, ähnlich heutigen Frittern oder dicken Pfannkuchen. Der Name könnte vom 'Branden' (Braten/Frittieren) im heißen Fett herrühren.
Ja, dieses Rezept ist hervorragend für die Lagerküche geeignet. Es ist schnell zubereitet (ca. 15-20 Minuten), benötigt nur wenige, robuste Zutaten und einfaches Equipment wie einen Topf oder eine Pfanne über dem Feuer. Ein Goldstandard für die schnelle süße Speise.
Dieses Rezept stammt aus dem 'Regensburger Kochbuch' (Cgm 5919), einer Handschrift aus Regensburg, die um 1500-1510 datiert wird. Es ist in Frühneuhochdeutsch (mittelbairischer Dialekt) verfasst und repräsentiert die gehobene bürgerliche Küche der Zeit.
'Siedewasser' (Sieduncz ge wasser) bezeichnet hier einfach Wasser, das zum Kochen gebracht wurde. Es ist kein spezielles Wasser, sondern lediglich die Anweisung, kochendes Wasser für die Teigzubereitung zu verwenden.
Wörtlich ein 'gebranntes Gebäck': der Teig wird durch Abbrennen von Mehl in siedendem Wasser hergestellt - ein früher Brandteig, lange vor der französischen Pâte à choux.
Siedend heißes Wasser. Es wird über das Mehl gegeben und abgebrannt; kein besonderes Wasser, sondern die Brandteig-Technik.
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