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Orangen-Eierkuchen für Gaukler

Registrum Coquine quomodo et qualiter preparantur cibaria per integrum annum · Päpstliche Kurie, Rom / Konstanz · 1433

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10Höfische KücheHofkücheVegetarischVegetarisch
Zubereitungszeit20 Min.Portionen2-4 PersonenBuchRegistrum Coquine (~1433)

Nimm Orangen nach Belieben und presse den Saft daraus. Gib gut verquirlte rohe Eier mit Zucker hinzu und vermische alles gründlich.

Erhitze danach Schmalz in einer Pfanne, gib die ganze Mischung hinein und lass sie flach garen. Dies wird gut sein für die Gaukler.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
pomerantias ad libitum tuum Orangen nach Belieben - - -
oua cruda Rohe Eier - - -
zucharo Zucker - - -
sagimen Schmalz - - Pflanzenöl

Welches Gericht ist das? Ein flacher, süßer Eierkuchen mit Orangensaft - im Kern eine süße frittata (so nennt es der lateinische Titel fritatam), also der italienische Verwandte unserer Omelette, hier auf der Dessert-Seite. Wer eine moderne Brücke sucht: ein Pfannkuchen oder eine Crêpe mit Orange und Zucker, oder eine süße Eierstich-Pfanne. Die Orange ist die Pointe - im frühen 15. Jahrhundert eine teure Importfrucht, der Süßorange noch nicht etabliert, daher eher die bittere Pomeranze (pomerantia), deren Saft sauer-herb gegen den Zucker spielt.

Sagimen. Das Bratfett ist Schmalz, das Standard-Bratfett der Zeit. Wer es leichter mag, brät in neutralem Pflanzenöl oder Butter.

Plane coquere. Wörtlich "flach garen" - die Masse kommt dünn in die Pfanne und gart als flacher Fladen, nicht als hohes Rührei. Das passt zum Begriff fritata im Titel.

Pro hystrionibus. "Für die Gaukler" - eine von Bockenheims typischen Schicht-Zuschreibungen (er adressiert Rezepte an Adlige, Bauern, Deutsche usw.). Hier wohl als schnelles, süßes Pfannengericht für fahrendes Volk gedacht; man liest sie am besten als augenzwinkernde Zielgruppen-Etikette, nicht als küchentechnische Vorgabe.

Praxis. Saft von 1-2 (Bitter-)Orangen mit 3-4 verquirlten Eiern und 1-2 EL Zucker glattrühren. Schmalz oder Öl in einer Pfanne erhitzen, die Masse hineingeben, bei mittlerer Hitze flach stocken lassen, einmal wenden. Frisch und warm servieren, evtl. mit etwas Zucker bestreut.

Was bedeutet der Zusatz „pro hystrionibus“?

„Pro hystrionibus“ bedeutet „für Gaukler“ oder „für Unterhalter“. Es deutet darauf hin, dass dieses Gericht für reisende Künstler oder als Teil einer festlichen Unterhaltung gedacht war. Es ist wahrscheinlich eine einfache, aber schmackhafte Speise, die gut zu transportieren oder schnell zuzubereiten war.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein, nicht ideal. Es erfordert frische Eier und eine Pfanne zum Braten, was unter einfachen Lagerbedingungen schwierig sein kann. Zudem ist die Kühlung von Eiern im Sommerlager problematisch. Zuhause vorbereiten.

Was ist „sagimen“ im Rezept?

„Sagimen“ ist das mittellateinische Wort für Schmalz, also tierisches Fett, meist Schweineschmalz. Es wurde im Mittelalter häufig zum Braten und Kochen verwendet, da es leicht verfügbar und geschmacksintensiv war.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Registrum Coquine (Päpstliche Kurie, Rom / Konstanz). Das älteste erhaltene Kochbuch eines namentlich bekannten päpstlichen Küchenmeisters. Johannes von Bockenheim kochte ab 1417 für Papst Martin V.; sein Registrum (~1431-1435) verzeichnet 80 Rezepte mit Angaben, für welche Nationalitäten oder Stände sie geeignet sind - für Italiener, Deutsche, Böhmen, Frauen, Adelige, Söldner, Mönche u.v.m. Das macht es zum einzigen mittelalterlichen Kochbuch mit expliziter Zielgruppenzuordnung.

Ad faciendum fritatam de pomerantiis pro hystrionibus Recipe pomerantias ad libitum tuum, et extrahe inde succum, et mitte oua cruda bene percussa cum zucharo, bene temperato, post hoc recipe sagimen, et fac calefieri in patella, mitte illa omnia intus, et fac plane coquere, Et erit bonum pro hystrionibus.
pomerantias

Mittellateinisch für Orangen, im frühen 15. Jahrhundert eine teure Importfrucht; gemeint ist eher die bittere Pomeranze, deren herb-saurer Saft gegen den Zucker spielt.

fritatam

Lateinisch für eine in der Pfanne flach gegarte Eierspeise (italienisch frittata) - hier in der süßen Variante.

hystrionibus

"Für die Gaukler/Unterhalter" - eine von Bockenheims typischen Schicht-Zuschreibungen; eher augenzwinkernde Zielgruppen-Etikette als küchentechnische Angabe.

Handschrift
Registrum Coquine quomodo et qualiter preparantur cibaria per integrum annum
Folio
fol. 71v
Sprache
Mittellatein (frühes 15. Jh.)
Entstehung
Päpstliche Kurie, Rom / Konstanz, 1433

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

oua crudachicken egg Q15260613
zucharounrefined cane sugar Q57656231
sagimenanimal fat Q1423543

Originalwerk (~1433) gemeinfrei.

Bildquelle
BnF Ms. Latin 7054, fol. 71v/72r (Gallica ark:/12148/btv1b10035736w, f72) - Domaine public Quelle öffnen
Transkription
Robert Maier (Hg.): Das Registrum Coquine des Johannes von Bockenheim, Monumenta culinaria 3, GEB Gießen 2013 - CC BY-NC-SA 3.0 (urn:nbn:de:hebis:26-opus-93375) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
In der Pfanne am Feuer schnell gemacht. Eier kühl transportieren, Orangen sind robust.
Alle Rezepte aus Registrum Coquine Alle Kochbücher

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Stand dieser Fassung: 11.07.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.