München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 5919 · Regensburg, Bayern · 1505
Nimm harten Käse und reibe ihn gut. Schlage Eier daran und hacke ein wenig Speck dazu sowie ein wenig Mehl. Mische alles gut untereinander und streiche es in die Pfanne. Wenn es gebacken ist, streue Zucker darüber.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| herten kes | Hartkäse | Supermarkt | - |
| ayr | Eier | - | - |
| speck | Speck | Metzger, Supermarkt | geräucherter Bauchspeck |
| melbs | Semmelmehl | Supermarkt | Weizenmehl |
| zucher | Zucker | - | - |
Welches Gericht ist das? Ein herzhaft-süßes Käse-Speck-Pfannengebäck: geriebener Hartkäse, Ei, etwas Speck und ein wenig Mehl zu einem Teig verrührt, in der Pfanne ausgebacken und mit Zucker bestreut - ein früher Verwandter herzhafter Käse-Pfannküchle und der gebackenen Käse-Speck-Krapfen (bgs-044).
Süß auf herzhaft. Der Zucker obenauf ist periodentypisch: süß-pikanter Kontrast und gleichzeitig Statusgeste (teurer Importzucker).
Praxis. Hartkäse fein reiben, mit verquirlten Eiern, fein gehacktem Speck und etwas Mehl verrühren, esslöffelweise in heißem Fett goldbraun braten, zuckern.
Das Rezept spricht von ‚hartem Käse‘. Ein gut gereifter Bergkäse, Emmentaler oder auch Parmesan wären passende Optionen, die dem Gericht einen kräftigen Geschmack verleihen.
Ja, dieses Rezept ist hervorragend für die Lagerküche geeignet. Die Zutaten sind robust oder leicht zu kühlen, und die Zubereitung in der Pfanne über offenem Feuer ist schnell und unkompliziert.
Dieses Rezept stammt aus dem ‚Regensburger Kochbuch‘ (Cgm 5919), das um 1500-1510 in Regensburg verfasst wurde. Es ist ein Beispiel für die gehobene bürgerliche Küche dieser Zeit in Bayern.
Im Mittelalter war Zucker ein teures Importgut und galt als Gewürz und Statussymbol. Er wurde oft auch auf herzhaften Speisen verwendet, um einen Kontrast zu schaffen und den Reichtum des Hauses zu demonstrieren. Die Kombination von süß und pikant war in der mittelalterlichen Küche sehr beliebt.
Hartkäse, etwa ein gereifter Bergkäse oder Parmesan - geht beim Braten nicht völlig auf, sondern gibt der Masse Biss.
Wörtlich 'Mehl' (Genitiv); hier nur als kleines Bindemittel, das Käse und Ei zusammenhält - keine eigentliche Teigbasis.
Das Bestreuen herzhafter Speisen mit Zucker war im Mittelalter eine gängige Praxis und ein Zeichen von Wohlstand, da Zucker ein teures Importgut war.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
melbs
Gewählte Lesart: etwas Mehl (als Bindung)
Andere mögliche Lesart:
Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.