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Heidnische Erbsen - Mandel-Honig-Konfekt

Daz buoch von guoter spîse · Würzburg · 1350

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 7/10Höfische KücheHofkücheVegetarischVegetarisch
Zubereitungszeit15 Min.Portionen4-6 Personen (als Konfekt)BuchDas Buch von guter Speise (~1350)

Heidnische Erbsen.

Wollt Ihr böhmische Erbsen machen, so nehmt Mandelkerne und stoßt sie ganz fein. Mischt sie mit einem Drittel der Menge an Honig. Mengt gute Gewürze gut darunter, so hat es den allerbesten Geschmack. Man genießt es kalt oder warm.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
mandelkern 200 g fein gestoßene Mandeln (im Mörser) - -
honiges ca. 70 g Honig - -
guoten wuertzen 1-2 TL Gewürzmischung (z.B. Pfeffer, Ingwer, Galgant, Nelke, Muskat, Zimt) - -

Welches Gericht ist das? Ein mittelalterliches Konfekt: fein gestoßene Mandeln werden mit einem Drittel ihres Gewichts an Honig und Gewürzen zu einer festen, formbaren Paste verknetet - ein früher Verwandter von Marzipan und von würzigen Honig-Mandel-Konfekten. Der Name „Erbsen" meint vermutlich die Form: kleine, erbsengroße Kügelchen.

Heidenische / behemmische erweiz. Der Titel nennt „Heidnische Erbsen", der Rezeptanfang „Böhmische Erbsen" - zwei unterschiedliche mittelhochdeutsche Beiwörter für dieselbe Speise. „Heidnisch" (wie bei den „Heidnischen Köpfen" bgs-095) signalisiert oft das Fremdländisch-Exotische teurer Importzutaten wie Mandeln und Gewürze; „böhmisch" verweist auf eine regionale Zuschreibung. Echte Erbsen sind nicht beteiligt - der Name spielt auf die kleine, runde Form an.

mandelkern vnd die gar cleine. Das Verb für die Zerkleinerung ist an dieser Stelle im Transkript nicht erhalten; an vergleichbaren Stellen im Buch werden Mandelkerne durchgehend im Mörser gestoßen, nicht gemahlen. Die Paste entsteht also durch feines Stoßen der Mandeln.

dritteil als vil honiges gibt das einzige feste Maß: ein Drittel so viel Honig wie Mandeln. Das hält die Masse formbar, ohne sie zu klebrig zu machen.

Praxis. Etwa 200 g fein gestoßene Mandeln (im Mörser, je feiner desto glatter das Ergebnis) mit rund 60-70 g Honig zu einer festen, geschmeidigen Paste verkneten. Eine zeittypische süße Gewürzmischung untermengen (Zimt, Ingwer, Nelke, Muskat). Keine Hitze nötig, alles wird kalt vermischt. Zu kleinen Kugeln formen - vielleicht in Erbsengröße, worauf der Name anspielt. Das Original sagt man kalt oder warm - die Kügelchen lassen sich kalt naschen oder zum Servieren leicht erwärmen. Sie halten sich gut (Honig konserviert), daher ein dankbares Mitnehm-Konfekt.

Wo bekomme ich die Gewürze für dieses Rezept?

Die genannten Gewürze wie Pfeffer, Ingwer, Nelke, Muskat und Zimt sind in jedem Supermarkt erhältlich. Galgant findet man in gut sortierten Supermärkten, Asia-Läden oder online. Eine fertige mittelalterliche Gewürzmischung kann ebenfalls verwendet werden.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, absolut! Dieses Rezept ist ideal für die Lagerküche. Es benötigt keine Kochhitze (außer zum optionalen Erwärmen) und die Zutaten sind leicht zu transportieren und zu lagern. Mandeln können bereits gestoßen mitgebracht werden, und das Mischen ist schnell erledigt.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus 'Das Buch von guter Speise', einem der ältesten erhaltenen Kochbücher in deutscher Sprache, verfasst um 1350 im süddeutschen Raum (vermutlich Würzburg). Es gibt Einblicke in die höfische und bürgerliche Küche des Spätmittelalters, oft mit Fokus auf Fastenspeisen.

Was bedeutet 'erweiz' in diesem Rezept, wenn keine Erbsen verwendet werden?

Im Kontext dieses Rezepts ist 'erweiz' (Erbsen) nicht wörtlich gemeint. Es handelt sich nicht um tatsächliche Erbsen, sondern um ein Konfekt aus Mandeln, Honig und Gewürzen, das vermutlich wegen der kleinen, runden Form der Kügelchen 'Erbsen' genannt wird. Der Beiname 'heidnisch' bzw. 'böhmisch' verweist auf die exotischen, teuren Importzutaten (Mandeln, Gewürze), nicht auf eine Fastenregel oder eine tatsächliche Herkunft aus Böhmen.

Heidenische erweiz. Wilt du machen behemmische erweiz, so nim mandelkern vnd die gar cleine vnd mengez mit dritteil als vil honiges. guoten wuertzen wol gemenget, so erz allerbeste hat. man kalt oder warm.
Heidenische / behemmische erweiz

'Heidnische' bzw. 'Böhmische Erbsen' - zwei Namen für dieselbe Speise. Kein Gericht mit echten Erbsen; der Name meint die kleine, runde (erbsengroße) Form. 'Heidnisch/böhmisch' markiert das Exotisch-Fremdländische der teuren Importzutaten.

mandelkern ... gar cleine

Mandelkerne, fein gestoßen (im Mörser) - Grundlage für die glatte Konfektpaste. Das Verb für die Zerkleinerung fehlt an dieser Stelle im Transkript; an vergleichbaren Stellen im Buch wird für Mandelkerne durchgehend gestoßen, nicht gemahlen.

dritteil als vil honiges

Ein Drittel so viel Honig wie Mandeln - das einzige feste Maß im Rezept, hält die Paste formbar.

man kalt oder warm

Man genießt es kalt oder warm.

Handschrift
Daz buoch von guoter spîse
Folio
Fol. 162v
Sprache
Mittelhochdeutsch
Entstehung
Würzburg, 1350

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesart

Originalwerk (~1350) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 162v, Universitätsbibliothek München, 2° Cod. ms. 731 (Cim. 4), Open Access LMU
Transkription
Uni Giessen (Gloning, Digitale Edition 1994/2001) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche · ⭐ Gold - vollständig lagerküchentauglich
Ideal für die Lagerküche: robuste, haltbare Zutaten (Mandeln, Honig, Gewürze), keine Hitze nötig, nur verkneten und zu Kugeln formen. Honig konserviert, das Konfekt hält sich gut. Mandeln am besten schon gestoßen mitbringen.
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