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Gewürzte Küchlein aus Fleisch oder Geflügel

Koch vnd Kellermeysterey von allen Speisen vnd Getrencken · Frankfurt am Main · 1574

LagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10Bürgerliche KücheBürgerlich
Zubereitungszeit45 Min.Portionen4 PersonenBuchKoch und Kellermeisterei (~1574)

Küchlein von Fleisch, Wildbret, Hühnern oder Vögeln.

Siede es vor, nimm es heraus, hacke es klein und mache es ab mit Gewürzen und Salz. Stoße es im Mörser, schlage Eier hinein - nicht zu dünn, damit es sich zu Küchlein machen lässt - und backe es braun. Man darf es aus einem Pfeffer (in einer Pfeffersauce) oder sonst als Gebratenes essen.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
Fleisch/ Wildbret/ Hünern oder Vögeln 500 g Fleisch oder Geflügel (z.B. Huhn, Schwein, Rind, Wild) - -
Würtz Eine Prise Gewürzmischung (z.B. Pfeffer, Ingwer, Nelken, Muskat) - -
Saltz Salz - -
Eyer 2-3 Eier - -

Welches Gericht ist das? Gebratene Küchlein aus vorgegartem, fein gestoßenem Fleisch - eine Resteverwertung für gekochtes Fleisch, Wild oder Geflügel, verwandt mit Frikadellen und den Lungenküchlein desselben Buches (kkm-061, kkm-062, kkm-063). Das Verfahren "vorgaren, hacken, im Mörser stoßen, mit Ei binden, braten" ist das gleiche Farce-Grundmuster.

Welcherley - das Rezept ist bewusst offen für jede Fleischart, daher kein Wild- oder Geflügelgericht im engeren Sinn.

Back es braun: Trotz des Verbs "backen" sind kleine flache Küchlein gemeint, die in der Pfanne in Fett goldbraun gebraten werden - "backen" steht hier im älteren Sinn von "in Fett braten/frittieren".

Aus einem Pfeffer ... essen: Ein Pfeffer ist im Mittelalter und der frühen Neuzeit eine gebundene, pfefferlastige Sauce (vgl. Pfeffersaucen), nicht das bloße Gewürz. Die Küchlein werden also wahlweise in einer Pfeffersauce oder einfach als Gebratenes serviert.

Praxis. 500 g Fleisch, Wild oder Geflügel weich kochen, herausnehmen und fein hacken, mit Gewürzen und Salz abschmecken, im Mörser (oder Cutter) zu einer geschmeidigen Farce stoßen. 2-3 Eier einarbeiten - nur so viel, dass die Masse formbar bleibt ("nit zu dünn"). Kleine flache Küchlein formen und in heißem Fett beidseitig goldbraun braten. Mit einer Pfeffersauce oder als Bratengericht servieren.

Was ist ein 'Mörser', brauche ich einen Mörser und Stößel?

In mittelalterlichen Rezepten ist mit 'Mörser' oft ein großer Fleischmörser gemeint, der dazu diente, Fleisch oder andere Zutaten zu einer feinen Farce zu zerstoßen. Für dieses Rezept kannst du stattdessen einen Fleischwolf oder eine Küchenmaschine verwenden, um das gekochte Fleisch sehr fein zu zerkleinern. Ein kleiner Gewürzmörser ist hierfür nicht ausreichend.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist sehr gut für die Lagerküche geeignet. Das Kochen und Hacken des Fleisches kann zu Hause vorbereitet werden. Im Lager musst du dann nur noch die Eier und Gewürze untermischen, die Küchlein formen und in einer Pfanne über dem Feuer oder auf einem Kocher braten.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch 'Koch und Kellermeisterei', das um 1574 in Frühneuhochdeutsch verfasst wurde. Es bietet Einblicke in die bürgerliche Küche der frühen Neuzeit.

Welche Art von Fleisch kann ich für die Küchlein verwenden?

Das Rezept ist sehr flexibel und erlaubt die Verwendung von Rind, Schwein, Wild, Huhn oder anderen Vögeln. Du kannst auch eine Mischung aus verschiedenen Fleischsorten verwenden, je nach Geschmack und Verfügbarkeit.

Küchlin von Fleisch/ Wildbret/ Hünern oder Vögeln. Seuds vor/ thu es aus/ hack es klein/ mach es ab/ mit Würtz vnd Saltz/ stoß in eim Mörser/ schlahe Eyer darein/ nit zu dünn/ das sichs las zu kuchen machen/ back es braun. Man mag es aus einem Pfeffer/oder sonst/ für gebrahtens essen.
welcherley

welches Fleisch/Geflügel auch immer - bewusst offen gelassen.

stoß in eim Mörser

im (großen Fleisch-)Mörser zur feinen Farce stoßen.

back es braun

in der Pfanne goldbraun braten ("backen" hier = in Fett braten).

aus einem Pfeffer

in einer Pfeffersauce - der mittelalterliche "Pfeffer" ist eine gebundene Sauce, nicht das Gewürz.

Handschrift
Koch vnd Kellermeysterey von allen Speisen vnd Getrencken
Sprache
Frühneuhochdeutsch
Entstehung
Frankfurt am Main, 1574

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartaus einem Pfeffer ... essen

Gewählte Lesart: in einer Pfeffersauce essen - "ein Pfeffer" bezeichnet eine gebundene, pfefferlastige Sauce.

Andere mögliche Lesart:

  • stark mit Pfeffer gewürzt essen. - Der formelhafte Ausdruck "aus einem Pfeffer essen" ist im Korpus klar eine Sauce; die Lesart als bloße Würzung ist daher unwahrscheinlich.

Originalwerk (~1574) gemeinfrei.

Bildquelle
Koch und Kellermeisterei, S. 039
Transkription
Uni Giessen (Gloning, Digitale Edition 2000) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Das Vorgaren und Hacken lässt sich zu Hause erledigen; am Lager nur noch Eier und Gewürze untermischen, Küchlein formen und in der Pfanne über dem Feuer braun braten. Ein großer Mörser ist im Lager unpraktisch - alternativ vorbereitete Farce mitbringen.
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