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Schweineleber-Röllchen im Netzfett (Figatelli)

Registrum Coquine quomodo et qualiter preparantur cibaria per integrum annum · Päpstliche Kurie, Rom / Konstanz · 1433

SchweinHauptspeise · SchweinLagerkücheLagerküche-tauglichMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10Höfische KücheHofküche
Zubereitungszeit45 Min.Portionen4 PersonenBuchRegistrum Coquine (~1433)

Nimm Schweineleber mit den anderen Innereien und schneide sie in fingerlange Stücke. Umwickle diese Stücke mit dem Schweinenetz, stecke sie auf einen Bratspieß und brate sie. Nimm danach süße Gewürze mit einer guten, fetten Brühe. Lege die Stücke in eine Schüssel oder auf einen Teller, so dass sie die Brühe nicht berühren, und streue die süßen Gewürze darüber. Dies wird gut sein für Zuhälter und Schlemmer.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
Iecur porcinum cum aliis intestinis Schweineleber und andere Innereien Metzger (auf Bestellung) -
rethe porchino Schweinenetz (Netzfett) Metzger (auf Bestellung) -
speties dulces Süße Gewürze - Zimt, Ingwer, Nelke, Muskat, etwas Zucker
bono brodio grasso Gute, fette Brühe - -

Welches Gericht ist das? Gehackte Schweineleber und -innereien, in fingerlange Stücke geteilt, in Schweinenetz gewickelt und am Spieß gebraten - eine frühe Crépinette, verwandt mit dem korsischen figatellu und Martinos Leberbällchen im Netzmantel (mar-021). Es ist das Schweine-Original, auf das das Hammel-Rezept boc-023 ausdrücklich zurückverweist; in dieselbe Innereien-im-Darm/Netz-Familie gehören die Andouilles des Ménagier (men-008).

Das rethe porchino (Schweinenetz) ist der Kniff: Die dünne, fettdurchzogene Haut hält die lockeren Innereien-Stücke zusammen, hält sie beim Braten saftig und schmilzt dabei weg - genau wie bei der modernen Crépinette.

Serviert wird trocken-gewürzt: Die gebratenen Röllchen kommen in eine Schüssel, ita quod brodium non tangant - so dass sie die fette Brühe nicht berühren. Die Brühe steht darunter (oder daneben) und hält warm, die speties dulces (süßen Gewürze) werden zum Schluss trocken darübergestreut. So bleibt die Bratkruste knusprig und bekommt eine warme Süßgewürz-Note obenauf.

Praxis. Schweineleber und gemischte Innereien (Herz, Niere) grob hacken oder in fingerlange Streifen schneiden, salzen und pfeffern. In eingeweichtes, ausgebreitetes Schweinenetz einschlagen, zu kleinen Päckchen oder Röllchen formen und auf Spieße stecken. Über glühender Holzkohle oder im heißen Ofen rundum braten, bis das Netz geschmolzen und die Kruste gebräunt ist (ca. 20-30 Min). Auf einem vorgewärmten Teller anrichten, eine Mischung aus Zimt, Ingwer, Nelke, Muskat und etwas Zucker darüberstreuen, eine fette Brühe getrennt dazureichen.

Wo bekomme ich Schweinenetz (Netzfett)?

Netzfett ist Metzgerware und muss fast immer vorbestellt werden. Vor dem Gebrauch in lauwarmem Wasser (gern mit einem Schuss Essig) einweichen, dann lässt es sich gut entfalten und um die Füllung wickeln.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja. Die in Netzfett gewickelten Innereien-Röllchen werden am Spieß über offenem Feuer gebraten - das passt gut ans Lager. Achte nur darauf, die rohen Innereien und das Netzfett gekühlt zu transportieren oder am Markttag frisch zu besorgen.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem ‚Registrum Coquine‘, einem Kochbuch, das um 1433 von Johannes von Bockenheim, einem päpstlichen Koch, verfasst wurde. Es ist eine wichtige Quelle für die Küche des frühen 15. Jahrhunderts.

Ad preparandum figatellos de porco pro Lenonibus et glutonibus. Recipe Iecur porcinum cum aliis intestinis et fac partes ad longitudinem unius digiti, Et circunda illas partes cum rethe porchino et mitte illas ad verutum, et fac eas rostire. Et post hoc Recipe speties dulces cum bono brodio grasso. Et mitte illas partes superius in scutella uel super uno disco ita quod brodium non tangant. Et sperge tunc superius speties dulces, Et erit bonum pro glutonibus et Lenonibus.
figatellos

Lateinisch figatellum, Diminutiv von figatum (Leber). Kleine Leberzubereitungen, hier in Netzfett gewickelt und gebraten - verwandt mit dem korsischen figatellu und der Fleischwurst-Familie.

rethe porchino

Das Schweinenetz (Netzfett, Crépine) - die dünne, fettdurchzogene Haut um die Bauchorgane. Sie hält die gehackten Innereien zusammen, hält sie beim Braten saftig und schmilzt dabei weg (Crépinette-Prinzip).

speties dulces

Süße Gewürze - die warme Mischung aus Zimt, Ingwer, Nelke und Muskat, hier zum Schluss trocken über das gebratene Fleisch gestreut.

ita quod brodium non tangant

‚so dass sie die Brühe nicht berühren‘ - die gebratenen Röllchen sollen knusprig bleiben und nicht in der fetten Brühe aufweichen; die Brühe steht darunter, nicht darüber.

pro Lenonibus et glutonibus

‚für Zuhälter und Schlemmer‘ - eine der spöttisch-derben Ständewidmungen, mit denen Johannes von Bockenheim seine Rezepte sozial verortet.

Handschrift
Registrum Coquine quomodo et qualiter preparantur cibaria per integrum annum
Folio
fol. 67v
Sprache
Mittellatein (frühes 15. Jh.)
Entstehung
Päpstliche Kurie, Rom / Konstanz, 1433

Originalwerk (~1433) gemeinfrei.

Bildquelle
BnF Ms. Latin 7054, fol. 67v/68r (Gallica ark:/12148/btv1b10035736w, f68) - Domaine public Quelle öffnen
Transkription
Robert Maier (Hg.), Monumenta culinaria 3, GEB Gießen 2013 - CC BY-NC-SA 3.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Am Spieß über offenem Feuer gebraten in ca. 20-30 Min gar; frische Innereien und Netzfett am besten morgens am Markttag besorgen.
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