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Figatelli - Leberröllchen vom Kalb im Netz am Spieß

Libro de arte coquinaria · Norditalien · 1465

LagerkücheLagerküche-tauglichMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10Höfische KücheHofküche
Zubereitungszeit30 Min.Portionen4-6 PersonenBuchLibro de Arte Coquinaria (~1465)

Um Figatelli von Vogel, Hühnchen, Schwein oder einem anderen Tier zuzubereiten: Sind sie vom Kalb, schneide sie in Stücke von der Größe einer Walnuss. Reibe sie mit Salz, Fenchel und süßen Gewürzen ein. Wickle sie in Netz vom Schwein oder Kalb, und besser noch vom Zicklein. Lege sie zum Garen auf den Spieß, und achte darauf, dass sie nicht zu stark garen.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
Figatelli de ucello, o di pollastri, o di porcho, o d'altro animale 500 g Leber oder Fleisch (Kalb, Huhn, Schwein) Metzger -
sale Salz - -
finocchio 1 TL Fenchelsamen, gemahlen - -
spetie dolci 1 TL Süße Gewürze (z.B. Zimt, Nelke, Muskat) - -
rete di porcho, o di vitello, et meglio di capretto 200 g Netz vom Bauchfell (Schweine-, Kalbs- oder Ziegennetz) Metzger -

Welches Gericht ist das? Figatelli - mundgerechte Stücke von Leber oder Fleisch, in das Netzfett (rete) gewickelt und am Spieß gebraten. Das ist der direkte Vorfahr der korsischen figatelli, der französischen Crépinette, der englischen Faggots und des bayerisch-österreichischen Netzbratens bzw. Leberwickerls - alles Innereien- oder Hackbällchen, die ihre eigene Fetthülle als Mantel tragen. Martino gibt das Verfahren ganz allgemein an (Vogel, Hühnchen, Schwein) und beschreibt dann die Kalbs-Variante im Detail.

Stücke, kein Mörser-Brei. Anders als bei seinem eigenen Pfannen-Rezept (tomacelli, mar-021), wo die Leber gesotten, gerieben und im Mörser zur glatten Farce verarbeitet wird, bleibt es hier bei rohen, walnussgroßen Stücken - näher am böhmisch-deutschen Schweine-Figatelli (boc-022) und an den Ferkelinnereien des Ménagier (men-363). Das Würzen geschieht durch Einreiben (imbratare) der Stücke, nicht durch Untermischen.

Das Netz (rete). Das hauchdünne, von Fettäderchen durchzogene Bauchfell (Omentum, frz. crépine) ist die ganze Pointe: Es formt und hält die lockeren Stücke zusammen, schmilzt beim Braten weg, bastet das Fleisch von innen und hinterlässt eine zarte, leicht knusprige Hülle. Capretto - das Zickleinnetz, das Martino am höchsten schätzt - ist besonders zart und mild.

Praxis. 500 g Kalbsleber (oder Schweineleber) in walnussgroße Stücke schneiden, mit Salz, 1 TL gemahlenem Fenchel und 1 TL süßer Gewürzmischung (Zimt, Nelke, Muskat) einreiben. Frisches Netzfett vom Metzger vorbestellen, kurz in lauwarmem Wasser entspannen, jedes Stück einzeln einwickeln, auf den Spieß stecken (oder auf Holzspieße über die Glut legen) und über mäßiger Hitze garen. Martinos Warnung - non vogliono essere troppo cotti - ist ernst zu nehmen: Leber wird bei zu langem Braten trocken und körnig, sie soll innen rosig-saftig bleiben.

Was sind ‚Figatelli‘?

Figatelli sind kleine Leberröllchen oder -würstchen, die traditionell in Netz vom Bauchfell gewickelt und gebraten werden. Der Name leitet sich von ‚fegato‘ (Leber) ab.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist sehr gut für die Lagerküche geeignet. Die Röllchen können am Spieß über offenem Feuer oder Glut gegart werden. Das Wickeln in Netz vom Bauchfell kann auch zu Hause vorbereitet werden, um Zeit am Lager zu sparen.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem ‚Libro de Arte Coquinaria‘ von Maestro Martino da Como, verfasst um 1465 in Norditalien. Es ist ein frühes und einflussreiches Kochbuch der Renaissance, das die feine Küche der Zeit dokumentiert.

Was sind ‚süße Gewürze‘?

‚Süße Gewürze‘ (spetie dolci) waren im Mittelalter eine gängige Mischung aus wärmenden Gewürzen wie Zimt, Nelken, Muskatnuss, Ingwer und oft auch Zucker. Sie wurden sowohl in süßen als auch in herzhaften Gerichten verwendet.

Per fare figatelli de ucello, o di pollastri, o di porcho, o d'altro animale. Se sonno de vitello, tagliali in pezzi como una noce, et imbratali di sale, di finocchio, et di spetie dolci; et infasciali in rete di porcho, o di vitello, et meglio di capretto, et poneli accocere nel speto, et non vogliono essere troppo cotti.
Figatelli

Kleine Leberröllchen oder Leberwürstchen, oft in Netz vom Bauchfell gewickelt.

spetie dolci

Eine Mischung aus süßen Gewürzen, typisch für die mittelalterliche Küche, oft Zimt, Nelke, Muskat, Ingwer und Zucker.

rete

Netz vom Bauchfell (Omentum majus), ein feines Fettgewebe, das zum Umwickeln von Fleisch oder Füllungen verwendet wird, um sie saftig zu halten.

speto

Bratspieß.

figatelli

Italienische Sammelbezeichnung für Leberröllchen oder Innereien-Bällchen, in Netzfell (rete) gewickelt und gebraten - Standard-Format in der toskanisch-umbrischen Küche bis heute (moderne fegatelli alla toscana). Funktion der Netz-Hülle: schmilzt beim Garen weg und gibt die knusprige Außenhaut, hält die innere Masse zusammen, bastert das Fleisch durch das schmelzende Bauchfell-Fett. Siehe auch Netz-Wicklung im Grundlagen-Eintrag sowie die Cluster-Geschwister ant-080 Figatelli vom Schwein und men-363 Ferkelinnereien in eigener Membran.

Handschrift
Libro de arte coquinaria
Folio
Fol. 9v
Sprache
Frühitalienisch (15. Jh.)
Entstehung
Norditalien, 1465

Originalwerk (~1465) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 9v, Library of Congress, Rare Book and Special Collections Division, Washington MS (TX723 .M3 1460), Public Domain
Transkription
Uni Giessen (Gloning/Romanelli, Digitale Edition 2004, Basis: Faccioli 1966) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche · ⭐ Gold - vollständig lagerküchentauglich
Hervorragend lagertauglich: Die Stücke lassen sich zu Hause würzen und im Netz vorwickeln, am Lager braucht es nur Spieße und offenes Feuer oder Glut. Frische Leber und Netzfett müssen gekühlt transportiert werden (Tageskühlung reicht). Schnell, robust, wenig Gerät.
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