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Zerzupftes Rindfleisch mit Minze

Daz buoch von guoter spîse · Würzburg · 1350

Gewürz / SauceGewürz / SauceLagerkücheLagerküche-tauglichEinfachKorrekturBearbeitungsstand 7/10Höfische KücheHofküche
Zubereitungszeit120 Min.Portionen4-6 Personen (als Beilage)BuchDas Buch von guter Speise (~1350)

Man nehme Rindfleisch, wie es gerade zur Hand ist. Man koche es und salze es gut. Man füge Schalotten und Minze hinzu, von diesen Kräutern nehme man reichlich. Man lasse das Fleisch in einer fetten Brühe gut sieden. Man zerreiße das Fleisch nach Belieben und serviere es.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
rintfleisch, als ez erst zvo kumt Rindfleisch (z.B. Brust oder Wade) 500 g Metzger, Supermarkt -
saltzez Salz - - -
aschlauch 2-3 Schalotten 2 Supermarkt, Wochenmarkt Zwiebeln
minzen frische Minze - Supermarkt, Wochenmarkt -
eime veisten sode 1 Liter Rinderbrühe (fettreich) 1 l Supermarkt, Metzger (für Knochen) -

Welches Gericht ist das? Ein zart geschmortes, zerzupftes Rindfleisch in fetter Brühe, gewürzt mit Schalotten und reichlich Minze - der Text nennt es selbst ein „condimentelin“, also eine kleine Würz- oder Beilagenspeise, nicht ein Hauptgericht. Das lange Garen und das anschließende Zerzupfen von Hand erinnert an modernes Pulled Beef, auch wenn das mittelalterliche Ergebnis eher einer confit-artigen Zupf-Fleisch-Zubereitung als einem amerikanischen Barbecue-Gericht gleicht.

Zur Textstelle „suedez mot“. Direkt nach der Anweisung, das Fleisch zu kochen, steht im Text ein kurzes, unklares Wort („mot“), dessen genaue Bedeutung sich nicht sicher klären lässt. Es ändert am Kochvorgang nichts: Die umgebenden Sätze sind eindeutig - kochen, gut salzen, mit Schalotten und Minze in fetter Brühe gut sieden, dann zerreißen.

Zu „eime veisten sode“. Der Text lässt offen, ob das Fett aus dem lange kochenden Fleisch selbst stammt oder aus einer separat angesetzten Brühe - beide Lesarten sind mit dem mittelhochdeutschen Wortlaut vereinbar.

Praxis. Rindfleisch aufsetzen, kochen und gründlich salzen. Schalotten und reichlich frische Minze dazugeben und das Fleisch in einer fetten Brühe gründlich weitersieden lassen, bis es weich genug zum Zerzupfen ist - bei einem längeren Sud am offenen Feuer braucht es zwischendurch Nachlegen und gelegentliches Rühren. Die Minze kocht dabei über die gesamte Garzeit mit statt erst am Ende zugegeben zu werden; ihr Aroma wird dadurch eher dumpf-krautig als frisch-mentholig - das folgt unmittelbar aus dem Text, nicht aus einem Fehler der Zubereitung. Anschließend nach Belieben von Hand zerzupfen und servieren. Der Text nennt keine Mengen-, Zeit- oder Temperaturangaben über die genannten Schritte hinaus - der Gargrad bleibt der Erfahrung am Kessel überlassen.

Wo bekomme ich fette Rinderbrühe?

Fette Rinderbrühe erhalten Sie im Supermarkt (oft als 'kräftige Rinderbrühe' oder 'Fond'). Alternativ können Sie beim Metzger Rinderknochen kaufen und selbst eine Brühe ansetzen, die dann entsprechend fettreich wird.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept eignet sich für die Lagerküche: Es benötigt nur einen Topf oder Kessel über dem Feuer, kein Ofen und kein Schneidewerkzeug - am Ende wird das Fleisch von Hand zerzupft statt geschnitten. Schalotten und Minze müssen allerdings frisch besorgt werden, und ein längerer Sud will zwischendurch nachgelegt und gerührt werden.

Was bedeutet 'condimentelin' im Rezept?

'Condimentelin' ist die Verkleinerungsform von 'Condiment' und bedeutet 'kleines Würzmittel' oder 'kleine Beilage'. Es handelt sich um eine kleine, gewürzte Fleischzubereitung, die als Beilage zu anderen Speisen gereicht wurde.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Das Buch von guter Speise“. Ältestes deutsches Kochbuch, entstanden um 1350 im Haushalt des Würzburger Bischofs. 96 Hauptrezepte plus 5 in der Gloning-Edition als Sub-Rezepte gezählte Folge-/Variantenrezepte (5a, 27a, 32a, 74a, 77a).

Ein condimentelin. Nim rintfleisch, als ez erst zvo kumt, suedez mot, saltzez wol, nim aschlauch vnd minzen dar zvo, des krutes nim genuoc, laz ez wol sieden in eime veisten sode vnd reitz swie du wilt vnd gibz hin.
condimentelin

Diminutiv von „Condiment“ - eine kleine Würzmittel- oder Beilagenspeise, wie es die Überschrift des Rezepts selbst benennt.

als ez erst zvo kumt

Wie es gerade zur Hand ist / wie es erhältlich ist - eine Aussage zur Verfügbarkeit, nicht in erster Linie zum Frischegrad.

suedez mot

Unklare Textstelle direkt nach dem Sud-Verb; die genaue Bedeutung von „mot“ lässt sich nicht sicher bestimmen. Der Sinn des Satzes (kochen) ist davon unberührt.

aschlauch

Schalotten, eine milde Zwiebelart, benannt nach der Stadt Askalon (lateinisch cepa ascalonica).

des krutes nim genuoc

Nimm genug von den Kräutern.

veisten sode

Fette Brühe oder fetter Sud.

reitz swie du wilt

Reiße es, wie du willst / nach Belieben zerzupfen.

gibz hin

Serviere es.

Handschrift
Daz buoch von guoter spîse
Folio
Fol. 160v
Sprache
Mittelhochdeutsch
Entstehung
Würzburg, 1350
CoReMA

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

rintfleisch, als ez erst zvo kumtbeef Q192628
saltzeztable salt Q11254
aschlauchshallot Q67206407
minzenmint Q27640062
eime veisten sodebeef stock Q96362190

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartals ez erst zvo kumt

Originalwerk (~1350) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 160v, Universitätsbibliothek München, 2° Cod. ms. 731 (Cim. 4), Open Access LMU
Transkription
Uni Giessen (Gloning, Digitale Edition 1994/2001) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Ein-Topf-Gericht am Feuer: robuste, günstige Teilstücke garen zäh weich, bis sie sich von Hand zerzupfen lassen; kein Ofen, kein Schneidewerkzeug nötig. Wie beim eng verwandten Zwillingsrezept mha-068 ist das Gericht auf tagesfrischen Einkauf angewiesen - hier sogar doppelt, weil neben den Schalotten auch die Minze frisch besorgt werden muss. Ein längerer Sud am offenen Feuer braucht außerdem Nachlegen und gelegentliches Rühren, läuft also nicht gänzlich unbeaufsichtigt.
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Stand dieser Fassung: 09.08.2026 - 4-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.