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Gans in Knoblauch-Safran-Sauce

Daz buoch von guoter spîse · Würzburg · 1350

GeflügelHauptspeise · GeflügelLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10Höfische KücheHofküche
Zubereitungszeit150 Min.Portionen4-6 PersonenBuchDas Buch von guter Speise (~1350)

Nehmt eine junge Gans. Entfernt die Innereien und schneidet Flügel und Keulen ab. Legt die Gans in einen engen irdenen Topf und gießt so viel Wasser darüber, dass sie bedeckt ist. Stellt den Topf auf einen Dreifuß, der unten offen ist, und bedeckt den Topf, damit der Dampf nicht entweicht. Kocht die Innereien separat. Salzt die Gans und kocht sie in der Brühe, bis die Flüssigkeit fast eingekocht und die Gans gar ist. Nehmt dann süße Milch, sechs Eigelb und zwei große Knoblauchköpfe. Schält den Knoblauch sorgfältig und stoßt ihn mit etwas Salz. Vermischt dies mit der Milch und den Eigelben. Gebt Safran hinzu. Gießt diese Sauce über die Gans, lasst sie einmal aufwallen und serviert sie.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
ein gans, die niht alt si junge Gans 1 Metzger -
daz gekroese Innereien der Gans - Metzger -
daz wazzer Wasser - Leitung -
suezze milich Vollmilch 500 ml Supermarkt -
sehs totern Eigelb 6 - -
zwei haupt knobelauches, die groz sint große Knoblauchköpfe 2 Supermarkt -
ein wenic saltzez Salz - - -
saffran Safran - - -

Welches Gericht ist das? Eine im eigenen Sud fast trockengeschmorte Gans, die zum Schluss mit einer kalt angerührten Milch-Eigelb-Sauce mit Knoblauch und Safran übergossen wird; Gans und Sauce kommen zusammen im heißen Topf nur einmal zum Aufwallen. Das Rezept selbst nennt diese Sauce schlicht "condiment" (Würzsauce); vom Prinzip der mit Eigelb legierten Sauce über Geflügel führt eine lose Linie zu späteren, ähnlich gebundenen Saucen wie dem Frikassee, ohne dass hier ein direkter Nachfahre gemeint wäre.

Praxis. Nehmt eine junge Gans, entfernt die Innereien und schneidet Flügel und Keulen ab. Legt die Gans in einen engen irdenen Topf, gießt Wasser darüber, bis sie bedeckt ist, und setzt den Topf auf einen unten offenen Dreifuß; der Topf bleibt dabei bedeckt, damit der Dampf nicht entweicht. Die Innereien werden separat gekocht, die Gans gesalzen, und beides im Sud weitergekocht, bis die Flüssigkeit fast vollständig eingekocht und die Gans gar ist. Für die Sauce schält man zwei große Knoblauchköpfe und stößt sie mit etwas Salz zu einer Masse, vermengt sie mit süßer Milch, sechs Eigelb und Safran und gießt das Ganze über die noch heiße Gans. Es soll dabei nur einmal aufwallen, dann wird sofort serviert.

Wo bekomme ich eine junge Gans?

Eine junge Gans erhalten Sie beim Metzger Ihres Vertrauens, auf dem Wochenmarkt oder in gut sortierten Supermärkten, besonders zur Saison (Herbst/Winter).

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, gut geeignet. Die Zubereitung im Tontopf auf einem Dreifuß über offenem Feuer ist authentisch und praktikabel. Die Sauce lässt sich vorbereiten und muss nur noch kurz vor dem Servieren über die heiße Gans gegossen und einmal aufgekocht werden - dabei braucht es etwas Erfahrung mit offener Feuerstelle, damit das Eigelb nicht zu stark kocht.

Was bedeutet 'vilnach trucken' im Rezept?

'Vilnach trucken' bedeutet 'fast trocken'. Im Kontext dieses Rezepts ist damit gemeint, dass die Gans so lange in der Brühe gekocht werden soll, bis die Flüssigkeit stark reduziert, fast vollständig eingekocht ist und die Gans gar ist.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Das Buch von guter Speise“. Ältestes deutsches Kochbuch, entstanden um 1350 im Haushalt des Würzburger Bischofs. 96 Hauptrezepte plus 5 in der Gloning-Edition als Sub-Rezepte gezählte Folge-/Variantenrezepte (5a, 27a, 32a, 74a, 77a).

Ein geriht von einer gense. Nim ein gans, die niht alt si, nim vz daz gekroese, snit abe die fluegele vnd die diech, stecke sie in einen irdinen hafen, der enge si, guez daz wazzer vf, daz sie betueche, setze sie vf einen drifuoz, der vnden offen si, bedecke den hafen, daz der bradem iht vz ge, suet daz gekroese sunder vnd saltz die gans. vnd suede die gans in dem sode, biz sie vilnach trucken si vnd gar si gesoten. vnd nim denne suezze milich vnd sehs totern vnd zwei haupt knobelauches, die groz sint, vnd schele die schone vnd stoz sie mit ein wenic saltzes vnd menge daz mit der milich vnd mit den totern, vnd saffran tuo dar zvo. vnd guez daz condiment vf die gans, laz sie erwallen vnd gibe sie hin.
geriht

Gericht, Speise

gense

Gans

gekroese

Innereien (Herz, Leber, Magen)

fluegele

Flügel

diech

Keulen, Schenkel

irdinen hafen

Tontopf, Steinguttopf

betueche

bedeckt

drifuoz

Dreifuß (Kochgestell über dem Feuer)

bradem

Dampf

sunder

separat, getrennt

sode

Sud, Brühe

vilnach trucken

fast trocken (hier: Flüssigkeit stark reduziert)

gar si gesoten

gar gekocht

suezze milich

Süße Milch (Vollmilch, nicht sauer)

totern

Eigelb

knobelauches

Knoblauch

stoz sie

stoßt sie (zerstoßen, mörsern)

condiment

Würze, Sauce

erwallen

aufwallen, aufkochen lassen

Handschrift
Daz buoch von guoter spîse
Folio
Fol. 160v
Sprache
Mittelhochdeutsch
Entstehung
Würzburg, 1350
CoReMA

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

daz wazzerwater Q283
suezze milichmilk Q8495
sehs toternyolk Q16336079
ein wenic saltzeztable salt Q11254
saffransaffron Q25434

Originalwerk (~1350) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 160v, Universitätsbibliothek München, 2° Cod. ms. 731 (Cim. 4), Open Access LMU
Transkription
Uni Giessen (Gloning, Digitale Edition 1994/2001) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Gut am Lager umsetzbar: Die Gans im Ganzen oder zerteilt im Tontopf auf dem Dreifuß über dem Feuer schmoren, bis der Sud fast eingekocht ist. Die Knoblauch-Eigelb-Milch-Sauce lässt sich vorbereiten und erst kurz vor dem Servieren über die heiße Gans geben und einmal aufwallen lassen - das gelingt am offenen Feuer, verlangt aber Acht auf die Hitze, damit das Eigelb nicht gerinnt.
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Stand dieser Fassung: 15.08.2026 - 5-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.