Wo Mittelalter stattfyndet. Where medieval times happen.
Im Viewer öffnenIm Viewer öffnen ÜbersetzenTranslate DokumentDruckversion DokumentTEI-XML

Fleisch mit Minze im Sommer

Wel ende edelike spijse · Gent, Flandern · 1475

LagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10Bürgerliche KücheBürgerlich
Zubereitungszeit20 Min.Portionen2-3 PersonenBuchVon guten und edlen Speisen (Wel ende edelike spijse) (~1475)

Nimm Fleisch und gib es in einen Topf. Füge zwei Hände voll Polei-Minze hinzu und koche alles, bis das Fleisch gar ist. Reibe eine Krume Weißbrot fein und vermische sie mit etwas Brühe aus dem Topf. Gib diese Mischung zurück zum Fleisch in den Topf und serviere es sogleich.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
vleesch Fleisch Metzger -
tweehant t vul polioens zwei Hände voll Minze - reguläre Minze (z.B. Pfefferminze)
een cruyme witte broots wel ghewreuen eine Krume Weißbrot, gut gerieben - -
wa tere vanden bruwette Wasser von der Brühe - -

Welches Gericht ist das? Ein denkbar schlichter Fleischeintopf für den Sommer: Fleisch wird mit viel frischer Minze weichgekocht und die Brühe am Ende mit geriebenem Weißbrot leicht gebunden. Die nächste lebende Verwandte ist das geschredderte Rindfleisch mit Minze aus dem Berner Manuskript (Zwilling bgs-041) - dort kommen noch Schalotten dazu. Im Kern ein brotgebundener Fleischsud, wie ihn die mittelalterliche Küche kannte, lange vor der Mehlschwitze.

Polioene ist mittelniederländisch für Minze. Welche Art genau gemeint ist, lässt der Wortlaut offen - Grüne Minze (Mentha spicata) ist die naheliegende Garten-Minze, Polei-Minze (Mentha pulegium) wäre ebenfalls denkbar, gilt heute aber als nicht für die Küche geeignet. Für die Praxis ist Grüne Minze die richtige Wahl.

Die cruyme witte broots - geriebene Weißbrotkrume - ist das Bindemittel. Etwas Brühe aus dem Topf wird mit der Krume angerührt und zurückgegeben; sie zieht die dünne Brühe zu einer leicht sämigen Sauce zusammen. Das ist die typische mittelalterliche Brotbindung.

Praxis. Ein passendes Stück Fleisch (Rind, Lamm oder Geflügel) mit zwei guten Händen voll grober Minze in wenig Wasser oder Brühe weichkochen. Wenn das Fleisch gar ist, eine Handvoll frische Weißbrotkrume fein reiben, mit einer Kelle der heißen Brühe glattrühren und zurück in den Topf geben. Kurz aufziehen lassen, bis es bindet, und sofort servieren. Gut salzen.

Was ist 'polioene'?

'Polioene' ist der mittelniederländische Begriff für Minze. Im Mittelalter wurden verschiedene Minzarten verwendet, darunter Gartenminze (Mentha spicata) oder Polei-Minze (Mentha pulegium).

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist sehr gut für die Lagerküche geeignet. Es benötigt nur wenige, leicht transportierbare Zutaten und eine einfache Kochstelle (Topf über Feuer) zum Garen.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus der Handschrift UB Gent 1035, bekannt als 'Wel ende edelike spijse', verfasst in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts in Flandern. Es ist die einzige vollständig erhaltene mittelniederländische Rezeptsammlung dieser Epoche. Eine digitale Edition ist auf coquinaria.nl verfügbar.

Welche Art von Fleisch soll ich verwenden?

Das Rezept nennt lediglich 'Fleisch' ohne weitere Spezifikation. Du kannst Rind, Schwein, Lamm oder Geflügel verwenden, je nach Geschmack und Verfügbarkeit. Im Mittelalter wäre dies oft ein Stück vom Schlachttier gewesen, das gerade zur Hand war.

.xxij. Wederin vleesch metten polioene inden somer doeter in tweehant t vul polioens tot dat gesoden es ende een cruyme witte broots wel ghewreuen ende tempert met wa tere vanden bruwette ende dan wor pet weder inden pot ende hetet alsoo
polioene

Polei-Minze (Mentha pulegium) enthält Pulegon und ist in Kochmengen leicht giftig - heute wird sie aus gutem Grund nicht mehr verwendet. Nimm stattdessen reguläre Minze (z.B. Pfefferminze).

bruwette

Brühe (Diminutiv, romanisch beeinflusst).

Wederin vleesch

Wahrscheinlich Hammel- bzw. Widderfleisch (mittelniederl. weder = kastrierter Schafbock, engl. wether), nicht allgemein 'Fleisch'.

Handschrift
Wel ende edelike spijse
Sprache
Mittelniederländisch (2. Hälfte 15. Jh.)
Entstehung
Gent, Flandern, 1475

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartWederin vleesch

Gewählte Lesart: Wir lesen wederin vleesch als Hammel- oder Widderfleisch: weder bezeichnet im Mittelniederländischen den kastrierten Schafbock (vgl. englisch wether). Die Zutatenliste nennt nur allgemein 'Fleisch', weil der Wortlaut nicht ganz eindeutig ist.

Andere mögliche Lesart:

  • Allgemein 'Fleisch' ohne Festlegung auf eine Tierart. - Der Rest des Rezepts spezifiziert die Tierart nicht weiter, sodass eine offene Lesart möglich bleibt; die saisonale Minz-Würzung passt jedoch gut zu Hammel.

Originalwerk (~1475) gemeinfrei.

Bildquelle
Scan 017, Universiteitsbibliotheek Gent, BHSL.HS.1035 (ca. 1475), Public Domain
Transkription
Coquinaria.nl - Christianne Muusers, Digitale Edition 2020 (Hs. UB Gent 1035) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche · ⭐ Gold - vollständig lagerküchentauglich
Robuste, gut transportierbare Zutaten, ein Topf über dem Feuer, schnell fertig - ideal fürs Lager.
Alle Rezepte aus Von guten und edlen Speisen (Wel ende edelike spijse) Alle Kochbücher

Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.