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Gefüllte Schafsrute mit Gewürzen

Wel ende edelike spijse · Gent, Flandern · 1475

⚠ Viel Interpretationsspielraum Aufwändig
⏱ 90 Min.👥 2–4 Personen📖 Von guten und edlen Speisen (Wel ende edelike spijse) (~1475)

Original — Mittelniederländisch (2. Hälfte 15. Jh.)

Gefüllte Schafsrute mit Gewürzen — Originalseite aus Von guten und edlen Speisen (Wel ende edelike spijse)
Scan 017, Universiteitsbibliotheek Gent, BHSL.HS.1035 (ca. 1475), Public Domain

Transkription (Mittelniederländisch (2. Hälfte 15. Jh.))

Der leckers scapin roede dwaetse wel ende keertse ende dan nemt sof fraen ghewreuen die doderen van .x. eyeren ende enen lepel melken tem pert metten vetten ende vaerst die roede Ende wacht dat niet te vul en sy ende doetse zieden in eenen wal ende dan braedse ende pouderse met poudere van ghingebare ende Caneele ende een lettel pepers

Coquinaria.nl — Christianne Muusers, Digitale Edition 2020 (Hs. UB Gent 1035)

Moderne Übersetzung

🏕 Lagerküche-Tipp: Zuhause vorbereiten.

Nimm die leckere Schafsrute, wasche sie gut und kehre sie um. Dann reibe Safran, nimm die Dotter von zehn Eiern und einen Löffel Milch. Temperiere diese Mischung mit etwas Fett und fülle die Rute damit. Achte darauf, dass sie nicht zu voll wird. Lasse sie dann in einem Sud sieden und brate sie anschließend. Bestreue sie zum Schluss mit Ingwerpulver, Zimt und ein wenig Pfeffer.

Zutaten

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
Der leckers scapin roede Schafpenis Metzger (auf Bestellung) Wursthülle (Naturdarm) oder gefüllter Schweinefuß
sof fraen ghewreuen Safran Apotheke, gut sortierter Supermarkt
die doderen van .x. eyeren 10 Eigelb
enen lepel melken 1 EL Milch
metten vetten Fett Schweineschmalz oder Butter
poudere van ghingebare Ingwerpulver
Caneele Zimt
een lettel pepers Pfeffer

Anmerkungen

scapin roede
Schafpenis
dwaetse
waschen
keertse
umkehren, wenden
ghewreuen
gerieben
tem pert
temperieren
vaerst
füllen
zieden
sieden, kochen
wal
Sud, Brühe
braedse
braten
pouderse
bestreuen
ghingebare
Ingwer
Caneele
Zimt
een lettel
ein wenig

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten — mit den plausiblen Alternativen.

scapin roede

Gewählte Lesart: Schafpenis. ‚Roede‘ (Rute) ist ein bekannter mittelniederländischer Begriff für Penis, und ‚scapin‘ bedeutet Schaf. Die Anweisungen zum Waschen, Umkehren und Füllen passen zur Verarbeitung eines solchen Organs.

metten vetten

Gewählte Lesart: Mit dem Fett (allgemein). Der Text spezifiziert nicht, welches Fett gemeint ist. Es könnte das eigene Fett des Organs sein, das beim Reinigen anfällt, oder ein beliebiges Kochfett wie Schweineschmalz oder Butter.

eenen wal

Gewählte Lesart: Einen Sud oder eine Brühe. Im Kochkontext ist dies die einzig sinnvolle Lesart für ‚zieden in eenen wal‘ (in einem Sud sieden), da ‚wal‘ auch Quelle bedeuten kann.

Häufige Fragen

Wo bekomme ich Schafpenis?

Schafpenis ist eine sehr ungewöhnliche Zutat, die im modernen Handel kaum zu finden ist. Am ehesten kannst du ihn bei einem spezialisierten Metzger auf Bestellung erhalten. Als Alternative könntest du eine Wursthülle aus Naturdarm verwenden und diese füllen, oder einen gefüllten Schweinefuß zubereiten, um eine ähnliche Textur und Präsentation zu erzielen.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein, dieses Rezept ist nicht gut für die Lagerküche geeignet. Es erfordert mehrere präzise Schritte wie das Füllen eines empfindlichen Organs, das Sieden in einem Sud und anschließendes Braten. Die Zutaten wie 10 Eigelb und die Notwendigkeit, die Füllung zu temperieren, sind unter Lagerbedingungen schwer umzusetzen. Bereite dieses Gericht besser zuhause vor.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus der Handschrift UB Gent 1035, bekannt als „Wel ende edelike spijse“, einer mittelniederländischen Rezeptsammlung aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Sie ist die einzige vollständig erhaltene Sammlung dieser Art aus Flandern und wurde von Christianne Muusers (coquinaria.nl, 2020) digital ediert.

Was bedeutet ‚temperieren‘ im Rezept?

Das Temperieren von Eigelb bedeutet, eine heiße Flüssigkeit (hier das Fett) langsam und unter ständigem Rühren in die Eigelb-Milch-Mischung zu geben. Dies erhöht die Temperatur der Eigelbe allmählich und verhindert, dass sie gerinnen oder zu Rührei werden, wenn sie später erhitzt werden.

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