München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 384 · Südwestdeutschland · 1470

braten bock lebren
niem aines bockes Niem aines bockes leber vnd hack es klain also gruen vnd hak darczuo ayer vnd wysz brot vnd bewurtz es vnd wind es In ain netz vnd brates also etc.
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ms. M2 (München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 384), hyperdiplomatische Basistranskription, CC BY 4.0
Lagerküche-Tipp: Im Topf oder auf dem Rost am Feuer in etwa 30-45 Minuten fertig. Frische Leber benötigt Kühlung, ist aber am Markttag gut zu beschaffen. Das Netz vom Metzger sollte vorbestellt werden.
Nimm eine Bockleber und hacke sie klein, noch roh. Hacke dazu Eier und Weißbrot. Würze es und wickle es in ein Netz. Brate es dann so.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| aines bockes leber | Bockleber | Metzger, Wildhändler | Lammleber oder Kalbsleber |
| ayer | Eier | - | - |
| wysz brot | Weißbrot | - | - |
| bewurtz es | Gewürze | - | - |
| ain netz | ein Netz | Metzger (auf Bestellung) | Backpapier oder Alufolie (für Form und Feuchtigkeit, nicht für Geschmack) |
Welches Gericht ist das? Eine Leber-Farce im Fettnetz: rohe Bockleber, fein gehackt mit Ei und Weißbrot, gewürzt, in ein Schweins- oder Kalbsnetz (netz, das Omentum) gewickelt und gebraten. Das Netz schmilzt beim Braten, hält die Masse saftig und in Form. Der direkte Vorfahr der Faggots (England), Crépinettes (Frankreich), Figatelli (Korsika/Italien) und des bayerisch-österreichischen Netzbratens / Leberwickerls - bis heute lebendig.
also grün = roh. Die mit ?! markierte Stelle: grün meint hier nicht die Farbe, sondern frisch/roh - die Leber wird roh gehackt (so auch Ehlert), nicht vorgegart. Das rohe Hacken mit Ei und Weißbrot bindet die Farce.
Auch anderswo. Dasselbe Verfahren - Leber/Innereien fein gehackt, im Netz gebraten - zieht sich durch die Quellen: als Schweins-Figatelli (ant-080), als Hammel-Innereien im Netzfett (boc-023) und im Königsberger Korpus (koe-006).
Bedeutet 'noch roh' oder 'im rohen Zustand'. 'Grün' wurde im Mittelhochdeutschen oft für 'frisch', 'unreif' oder 'unverarbeitet' verwendet.
Bezieht sich auf das Fettnetz (Omentum majus) von Tieren, meist Schwein oder Rind. Es wird verwendet, um Farcen oder Fleischstücke zu umhüllen und beim Braten saftig zu halten.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
also gruen
Gewählte Lesart: 'noch roh' oder 'im rohen Zustand'. 'Grün' wurde im Mittelhochdeutschen oft für 'frisch', 'unreif' oder 'unverarbeitet' verwendet, was hier im Kontext des Hackens von roher Leber sinnvoll ist.
Andere mögliche Lesart:
'Also gruen' bedeutet hier 'noch roh' oder 'im rohen Zustand'. Im Mittelhochdeutschen wurde 'grün' oft im Sinne von 'frisch', 'unreif' oder 'unverarbeitet' verwendet, nicht nur für die Farbe.
Das 'Netz' ist das sogenannte Fettnetz (Omentum majus) von Tieren, meist Schwein oder Rind. Es ist eine feine Fettschicht, die zum Umhüllen von Farcen oder Fleischstücken verwendet wird, um sie beim Braten saftig zu halten und in Form zu bringen. Du kannst es bei einem gut sortierten Metzger auf Bestellung erhalten.
Ja, dieses Rezept ist gut für die Lagerküche geeignet. Die Zubereitung ist einfach und dauert etwa 30-45 Minuten am offenen Feuer oder auf einem Rost. Frische Leber muss gekühlt werden, ist aber am Markttag gut zu beschaffen. Das Fettnetz sollte vorbestellt werden.
Dieses Rezept stammt aus den 'Münchner Kochbuchhandschriften (Cgm 384)', die um 1470 in Frühneuhochdeutsch (alemannisch, südwestdeutsch) verfasst wurden. Es ist Teil einer umfangreichen Sammlung von Rezepten, die Einblicke in die gehobene bürgerliche Küche des späten Mittelalters geben.
Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.