Daz buoch von guoter spîse · Würzburg · 1350
Diese werden Heidenische Kuchen genannt. Man soll einen Teig nehmen und ihn dünn ausbreiten. Und man nehme gekochtes Fleisch, Speck, Äpfel, Pfeffer und Eier und gebe dies alles hinein. Und backe das Ganze und serviere es, und verdirb es nicht.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| einen teyc | 500 g Teig (Mürbeteig oder einfacher Brotteig) | Supermarkt | - |
| ein gesoten fleisch | 300 g gekochtes Fleisch (z.B. Schweine- oder Rindfleisch) | Metzger | - |
| spec | 100 g Speck (gewürfelt) | Metzger | - |
| epfele | 2 mittelgroße Äpfel | - | - |
| pfeffer | 1 TL schwarzer Pfeffer | - | - |
| eyer | 2 Eier | - | - |
| (nicht explizit genannt, aber impliziert) | 1 Prise Salz | - | - |
Welches Gericht ist das? Eine gefüllte, gebackene Teigpastete: dünn ausgerollter Teig, gefüllt mit gekochtem Fleisch, Speck, Äpfeln, Pfeffer und Eiern, dann gebacken - ein herzhaft-süßer Kuchen, der die im Mittelalter beliebte Kombination von Fleisch und Frucht in einem Teigmantel vereint, verwandt mit den gefüllten Teigtaschen und Krapfen des Korpus (men-261, m5919-085).
heidenisch. „Heidnisch“ bezeichnete in mittelalterlichen Rezepten nach vorherrschender Forschungsmeinung meist nichts Religiöses, sondern eine als fremd oder exotisch empfundene Zubereitung - hier wohl wegen der ungewohnten Süß-Herzhaft-Mischung aus Fleisch und Apfel. Keine geografische oder konfessionelle Zuordnung nötig.
Die Füllung als Kern. Das Fleisch ist bereits gar (gesoten, gekocht) und kommt zusammen mit Speck, Apfel und Ei in den Teig - die Eier binden, der Speck würzt und gibt Fett, die Äpfel bringen Säure und Feuchtigkeit. Mengenverhältnis, Zerkleinerung von Fleisch und Apfel sowie eine Teigform (geschlossene Pastete oder offener Fladen) nennt der Text nicht. versirtez niht heißt wörtlich „beschädige/verdirb es nicht“ (versêren = schädigen, verwunden) - im Backkontext liegt eine Warnung vor dem Anbrennen nahe, belegt ist diese Engführung jedoch nicht.
Praxis. Teig dünn ausrollen. Gekochtes Fleisch, Speck, Äpfel, Pfeffer und Eier hineinfüllen und backen, bis der Teig durch ist, ohne dass er verdirbt. Als Richtwerte zum Nachkochen: rund 300 g gegartes Fleisch, 100 g Speck und 2 mittelgroße Äpfel nach Belieben zerkleinern, mit den Eiern und kräftig Pfeffer vermengen, in Mürbe- oder Blätterteig füllen und im Ofen backen, bis der Teig durch ist. Für die Lagerküche eignet sich am ehesten ein Dutch Oven oder ein mitgeführter Lehmofen, da gleichmäßige Ofenhitze über längere Zeit nötig ist - am offenen Feuer ist das Backen schwer kontrollierbar.
Alle Zutaten sind in jedem gut sortierten Supermarkt erhältlich. Gekochtes Fleisch kann man selbst zubereiten oder beim Metzger erfragen. Speck ist ebenfalls beim Metzger oder im Kühlregal zu finden.
Nur eingeschränkt. Der Teig und das gekochte Fleisch lassen sich zuhause vorbereiten und mitbringen, aber das Backen selbst braucht eine Ofen-Umgebung mit gleichmäßiger Hitze über längere Zeit - am offenen Lagerfeuer ist das schwer zu kontrollieren. Mit einem Dutch Oven oder einem mitgeführten Lehmofen und etwas Routine in der Hitzeführung ist es machbar.
Dieses Rezept stammt aus 'Das Buch von guter Speise', einem der ältesten bekannten Kochbücher in deutscher Sprache, das um 1350 in Würzburg entstand. Es gibt Einblicke in die höfische und bürgerliche Küche des Spätmittelalters.
Der Begriff 'heidenische' (heidnisch) bezeichnete in mittelalterlichen Rezepten nach vorherrschender Forschungsmeinung meist keine religiöse Zuordnung, sondern eine als fremd oder exotisch wirkende Zubereitung oder Zutatenkombination - hier vermutlich wegen der ungewohnten Süß-Herzhaft-Mischung aus Fleisch und Apfel.
„Heidnische Kuchen“ - nach vorherrschender Forschungsmeinung Bezeichnung für eine als fremd/exotisch empfundene Zubereitung, hier wohl wegen der ungewohnten Fleisch-Apfel-Mischung; keine religiöse Bedeutung. Eine gesicherte Wortbedeutung ist dies nicht - Wörterbücher und die zweite bekannte Edition kommentieren den Begriff an dieser Stelle nicht.
Gekochtes Fleisch - bereits gar vorgekocht, bevor es in die Füllung kommt.
Speck; die zweite bekannte Edition hat an dieser Stelle „spec gehacket“ (gehackter statt einfacher Speck) - stützt die Lesart, dass gewürfelter oder gehackter Speck gemeint ist, der Würze, Fett und Textur zur Füllung beiträgt.
Wörtlich „beschädige/verdirb es nicht“ (versêren = schädigen, verwunden). Im Backkontext wird das meist als Warnung vor dem Anbrennen gelesen; eine so spezifische Bedeutung ist lexikalisch nicht belegt.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
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