Das Buch von guter Speise (Daz buoch von guoter spîse)
Heidenische Kuchen mit Fleisch und Apfel
Moderne Übersetzung
Diese werden Heidenische Kuchen genannt. Man soll einen Teig nehmen und ihn dünn ausbreiten. Und man nehme gekochtes Fleisch, gehackten Speck, Äpfel, Pfeffer und Eier und gebe dies alles hinein. Und backe das Ganze und serviere es, und verdirb es nicht.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| einen teyc | Teig (Mürbeteig oder einfacher Brotteig) | 500 g | Supermarkt | - |
| ein gesoten fleisch | gekochtes Fleisch (z.B. Schweine- oder Rindfleisch) | 300 g | Metzger | - |
| spec gehacket | Speck (gehackt) | 100 g | Metzger | - |
| epfele | mittelgroße Äpfel | 2 | - | - |
| pfeffer | schwarzer Pfeffer | 1 TL | - | - |
| eyer | Eier | 2 | - | - |
| (nicht explizit genannt, aber impliziert) | Salz | 1 Prise | - | - |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Ein mit gekochtem Fleisch, gehacktem Speck, Apfel und Ei gefülltes Backwerk aus dünn ausgebreitetem Teig - ein herzhaft-süßer Kuchen im Teigmantel, der die im Mittelalter beliebte Kombination von Fleisch und Frucht vereint. Verwandt mit den gefüllten Teigtaschen und Krapfen des Korpus (men-261, m5919-085); strukturell vergleichbar mit der historischen Vorform der englischen mince pie, die bis ins 17. Jahrhundert herzhaft mit Fleisch gefüllt war - das ist eine Analogie im Aufbau, keine belegte direkte Linie zu diesem Rezept.
heidenisch. „Heidnisch“ bezeichnete in mittelalterlichen Rezepten nach vorherrschender Forschungsmeinung meist nichts Religiöses, sondern eine als fremd oder exotisch empfundene Zubereitung - hier wohl wegen der ungewohnten Süß-Herzhaft-Mischung aus Fleisch und Apfel. Keine geografische oder konfessionelle Zuordnung nötig.
Die Füllung als Kern. Das Fleisch ist bereits gar (gesoten, gekocht) und kommt zusammen mit gehacktem Speck, Apfel und Ei in den Teig - die Eier binden, der Speck würzt und gibt Fett, die Äpfel bringen Säure und Feuchtigkeit. Mengenverhältnis, Zerkleinerung von Fleisch und Apfel sowie die Teigform (geschlossene Pastete oder offener Fladen) nennt der Text nicht. versirtez niht heißt wörtlich „beschädige/verdirb es nicht“ (versêren = schädigen, verwunden) - im Backkontext liegt eine Warnung vor dem Anbrennen nahe, belegt ist diese Engführung jedoch nicht.
Praxis. Teig dünn ausbreiten. Gekochtes Fleisch, gehackten Speck, Äpfel, Pfeffer und Eier hineinfüllen und backen, bis der Teig durch ist, ohne dass er verdirbt. Als Richtwerte zum Nachkochen: rund 300 g gegartes Fleisch, 100 g gehackten Speck und 2 mittelgroße Äpfel nach Belieben zerkleinern, mit den Eiern und kräftig Pfeffer vermengen, in Mürbe- oder Brotteig füllen und im Ofen backen, bis der Teig durch ist. Für die Lagerküche eignet sich am ehesten ein Dutch Oven oder ein mitgeführter Lehmofen, da gleichmäßige Ofenhitze über längere Zeit nötig ist - am offenen Feuer ist das Backen schwer kontrollierbar.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/bgs-005a/
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