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Eine einfache Mandelsuppe

Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460

VorspeiseVorspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10Höfische KücheHofkücheVeganVegan
Zubereitungszeit15 Min.Portionen1-2 PersonenBuchKochbuch des Meisters Hans (~1460)

Wenn du eine Mandelsuppe zubereiten möchtest, so wird sie aus Mandelmilch gemacht. Nimm ein Semmelbrot, röste es gut, und gieße die Mandelmilch darüber, wenn du die Suppe servieren willst.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
mandel milich Mandelmilch - - -
ain semlein prot Semmelbrot 1 - -

Welches Gericht ist das? Im Geiste ist dies eine Brotsuppe auf Mandelmilch-Basis - eine der einfachsten und häufigsten Fastenspeisen des Mittelalters. Dass hier trotz der Kürze tatsächlich eine „Suppe“ vorliegt, ist keine großzügige moderne Umdeutung: Das Wort „Suppe“ selbst geht auf genau diese Praxis zurück (urgermanisch *supp-, „einweichen“) - im Mittelalter bezeichnete „Suppe“/„Sop“ ursprünglich ein in Flüssigkeit getränktes Stück Brot, erst später verschob sich die Bedeutung auf die Flüssigkeit allein. Verwandt ist die klösterliche Mandelmilchsuppe der Fastenzeit, wie sie auch im Tegernseer Speisenbuch erscheint (dort wird das Brot allerdings in die kochende Milch eingerührt statt übergossen).

Praxis. Das Semmelbrot (bereits fertig gebacken) wird vor dem Übergießen noch einmal gut geröstet beziehungsweise gebäht, damit es nicht sofort zerfällt, sondern noch etwas Biss behält. Zur Temperatur der Milch selbst schweigt der Originaltext - „heiß“ ist hier eine praktische Empfehlung, keine Textstelle: warme (nicht kochende) Milch saugt sich besser ins geröstete Brot, ohne es sofort matschig werden zu lassen, und eine „Suppe“ wurde im Mittelalter typischerweise warm serviert. Schneide das Brot in mundgerechte Würfel oder Scheiben, gieße die warme Mandelmilch darüber und serviere zügig, solange das Brot noch Struktur hat. Das Original nennt weder Mengen noch Würzung - eine übliche moderne Ergänzung, nicht im Text belegt, wäre eine Prise Salz zum Abrunden des Mandelgeschmacks.

Wie stelle ich Mandelmilch her?

Für Mandelmilch weichst du Mandeln über Nacht ein, schälst sie (optional), mahlst sie dann sehr fein (z.B. in einem Mixer oder Mörser) und vermischst sie mit heißem Wasser. Lasse die Mischung kurz ziehen und passiere sie dann durch ein feines Tuch oder Sieb, um die Flüssigkeit von den festen Bestandteilen zu trennen. Alternativ kannst du auch fertiges Mandelmehl verwenden.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, sehr gut geeignet. Mandeln (insbesondere gemahlen) und Brot sind lagerfähig. Die Zubereitung erfordert lediglich das Erwärmen der Mandelmilch und das Rösten des Brotes, was beides gut über offenem Feuer oder auf einem Kocher möglich ist.

Was bedeutet „semlein prot“?

„Semlein prot“ bezeichnet ein kleines Weißbrot oder Brötchen, ähnlich einer modernen Semmel oder einem Weizenbrötchen. Es war eine gängige Brotsorte im Mittelalter.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch des Meisters Hans (Württemberg / Basel). Vollständiges Kochbuch des Küchenmeisters Graf Ulrichs V. von Württemberg, geschrieben 1460. Einzig erhaltener Textzeuge: Cod. AN V 12 der Universitätsbibliothek Basel. Enthält Senf- und Hanfspeisen, Fastenkost, Schau- und Scherzgerichte sowie ein eigenes Register vorneweg.

Ain mandel suppen Item ain mandel suppen wiltu die machen die geet von mandel milich zue nymm ain semlein prot das pae schon die milich geuss daran wiltu die suppen haben .
semlein prot

Ein kleines Weißbrot oder Brötchen, ähnlich einer modernen Semmel.

pae schon

bæhen = leicht rösten/bähen (nicht: backen oder einweichen). Im Kontext einer Suppe ist das Rösten oder Toasten des bereits fertigen Brotes am plausibelsten.

Handschrift
Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch
Folio
Fol. 017r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)
Entstehung
Württemberg / Basel, 1460
CoReMA

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

mandel milichalmond milk Q975953
ain semlein protwhite bread Q1501889

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartpae schon

Gewählte Lesart: „Röste (bähe) es gut“ - bæhen bedeutet in den einschlägigen Wörterbüchern (Lexer, DWB, bairisches WB) durchgehend leichtes Rösten oder Erwärmen, nicht das Backen von rohem Teig; das Semmelbrot liegt bereits fertig gebacken vor und wird vor dem Übergießen mit der heißen Mandelmilch nur noch geröstet.

Andere mögliche Lesart:

  • Ein frisches, gut gebackenes Brot verwenden, ohne es zusätzlich zu rösten. - Sprachlich schwächer belegt: kein Wörterbucheintrag übersetzt bæhen als Backen von Teig. Diese Lesart wird nur der Vollständigkeit halber genannt.

Originalwerk (~1460) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 017r, Universitätsbibliothek Basel, Cod. AN V 12 (1460); bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz (CC BY-NC-SA 4.0)
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), TEI-Edition Böhm/Klug 2021, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Benötigt einen Topf zum Erwärmen der Mandelmilch und eine Möglichkeit, das Brot zu rösten (z.B. über Glut).
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Stand dieser Fassung: 12.07.2026 - 2-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.