Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460
Wenn du einen Mandelkäs zubereiten möchtest, so verfahre wie folgt:
Nimm zwei Pfund Mandeln und reibe sie fein. Schlage die geriebenen Mandeln durch ein weißes Tuch, um eine feine Mandelmilch zu gewinnen.
Nimm ein Lot Hausenblase, die du in etwas Wasser weich kochst, bis sie sich auflöst. Seihe die Mandelmilch mit diesem Hausenblasen-Sud durch. Achte darauf, die Mischung danach nicht mehr zu sieden, damit die Gelierkraft erhalten bleibt.
Möchtest du den Mandelkäs süß haben, so gib ein Vierdung Zucker hinzu.
Für die Garnitur schäle ein Pfund Mandeln, sodass du ganze, weiße Kerne erhältst. Verlies sie sauber. Diese steckst du später auf den fertigen Käs.
Bereite eine dicke Mandelmilch (oder Mandelcreme) zu und süße sie ebenfalls mit einem Vierdung Zucker. Diese dient als Beilage zum Käs.
Hast du keine kleine Schüssel zur Hand, so nimm eine innen glasierte Ringform. Gieße die Mandelmilch-Mischung hinein; darin wird sie fest. Wenn du den Käs servieren möchtest, stürze ihn auf eine Schüssel, gib die süße Mandelmilch-Creme dazu und stecke die geschälten Mandeln auf den Käs.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| ain haussen platter | 15 g Hausenblase | Spezialitätenhandel (Fischereibedarf), Online-Handel | Blattgelatine: ca. 8-10 Blatt für eine stürzbare, aber zarte Konsistenz (auf ca. 1 L Mandelmilch); je nach gewünschter Festigkeit anpassen. Hausenblase ist deutlich potenter als kommerzielle Blattgelatine, deshalb nicht 1:1 nach Gewicht umrechnen. |
| zway pfunt mandel | 1 kg Mandeln, gemahlen | Supermarkt (Backregal) | - |
| ainem wasser | Wasser | Leitung | - |
| ain vierdung zucker | 125 g Zucker (optional) | - | - |
| ain pfunt mandel den soltu schelen vnd die weissen ganczen keren | 500 g Mandeln, ganz, geschält | Supermarkt (Backregal) | - |
| ain vierdung zucker daran | 125 g Zucker | - | - |
| ain dicke milich | Mandelmilch (dickflüssig) | Supermarkt | Pflanzliche Sahne (Mandel-, Hafer- oder Sojabasis) |
Welches Gericht ist das? Im Geiste eine mittelalterliche Panna Cotta oder ein Blancmange, ein festliches Schaugericht aus gesüßter Mandelmilch, die mit Hausenblase geliert und in Form gebracht wird, serviert mit einer cremigen Mandelbeilage und ganzen Mandeln. Es ist kein Käse im modernen Sinne, sondern eine luxuriöse Süßspeise. Die weißen, gelierten Mandelmilch-Süßspeisen gehörten zur gehobenen spätmittelalterlichen Festtagsküche und waren fastentauglich: Mandelmilch ersetzte an Fasttagen die Kuhmilch, und Hausenblase als Fischprodukt war ebenfalls erlaubt.
Praxis. Reibe die Mandeln so fein wie möglich und schlage sie mit Wasser durch ein feines Tuch, bis eine reiche Mandelmilch entsteht. Die Hausenblase (heute ersetzt du sie durch Gelatine) kochst du separat in etwas Wasser weich, bis sie sich vollständig auflöst - dieser Sud wird anschließend durch die Mandelmilch geschlagen. Danach die Mischung nicht mehr sieden: Das Original warnt selbst davor, denn wiederholtes Erhitzen zerstört die Gelierkraft der Gelatine. Die geschälten, ganzen Mandelkerne für die Garnitur werden verlesen, bevor sie auf den fertigen Käs gesteckt werden. Die begleitende ‚dicke milich‘ ist eine zweite, gesüßte Mandelmilch beziehungsweise -creme als Beilage - wie genau sie dickflüssiger als die erste wird, verrät der Text nicht, hier hilft Ausprobieren mit dem Mandel-Wasser-Verhältnis. Ohne kleine Schüssel dient eine innen glasierte Ringform als Form; darin wird die Masse durch Kühle fest, dann wird gestürzt, mit der Mandelcreme umgossen und mit den Mandelkernen besteckt.
So wird es richtig gut. Die Balance ist hier die Süße der Mandeln. Der Zucker ist optional für den Käs selbst, aber für die Creme unerlässlich. Probiere dich heran, um die Süße nicht zu übertreiben, aber die Mandelaromen schön hervorzuheben. Serviere den Mandelkäs gut gekühlt, damit er seine feste Form behält und zartschmelzend auf der Zunge zergeht. Die ganzen, geschälten Mandeln geben nicht nur einen schönen Kontrast, sondern auch einen angenehmen Biss.
Hausenblase ist heute schwer erhältlich, da Störe unter Artenschutz stehen. Du kannst sie eventuell in spezialisierten Apotheken oder im Fischereibedarf finden. Praktischere moderne Alternative ist hochwertige Blattgelatine - aber nicht 1:1 nach Gewicht umrechnen: Hausenblase ist deutlich potenter. Für die ~1 L Mandelmilch dieses Rezepts reichen ca. 8-10 Blatt für eine stürzbare, aber zarte Konsistenz; mehr macht den Mandelkäs gummiartig. Agar-Agar (vegetarisch/vegan) wäre eine weitere Option, dann ca. 2-3 g pro Liter und in der Mandelmilch kurz aufkochen.
Nein, die Zubereitung erfordert präzises Gelingen der Gelatine und eine durchgehende Kühlung zum Festwerden. Eine Ringform ist im Lager selten, und das Stürzen des Käses erfordert eine stabile Unterlage. Am ehesten ist es als Schaugericht mit vorbereiteter Mandelmilch und Kühlbox umsetzbar.
Im Kontext dieses Mandelkäs-Rezepts ist 'dicke milich' als eine dickflüssige Mandelmilch oder Mandelcreme zu verstehen, die als Beilage oder Sauce zum gelierten Mandelkäs gereicht wird. Es handelt sich hierbei nicht um fermentierte Tiermilch.
Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch des Meisters Hans (1460, Württemberg / Basel). Vollständiges Kochbuch des Küchenmeisters Graf Ulrichs V. von Württemberg, geschrieben 1460. Einzig erhaltener Textzeuge: Cod. AN V 12 der Universitätsbibliothek Basel. Enthält Senf- und Hanfspeisen, Fastenkost, Schau- und Scherzgerichte sowie ein eigenes Register vorneweg.
Ein „Mandelkäs“ ist eine süße, gelierte Speise aus Mandelmilch, die in Form gebracht wird. Trotz des Namens enthält sie keinen Milchkäse, sondern ist eine Art Mandel-Aspik oder -Panna Cotta.
Die Hausenblase ist die getrocknete Schwimmblase des Störs (Hausen) und wurde im Mittelalter als Gelatine (Fischleim, Isinglass) verwendet. Sie ist ein sehr reines und starkes Geliermittel.
Ein Lot war eine historische Gewichtseinheit, die regional variierte. Im süddeutschen Raum, wie in der Quelle des Meisters Hans, entsprach ein Lot etwa 15 Gramm.
Ein Vierdung (oder Vierting) war eine historische Gewichtseinheit, die einem Viertel eines Pfundes entsprach. Bei einem Pfund von etwa 500 g wären dies 125 g.
Im Mittelhochdeutschen bezeichnete ‚dicke milich‘ oft fermentierte Tiermilch (wie Dickmilch oder Quark). Im Kontext dieses Rezepts, das sich ausschließlich um Mandeln dreht, ist es jedoch als eine dickflüssige Mandelmilch oder Mandelcreme zu interpretieren, die als Beilage dient.
Von ‚klauben‘ = verlesen, auslesen, säubern. Die geschälten Mandelkerne für die Garnitur sollen vor dem Aufstecken sortiert und von unsauberen Stücken befreit werden - ein im Kochbuch des Meisters Hans mehrfach belegter Arbeitsschritt.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
dicke milich
Gewählte Lesart: Dickflüssige Mandelmilch oder Mandelcreme.
Andere mögliche Lesart:
ain vierdung
Gewählte Lesart: 125 g (ein Viertel eines Pfundes).
Andere mögliche Lesart:
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