Kochbuch des Meisters Hans (Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch)
Mandelkäs mit Mandelcreme
Moderne Übersetzung
Wenn du einen Mandelkäs zubereiten möchtest, so verfahre wie folgt:
Nimm zwei Pfund Mandeln und reibe sie fein. Schlage die geriebenen Mandeln durch ein weißes Tuch, um eine feine Mandelmilch zu gewinnen.
Nimm ein Lot Hausenblase, die du in etwas Wasser weich kochst, bis sie sich auflöst. Seihe die Mandelmilch mit diesem Hausenblasen-Sud durch. Achte darauf, die Mischung danach nicht mehr zu sieden, damit die Gelierkraft erhalten bleibt.
Möchtest du den Mandelkäs süß haben, so gib ein Vierdung Zucker hinzu.
Für die Garnitur schäle ein Pfund Mandeln, sodass du ganze, weiße Kerne erhältst. Verlies sie sauber. Diese steckst du später auf den fertigen Käs.
Bereite eine dicke Mandelmilch (oder Mandelcreme) zu und süße sie ebenfalls mit einem Vierdung Zucker. Diese dient als Beilage zum Käs.
Hast du keine kleine Schüssel zur Hand, so nimm eine innen glasierte Ringform. Gieße die Mandelmilch-Mischung hinein; darin wird sie fest. Wenn du den Käs servieren möchtest, stürze ihn auf eine Schüssel, gib die süße Mandelmilch-Creme dazu und stecke die geschälten Mandeln auf den Käs.
Zutaten
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| ain haussen platter | 15 g Hausenblase | Spezialitätenhandel (Fischereibedarf), Online-Handel | Blattgelatine: ca. 8-10 Blatt für eine stürzbare, aber zarte Konsistenz (auf ca. 1 L Mandelmilch); je nach gewünschter Festigkeit anpassen. Hausenblase ist deutlich potenter als kommerzielle Blattgelatine, deshalb nicht 1:1 nach Gewicht umrechnen. |
| zway pfunt mandel | 1 kg Mandeln, gemahlen | Supermarkt (Backregal) | - |
| ainem wasser | Wasser | Leitung | - |
| ain vierdung zucker | 125 g Zucker (optional) | - | - |
| ain pfunt mandel den soltu schelen vnd die weissen ganczen keren | 500 g Mandeln, ganz, geschält | Supermarkt (Backregal) | - |
| ain vierdung zucker daran | 125 g Zucker | - | - |
| ain dicke milich | Mandelmilch (dickflüssig) | Supermarkt | Pflanzliche Sahne (Mandel-, Hafer- oder Sojabasis) |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Im Geiste eine mittelalterliche Panna Cotta oder ein Blancmange, ein festliches Schaugericht aus gesüßter Mandelmilch, die mit Hausenblase geliert und in Form gebracht wird, serviert mit einer cremigen Mandelbeilage und ganzen Mandeln. Es ist kein Käse im modernen Sinne, sondern eine luxuriöse Süßspeise. Die weißen, gelierten Mandelmilch-Süßspeisen gehörten zur gehobenen spätmittelalterlichen Festtagsküche und waren fastentauglich: Mandelmilch ersetzte an Fasttagen die Kuhmilch, und Hausenblase als Fischprodukt war ebenfalls erlaubt.
Praxis. Reibe die Mandeln so fein wie möglich und schlage sie mit Wasser durch ein feines Tuch, bis eine reiche Mandelmilch entsteht. Die Hausenblase (heute ersetzt du sie durch Gelatine) kochst du separat in etwas Wasser weich, bis sie sich vollständig auflöst - dieser Sud wird anschließend durch die Mandelmilch geschlagen. Danach die Mischung nicht mehr sieden: Das Original warnt selbst davor, denn wiederholtes Erhitzen zerstört die Gelierkraft der Gelatine. Die geschälten, ganzen Mandelkerne für die Garnitur werden verlesen, bevor sie auf den fertigen Käs gesteckt werden. Die begleitende ‚dicke milich‘ ist eine zweite, gesüßte Mandelmilch beziehungsweise -creme als Beilage - wie genau sie dickflüssiger als die erste wird, verrät der Text nicht, hier hilft Ausprobieren mit dem Mandel-Wasser-Verhältnis. Ohne kleine Schüssel dient eine innen glasierte Ringform als Form; darin wird die Masse durch Kühle fest, dann wird gestürzt, mit der Mandelcreme umgossen und mit den Mandelkernen besteckt.
So wird es richtig gut. Die Balance ist hier die Süße der Mandeln. Der Zucker ist optional für den Käs selbst, aber für die Creme unerlässlich. Probiere dich heran, um die Süße nicht zu übertreiben, aber die Mandelaromen schön hervorzuheben. Serviere den Mandelkäs gut gekühlt, damit er seine feste Form behält und zartschmelzend auf der Zunge zergeht. Die ganzen, geschälten Mandeln geben nicht nur einen schönen Kontrast, sondern auch einen angenehmen Biss.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/mha-004/
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