Libro de arte coquinaria · Norditalien · 1465
Häute den Aal und schneide ihn in handbreite Stücke. Koche ihn eine halbe Stunde lang in Wasser. Gieße dann dieses Wasser ab und gib ihn in frisches, kaltes Wasser. Lasse ihn erneut kochen, bis er gar ist. Nimm ihn dann heraus und gib Essig und frische Petersilie darüber.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| Anguilla salata | 1 gesalzener Aal | Fischhändler (Wildaal gilt als gefährdet und ist streng reguliert - CITES Anhang II, IUCN 'Critically Endangered'; gesalzener Zuchtaal ist aber normal erhältlich und die empfohlene Wahl. Siehe FAQ.) | Gesalzenes Welsfilet (aus nachhaltiger Zucht) oder geräucherte Makrele/Forelle |
| acqua | Wasser | Leitung | - |
| aceto | Essig | - | - |
| petrosillo | Frische Petersilie | - | - |
Welches Gericht ist das? Gewässerter, gekochter Salzaal, kalt mit Essig und Petersilie gereicht - eine klassische Fastenspeise. Der direkte Zwilling steht im Ménagier (men-026, gesalzener Aal, gekocht und mit Senf serviert; men-180 kocht großen Aal in Wasser mit reichlich Petersilie). Hier ist Petersilie das frische Kraut, Essig die Säure - eine schlichte, helle Anrichtung.
Der Kern ist das doppelte Kochen zum Entsalzen: bollendola in l'acqua per meza hora; poi butta via la ditta acqua - eine halbe Stunde in Wasser kochen, dieses Wasser wegschütten, weil es das ausgezogene Salz enthält. Mettila in altra acqua freda, lasciandola ancora bollire - in frisches kaltes Wasser geben und nochmals garkochen. Der Wasserwechsel zieht das Pökelsalz heraus, sodass der Aal mild genug wird. Scortica l'anguilla - den Aal häuten, weil die dicke, schleimige Aalhaut zäh bleibt. In pezi larghi una manu, handbreite Stücke, damit sie gleichmäßig garen.
Praxis. Wildaal ist heute gefährdet und der Fang streng reguliert - gesalzener Zuchtaal vom Fischhändler ist aber die empfohlene Wahl; wer ganz verzichten möchte, greift zu gesalzenem Welsfilet (nachhaltige Zucht) oder geräucherter Makrele/Forelle. Häuten, in handbreite Stücke schneiden, 30 Minuten kochen, das salzige Wasser abgießen, in frischem kaltem Wasser erneut bis gar kochen. Herausnehmen, mit gutem Wein- oder Kräuteressig beträufeln und reichlich fein gehackte frische Petersilie darüberstreuen.
Wildaal gilt als gefährdet und der Fang ist EU-weit streng reguliert (CITES Anhang II, IUCN 'Critically Endangered'). Gesalzener oder geräucherter Zuchtaal aus nachhaltiger Aquakultur ist beim Fischhändler aber ganz normal erhältlich und die empfohlene Bezugsquelle für dieses Rezept. Wer lieber ganz auf Aal verzichtet, kann auch gesalzenes Welsfilet aus nachhaltiger Zucht oder geräucherte Makrele/Forelle verwenden, die eine ähnliche Textur haben und sich gut salzen und zubereiten lassen.
Ja, dieses Rezept ist sehr gut für die Lagerküche geeignet. Gesalzener Aal (oder der empfohlene Ersatzfisch) ist eine haltbare Zutat, die sich gut transportieren lässt. Die Zubereitung erfordert lediglich einen Topf und eine Feuerstelle zum Kochen.
Dieses Rezept stammt aus dem ‚Libro de Arte Coquinaria‘, einem der bedeutendsten Kochbücher des 15. Jahrhunderts, verfasst um 1465 von Maestro Martino da Como, dem Koch des Patriarchen von Aquileia. Es ist ein frühes Beispiel der norditalienischen Küche und zeigt die Zubereitung einer gängigen Fastenspeise.
'Una manu' bedeutet wörtlich ‚eine Hand‘ und bezieht sich hier auf die Breite der Fischstücke. Es ist eine ungefähre Maßeinheit, die ‚handbreit‘ oder ‚etwa eine Handbreite‘ bedeutet.
Häuten - die dicke, schleimige Aalhaut wird vor dem Garen abgezogen.
"eine Hand" - ungefähres Maß: handbreite Stücke.
"schütte dieses Wasser weg" - das erste Kochwasser nimmt das Pökelsalz auf; der Wasserwechsel entsalzt den Fisch.
Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.