The Forme of Cury · England · 1390
Nimm Korinthen, Nusskerne, Brotkrusten, Ingwerpulver, Nelken und Zimtpulver. Zerstoße alles gut zusammen im Mörser zu einer feinen Paste. Salze die Mischung und verdünne sie mit Essig. Dann serviere die Sauce.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| Raysouns of Coraunce | 100 g Korinthen | - | - |
| kyrnels of notys | 50 g Nusskerne (z.B. Walnüsse oder Haselnüsse) | - | - |
| crustes of brede | altbackenes Brot | - | - |
| powdour of gyngur | 1 TL Ingwerpulver | - | - |
| clowes | 1/2 TL gemahlene Nelken | - | - |
| flour of canel | 1 TL Zimtpulver | - | - |
| salt it | Salz | - | - |
| vynegur | 50-100 ml Essig (z.B. Weinessig) | - | - |
Welches Gericht ist das? Eine sawse camelyne - die berühmteste süß-säuerliche Gewürzsauce des europäischen Spätmittelalters, hier in der englischen Fassung. Korinthen, Nusskerne, geröstetes Brot und warme Süßgewürze werden im Mörser zur Paste gestoßen, gesalzen und mit Essig zur kalten Sauce verdünnt. Sie ist die direkte Schwester der italienischen salsa camellina (vgl. mar-102) und der französischen Camelinen (vgl. men-191) und steht zu kaltem Braten, Wild und Fisch.
Brotbindung, ungekocht. Anders als die Pfeffersaucen wird die Cameline nicht gekocht: das geröstete Brot (crustes of brede) bindet kalt, sobald es mit Essig durchfeuchtet und mit den übrigen Zutaten verstoßen (bray it wel togyder) wird. Eine kalte, dicke Würzpaste.
Süß und sauer im Gleichgewicht. Die Korinthen (raysouns of coraunce) liefern die Süße, der Essig die Säure, die Nüsse Körper - die Leitachse Agrodolce. Zimt, Ingwer und Nelke geben die warme Würze.
Der Name. Der Editor erwägt, ob camelyne von canelyne (zu canel, Zimt) komme. Geläufiger ist die Herleitung von der kamelbraunen Farbe der Sauce; in beiden Fällen ist Zimt ein Leitgewürz. Für die Praxis ist die Frage ohne Belang.
Praxis. 100 g Korinthen, 50 g Walnuss- oder Haselnusskerne und eine Scheibe altbackenes, geröstetes Brot ohne Rinde im Mörser fein zerstoßen. Je 1 TL Ingwer und Zimt sowie 1/2 TL Nelken einarbeiten, salzen und mit 50-100 ml Weinessig zur streichfähigen Sauce verdünnen. Kalt zu Braten, Wild oder Fisch reichen.
Für dieses Rezept ist ein Mörser und Stößel ideal, um die Zutaten zu einer feinen Paste zu zerstoßen. Es muss kein großer Fleischmörser sein, ein mittelgroßer Küchenmörser reicht aus. Alternativ kann man die Zutaten auch in einem Mixer oder einer Küchenmaschine pürieren, um eine ähnliche Konsistenz zu erreichen.
Ja, dieses Rezept ist sehr gut für die Lagerküche geeignet. Die Zutaten sind haltbar und leicht zu transportieren. Die Zubereitung erfordert lediglich einen Mörser und Stößel oder eine Reibe und ein Messer, was am Lagerplatz gut umsetzbar ist.
Dieses Rezept stammt aus "The Forme of Cury", einer der ältesten und bekanntesten englischen Rezeptsammlungen. Es wurde um 1390 für die Köche von König Richard II. verfasst und bietet Einblicke in die höfische Küche des englischen Spätmittelalters.
"Flour of canel" bedeutet wörtlich "Zimtmehl" oder "Zimtstaub". Es bezieht sich auf sehr fein gemahlenen Zimt. Heutzutage ist handelsübliches Zimtpulver in der Regel fein genug und kann direkt verwendet werden.
Name der Sauce; der Editor erwägt eine Herleitung von canel (Zimt), geläufiger ist die kamelbraune Farbe. Eine der verbreitetsten Gewürzsaucen des Spätmittelalters.
Korinthen - kleine, kernlose Rosinen aus Korinth; liefern die Süße der Sauce.
Gut zusammenstoßen im Mörser - die Zutaten werden kalt zur Paste verarbeitet, nicht gekocht.
Wörtlich „Zimtmehl" - fein gemahlener Zimt; handelsübliches Zimtpulver ist heute fein genug.
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