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Feines Fischmus mit Mandeln und Reis

Koch vnd Kellermeysterey von allen Speisen vnd Getrencken · Frankfurt am Main · 1574

FischHauptspeise · FischLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10VorspeiseBrei / MusBürgerliche KücheBürgerlichFischFastenspeiseReisReisBlancmanger
Zubereitungszeit75 Min.Portionen4-6 PersonenBuchKoch und Kellermeisterei (~1574)

Nimm die Innereien aus dem Fisch, reinige ihn gründlich und hacke das Fischfleisch fein. Achte dabei besonders auf die Gallenblase, damit sie nicht platzt und Bitterkeit ins Fleisch gelangt. Koche das Fischfleisch in Wasser ab, seihe es anschließend ab und entsorge die Brühe. Zerstoße den Fisch sehr gut im Mörser zusammen mit Mandelmilch und in Mandelmilch eingeweichtem Weißbrot. Passiere die Masse durch ein Sieb oder drücke sie mit weich gekochtem Reis aus. Erhitze das Mus danach über einem Feuer in einer Pfanne und rühre es dabei gut um. Ist es zu dick, gib mehr Mandelmilch hinzu. Süße das Gericht zum Abschluss mit Zucker ab.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
Fischen 500 g Fischfilet (z.B. Hecht, Karpfen) Wochenmarkt, Fischhändler -
Wasser 1 Liter Wasser - -
Mandelmilch 500 ml Mandelmilch - -
weis Brot Weißbrot - -
weich gesotten Reis 100 g Reis - -
Zucker 50 g Zucker - -

Welches Gericht ist das? Ein feines, gesüßtes Fischmus - eine Fasten-Variante des Blancmanger, jener weißen Mandel-Reis-Speise, die quer durch ganz Europa überliefert ist (von Bagdad bis Prag, über 20 Fassungen im Korpus). Statt Hühnerfleisch trägt hier mageres Fischfleisch die Masse, gebunden mit Mandelmilch, eingeweichtem Weißbrot und weichem Reis, abgeschmeckt mit Zucker. Direkt verwandt mit dem Fasten-Blancmanger vom Fisch mar-091 und der farbigen Mandelmilch kkm-042 desselben Buchs.

Die Bindung ist rein zeittypisch und kommt ganz ohne Mehlschwitze aus: weis Brot in Mandelmilch geweicht (eingeweichtes Weißbrot), dazu weichgekochter Reis und die Mandelmilch selbst geben dem Mus Körper. Das ist die klassische mittelalterliche Brot-/Mandel-/Reis-Bindung.

Der Schritt seud das bret ab ... thu die Brüh hin verlangt, den Fisch in Wasser vorzukochen und die Kochbrühe wegzuschütten. Das ist Absicht: Das Gericht zielt auf eine helle, mild-süße Masse, in der die Mandelmilch und der Zucker tragen sollen - die kräftige Fischbrühe würde das überdecken. Beim Schwester-Rezept kkm-042 wird umgekehrt mit Fischbrühe gearbeitet; hier wird sie bewusst entfernt.

Acht der Gallen - auf die Gallenblase achten: Platzt sie beim Ausnehmen, zieht bittere Galle ins Fleisch und verdirbt den Geschmack. Darum sauber auslösen.

Praxis. 500 g mageren Fisch (Hecht, Karpfen, Zander) ausnehmen, in Wasser gar kochen, abseihen, Brühe verwerfen. Das Fleisch im Mörser mit Mandelmilch und in Mandelmilch eingeweichtem Weißbrot zu einer feinen Paste zerstoßen, durch ein Sieb streichen, mit 100 g weichgekochtem Reis vermengen. In einer Pfanne über dem Feuer erhitzen und rühren; zu dick - mehr Mandelmilch. Zum Schluss mit Zucker süßen. Mörser geht auch als Pürierstab.

Was ist ein 'Mörser' - brauche ich einen Mörser und Stößel?

In mittelalterlichen Rezepten ist mit 'Mörser' oft ein großer Fleischmörser gemeint, der zum Zerkleinern und Pürieren von Fleisch, Fisch oder Nüssen verwendet wurde. Für dieses Rezept kannst du stattdessen eine moderne Küchenmaschine oder einen Pürierstab verwenden, um den Fisch und die anderen Zutaten zu einer feinen Paste zu verarbeiten. Wer authentisch arbeiten möchte, verwendet einen großen Granit-Mörser mit einem schweren Holzstößel.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist gut für die Lagerküche geeignet. Die meisten Zutaten sind haltbar und leicht zu transportieren. Das Kochen des Fisches und Reises sowie das Erhitzen des Mus kann problemlos über offenem Feuer oder einem Gaskocher in einer Pfanne erfolgen. Das Pürieren kann mit vorbereiteten Zutaten (z.B. vorgekochter Fisch) auch mit einfachen Mitteln wie einem großen Löffel und Sieb oder einem Handmixer erfolgen, falls keine Küchenmaschine zur Verfügung steht.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch 'Koch und Kellermeisterei', das um 1574 in Frühneuhochdeutsch verfasst wurde. Es bietet Einblicke in die bürgerliche Küche der Zeit und zeigt die Vorliebe für süß-herzhafte Gerichte, die oft auch für Fastentage geeignet waren.

Was bedeutet 'Gemüß' in diesem Rezept?

Im frühneuzeitlichen Kontext bedeutet 'Gemüß' nicht 'Gemüse' im heutigen Sinne, sondern eine zubereitete Speise, oft eine Art Püree, Mus oder Brei. Hier handelt es sich um ein feines Fischmus, das mit Mandeln und Reis angereichert und gesüßt wird.

Ein gut Gemüß von Fischen vnd Mandeln. Thu das ingeweid aus/ reinigs vnd hacks wol/ acht der Gallen/ seud das bret der Fisch ab mit Wasser/ seihe es ab/ thu die Brüh hin/ stosse die Fisch gar wol mit Mandelmilch/ [Mandelmich/] vnd weis Brot in Mandelmilch geweicht/ treibe es aus mit weich gesotten Reis/ las es vber eim Fewr in einer pfann erhitzen/ rüre es wol/ Jst es zu dick/ so thu mehr Mandelmilch darzu/ machs ab mit Zucker.
ingeweid

Innereien

Gallen

Gallenblase, die eine bittere Flüssigkeit enthält

bret

Fleisch

seud ab

koche ab, parboiliere

seihe es ab

seihe es durch ein Sieb ab

Brüh

Brühe, Kochflüssigkeit

stosse

zerstoße, zerreibe (im Mörser)

gar wol

sehr gut, gründlich

geweicht

eingeweicht

treibe es aus

passiere es durch ein Sieb oder drücke es aus

weich gesotten

weich gekocht

Fewr

Feuer

pfann

Pfanne

rüre

rühre

machs ab

süße es ab, schmecke es mit Zucker ab

Handschrift
Koch vnd Kellermeysterey von allen Speisen vnd Getrencken
Sprache
Frühneuhochdeutsch
Entstehung
Frankfurt am Main, 1574

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartthu die Brüh hin

Gewählte Lesart: Die Fischkochbrühe wird weggeschüttet - das Gericht setzt bewusst auf die helle, süße Mandel-Note, nicht auf kräftigen Fischgeschmack.

Andere mögliche Lesart:

  • Die Brühe hinzufügen ("hin" = hinzu). - Sprachlich denkbar, aber im nächsten Schritt wird ausdrücklich Mandelmilch als Pürierflüssigkeit genannt; die abgeschüttete Brühe spielt danach keine Rolle mehr.

Originalwerk (~1574) gemeinfrei.

Bildquelle
Koch und Kellermeisterei, S. 022
Transkription
Uni Giessen (Gloning, Digitale Edition 2000) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Gut am Feuer machbar. Fisch lässt sich daheim vorkochen und grob zerteilen; Mandelmilch, Reis, Weißbrot und Zucker sind haltbar. Am Lager Reis weichkochen, alles zerstoßen oder pürieren und in einer Pfanne über der Glut erhitzen. Mörser ist authentisch, Pürierstab erleichtert es.
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