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Gestockter Blancmanger mit Huhn

Daz buoch von guoter spîse · Würzburg · 1350

GeflügelHauptspeise · GeflügelLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10Höfische KücheHofkücheReisReisBlancmanger
Zubereitungszeit45 Min.Portionen4 PersonenBuchDas Buch von guter Speise (~1350)

Einen gestockten Blancmanger bereitet man wie folgt: Man nehme eine dicke, feste Mandelmilch. Hierin werfe man feingehackte Hühnerbrüste und lasse sie darin aufkochen. Danach rühre man sie mit Reismehl und Eidottern ein. Füge genügend Schmalz hinzu und streue reichlich Zucker darüber. Dies nennt man einen gestockten Blancmanger.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
geceiset huener brueste Hühnerbrüste, fein gehackt 2 Metzger -
milich Mandelmilch 500 ml Supermarkt / Reformhaus -
rys mele Reismehl 50 g - -
eyer totern Eidotter 3 - -
smaltz genuoc Schmalz (Schweineschmalz oder Butterschmalz) 50 g Supermarkt / Metzger Butterschmalz oder geklärte Butter; alternativ neutrales Pflanzenöl, wenn das Aroma weniger nussig sein soll
zuckers genuoc Zucker 100 g - -

Welches Gericht ist das? Ein gestocketer blamenser - die feste, geschnittene Variante des Blancmangers. Wo die Standardfassung (bgs-076) eine cremige Speise ist, wird diese hier durch Reismehl und Eidotter so weit gebunden, dass sie erkaltet schnittfest stockt: im Geiste ein herzhaft-süßer Hühnerpudding. Die Namensspur führt bis zum heutigen Blancmange, dem gebundenen Milchpudding - der die weiße Farbe und die Guss-/Stürztechnik von diesem mittelalterlichen Gerichtstyp geerbt hat, im Lauf der Jahrhunderte aber die Fleischkomponente verlor.

Gestocket heißt „fest geworden“ - das Garziel ist eine Masse, die erkaltet fest wird und sich schneiden lässt.

Geceiset meint das feine Zerhacken des rohen Hühnerfleischs, bevor es in die Milch kommt. Milich ist vermutlich Mandelmilch: Sie liefert die weiße Farbe, die dem Blancmanger seinen Namen gibt.

Praxis. Hühnerbrust roh fein hacken, fast bis zur Paste, und in die dicke Mandelmilch geben. Darin aufkochen bzw. durchkochen lassen, bis das Fleisch gar ist, dann Reismehl und Eidotter einrühren, bis die Masse andickt. Schmalz unterrühren. Als Startpunkt auf 500 ml Mandelmilch etwa 200 g Hühnerbrust, 2-3 EL Reismehl und 2-3 Eidotter rechnen. Vollständig auskühlen und fest werden lassen - der Name „gestocket“ verweist genau auf diesen Zustand -, dann in Stücke schneiden und den Zucker erst kurz vor dem Servieren darüberstreuen.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Eingeschränkt geeignet. Das Kochen selbst ist am offenen Feuer problemlos machbar, aber die Speise muss zum Stocken vollständig auskühlen und fest werden - ohne Kühlmöglichkeit im Feldlager ist das nicht zuverlässig zu steuern. Hühnerbrust kann vorab fein gehackt mitgebracht werden, um Zeit zu sparen.

Was bedeutet 'gestocketen' im Rezept?

'Gestockt' bedeutet, dass das Gericht fest wird, also eine puddingartige oder gallertartige Konsistenz annimmt. Dies wird hier durch Reismehl und Eidotter erreicht.

Was ist ein 'Mörser' - brauche ich einen Mörser und Stößel?

Der Text nennt kein bestimmtes Werkzeug, nur dass das Hühnerfleisch sehr fein zerkleinert wird ('geceiset'). Im Mittelalter geschah das meist mit Messer und Mörser. Modern reichen ein scharfes Messer oder ein Fleischwolf bzw. eine Küchenmaschine, um das Fleisch fein genug zu hacken.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Das Buch von guter Speise“. Ältestes deutsches Kochbuch, entstanden um 1350 im Haushalt des Würzburger Bischofs. 96 Hauptrezepte plus 5 in der Gloning-Edition als Sub-Rezepte gezählte Folge-/Variantenrezepte (5a, 27a, 32a, 74a, 77a).

Einen gestocketen blamenser gemaht mit eyner dicken zamen milich. geceiset huener brueste vnd wirf die in die milich vnd derwelle sie vnd ruer sie mit rys mele vnd mit eyer totern. vnd smaltz gibn genuoc. vnd strauwe dor vf zuckers genuoc. Daz heizt ein gestockter blamenser.
gestocketen

Gestockt, fest geworden - die Masse bindet beim Erkalten zu einer schnittfesten Speise.

blamenser

Blancmanger, das „weiße Gericht“ aus Hühnerfleisch, Mandelmilch und Reismehl - eines der am breitesten überlieferten Gerichte des europäischen Spätmittelalters.

geceiset

Fein gehackt, zerkleinert - hier das rohe Hühnerfleisch, fast bis zur Paste, bevor es mitgegart wird.

zamen

Hier vermutlich „dick, gebunden“ - beschreibt die konzentrierte Mandelmilch als Basis. Das Wort ist im Korpus sonst primär als „zahm“ (nicht wild) belegt; die genaue Bedeutung an dieser Stelle ist nicht sicher.

eyer totern

Eidotter, hier als zusätzliches Bindemittel, das die Masse beim Erkalten stocken lässt.

Handschrift
Daz buoch von guoter spîse
Folio
Fol. 163v
Sprache
Mittelhochdeutsch
Entstehung
Würzburg, 1350
CoReMA

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

milichmilk Q8495
rys melerice flour Q1269205
eyer toternyolk Q16336079
smaltz genuocanimal fat Q1423543
zuckers genuocunrefined cane sugar Q57656231

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartmilich

Gewählte Lesart: Mandelmilch

Andere mögliche Lesart:

  • Kuhmilch - Der Gloning-Text nennt nur 'milich'. Mandelmilch ist hier dennoch die plausibelste Lesart: (1) die Augustana-Edition präzisiert ausdrücklich 'mandelmilich'; (2) 'Blancmanger' heißt wörtlich 'weißes Gericht', Mandelmilch liefert die Farbe, die das Rezept namensgebend macht; (3) das Parent-Rezept 77 verwendet ebenfalls Mandelmilch (im Augustana-Block parallel überliefert). Eine Fasten-Eignung argumentiert hier NICHT für Mandelmilch, das Rezept enthält Huhn, Eidotter und Schmalz und ist daher kein Fastengericht.

Lesartzamen

Gewählte Lesart: dick, gebunden (Mandelmilch als konzentrierte, sämige Basis)

Andere mögliche Lesart:

  • zahm (im Sinne von: nicht wild, mild) - MHDBDB und das eigene Korpus (z. B. ka1-051: 'wild oder zam' für Wild- vs. Hausfleisch) belegen 'zam' primär als 'zahm'. Die Parallelstelle bei Harsch/Bibliotheca Augustana ('zäme mandelmilich') bestätigt nur die Wortform, nicht die Bedeutung an dieser Stelle. Im Kontext einer Mandelmilch als Basiszutat ist 'dick/gebunden' die naheliegendere Lesart, eine übertragene Lesart im Sinne von 'mild, nicht geronnen' ist aber nicht sicher auszuschließen.

Originalwerk (~1350) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 163v, Universitätsbibliothek München, 2° Cod. ms. 731 (Cim. 4), Open Access LMU
Transkription
Uni Giessen (Gloning, Digitale Edition 1994/2001) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Kochen selbst geht am Feuer problemlos, aber die Masse muss zum Stocken vollständig auskühlen und kalt fest werden - ohne verlässliche Kühlmöglichkeit im Feldlager ein Unsicherheitsfaktor, nicht nur Komfort. Mandelmilch ist als Tetrapack lagerstabil oder vor Ort aus gemahlenen Mandeln anrührbar; Hühnerbrust lässt sich vorab fein hacken und mitbringen.
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Stand dieser Fassung: 15.08.2026 - 5-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.