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Veilchen-Mus mit Mandeln und Reis

Daz buoch von guoter spîse · Würzburg · 1350

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10Höfische KücheHofkücheReisReis
Zubereitungszeit15 Min.Portionen2-4 PersonenBuchDas Buch von guter Speise (~1350)

Wer ein Veilchen-Mus machen will, der nehme eine dicke Mandelmasse, gut verrührt mit Reismehl, und gebe genügend Schmalz hinein. Färbe es gut mit Veilchenblüten. Das ist ein vollständiges Veilchen-Mus.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
ein dicke mandel wol gerueret mit rismele 100 g gemahlene Mandeln (zu einer dicken Paste angerührt mit etwas Wasser), 50 g Reismehl - -
smaltzes genuoc 50-100 g Schmalz (Schweine- oder Gänsefett) Metzger, Supermarkt Pflanzenöl (z.B. Rapsöl) für eine fastenkonforme Variante
fial bluomen Eine Handvoll frische Veilchenblüten Wochenmarkt, Wald/Garten (selbst sammeln) -

Welches Gericht ist das? Ein cremiges Mandel-Reismehl-Mus, mit frischen Veilchenblüten gefärbt und parfümiert. Es gehört zur selben Grundrezeptur-Familie wie das Mandel-Reis-Mus foc-093 (Resmolle) und mon-110 - dieselbe Basis aus dicker Mandelmasse und Reismehl, hier statt mit Gewürzen mit Blüten gefärbt.

Die Basis. Ein dicke mandel meint eine sehr konzentrierte Mandelmasse: gemahlene Mandeln mit nur wenig Wasser zu einer dicken Paste verrührt. Darunter wird Reismehl (rismele) gut eingearbeitet - es bindet das Mus zu einer sämigen Konsistenz. Das Schmalz (smaltzes genuoc, reichlich) macht die Masse fett und geschmeidig; für eine fastenkonforme Variante kann man stattdessen Pflanzenöl nehmen.

Die Veilchen. Der Text verlangt, das Mus gut mit den Blüten (fial bluomen) zu färben - sie dienen hier in erster Linie als Farbmittel, ihr florales Aroma kommt als Nebeneffekt hinzu.

Praxis. Mandelpaste und Reismehl verrühren, das Schmalz einarbeiten und die Masse im Topf erwärmen, bis sie sämig bindet. Die Veilchenblüten untermischen, bis das Mus gleichmäßig eingefärbt ist. Das Original nennt keinen Zucker; für ein modernes Dessert kann man mit etwas Honig oder Zucker süßen.

Wo bekomme ich Veilchenblüten?

Veilchenblüten sind saisonal im Frühling erhältlich. Sie können auf gut sortierten Wochenmärkten oder in Gärtnereien gefunden werden. Alternativ können sie auch selbst gesammelt werden, achten Sie dabei unbedingt darauf, dass die Blüten nicht mit Pestiziden behandelt wurden und von einer sauberen Umgebung stammen.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist sehr gut für die Lagerküche geeignet. Die Zubereitung ist einfach und erfordert nur grundlegende Kochutensilien wie einen Topf und eine Wärmequelle. Die trockenen Zutaten sind leicht zu transportieren.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus 'Das Buch von guter Speise', einer der ältesten deutschsprachigen Kochbuchsammlungen, die um 1350 im süddeutschen Raum (vermutlich Würzburg) entstanden ist. Es gibt Einblicke in die Küche des gehobenen Bürgertums oder niederen Adels dieser Zeit.

Was bedeutet 'dicke mandel' im Rezept?

Im Kontext dieses Rezepts bezieht sich 'dicke mandel' auf eine sämige Mandelmasse oder sehr dicke Mandelmilch, die als Basis für das Mus dient. Sie wird typischerweise durch das Verrühren von gemahlenen Mandeln mit etwas Wasser hergestellt.

Ein fialmuos. Der woelle machen ein vial muos, der neme ein dicke mandel wol gerueret mit rismele vnd tuo dor in smaltzes genuoc. wol mit fial bluomen. daz ist ein fial muos gantz.
fialmuos

Veilchen-Mus - ein sämiger Brei mit Veilchenblüten als Farb- und Aromageber.

dicke mandel

Eine sehr konzentrierte, dicke Mandelmasse aus gemahlenen Mandeln mit wenig Wasser - die Bindebasis des Mus.

rismele

Reismehl - bindet das Mus zu sämiger Konsistenz.

smaltzes genuoc

Reichlich Schmalz (tierisches Fett). In fastenkonformer Lesart durch Pflanzenöl ersetzbar.

fial bluomen

Frische Veilchenblüten (Viola odorata) - dienen im Text als Farbmittel für das Mus, ihr florales Aroma kommt als Nebeneffekt hinzu.

Handschrift
Daz buoch von guoter spîse
Folio
Fol. 164r
Sprache
Mittelhochdeutsch
Entstehung
Würzburg, 1350

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartsmaltzes genuoc

Gewählte Lesart: Tierisches Schmalz (Schweine- oder Gänsefett) in reichlicher Menge.

Andere mögliche Lesart:

  • Pflanzliches Öl - Mandelmilch und Reismehl sind klassische Fastenzutaten; in solchen Kontexten wurde Schmalz oft durch Öl ersetzt, um das Gericht fastenkonform zu halten.

Originalwerk (~1350) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 164r, Universitätsbibliothek München, 2° Cod. ms. 731 (Cim. 4), Open Access LMU
Transkription
Uni Giessen (Gloning, Digitale Edition 1994/2001) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Gut am Lager machbar: Mandel- und Reismehl sind trocken lagerbar, gekocht wird nur in einem Topf am Feuer. Einzig die frischen Veilchenblüten müssen vor Ort gesammelt oder frisch mitgebracht werden - sie sind nur im Frühling verfügbar.
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