Daz buoch von guoter spîse · Würzburg · 1350
Wer ein Morchelmus zubereiten möchte, der nehme Morcheln und wasche sie gründlich in frischem, kaltem Wasser. Hacke sie danach fein und gib sie in eine dickflüssige Mandelmilch. Diese Mandelmilch soll zuvor gut mit Wein zubereitet worden sein. Lasse die Morcheln darin gar köcheln. Füge sodann reichlich Gewürze hinzu und färbe oder garniere das Gericht mit essbaren Blüten, bevor du es servierst.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| morchen | 200 g frische Morcheln (oder 20 g getrocknete) | Wochenmarkt, Spezialitätengeschäft | andere Pilze (z.B. Kräuterseitlinge) |
| brunnen / kalden wazzer | 500 ml kaltes Wasser | Leitung | - |
| dicke mandel milich | 500 ml dickflüssige Mandelmilch (aus ca. 100 g Mandeln) | Supermarkt, Bio-Laden (oder Mandeln zum Selbermachen) | - |
| wine | 100 ml Weißwein | - | - |
| wuertze genuoc | 1 TL gemahlener Pfeffer, 1/2 TL Ingwer, 1/4 TL Galgant, Prise Nelkenpulver, Prise Muskat | Supermarkt, Gewürzhandel | - |
| bluomen | Eine Handvoll essbare Blüten (z.B. Ringelblumen, Borretschblüten) | Bio-Laden, Gärtnerei, eigener Garten | - |
Welches Gericht ist das? Ein feines Morchelmus - im Geiste ein cremiges Pilzragout oder eine sämige Pilzsuppe, gebunden mit Mandelmilch statt Sahne und damit fastenkonform. Verwandt mit dem Weinmus mha-021 und der Pasteten-Variante mit Morcheln m384-018.
morchen und das Waschen. Morcheln (morchen) sind wabig und fangen leicht Sand; der Text betont das gründliche Waschen vz eime kalden wazzer - in frischem, kaltem Quellwasser. Danach werden sie fein gehackt.
dicke mandel milich mit wine wol gemacht. Die Bindung kommt aus einer dickflüssigen, konzentrierten Mandelmilch, die ihrerseits gut mit Wein zubereitet ist - der Wein steckt also schon in der Mandelmilch, nicht nur als Schuss obendrauf. Erst in diese fertige, sämige Grundmasse kommen die gehackten Morcheln und garen sanft mit.
wuertze genuoc und ferve bluomen. Genug Würze meint die zeittypische Mischung aus Pfeffer, Ingwer, Galgant, Nelken und Muskat. Ferve bluomen - färben/garnieren mit Blüten - schließt das Gericht ab: essbare Blüten geben Farbe und eine zarte florale Note.
Praxis. Etwa 100 g blanchierte Mandeln auf 200-250 ml Flüssigkeit (Wasser + Wein) zu dicker Mandelmilch verarbeiten. 200 g frische (oder 20 g getrocknete, eingeweichte) Morcheln gründlich waschen, fein hacken, in die Mandelmilch geben und bei sanfter Hitze wenige Minuten köcheln, bis sie gar sind - nicht zu lange, sonst werden sie zäh, und nicht zu heiß, sonst brennt die Mandelmilch an. Großzügig würzen, mit essbaren Blüten (Ringelblume, Borretsch) garnieren. Die Konsistenz soll sämig am Löffel haften.
Frische Morcheln sind saisonal auf Wochenmärkten oder in gut sortierten Spezialitätengeschäften erhältlich. Getrocknete Morcheln gibt es ganzjährig im Feinkosthandel oder online bei spezialisierten Gewürzhändlern.
Ja, dieses Rezept ist gut für die Lagerküche geeignet. Getrocknete Morcheln lassen sich gut transportieren und vor Ort einweichen. Mandelmilch kann aus Mandeln und Wasser frisch zubereitet werden. Die Zubereitung über offenem Feuer oder auf einem Dreibein ist unkompliziert.
Dieses Rezept stammt aus 'Das Buch von guter Speise', einem der ältesten bekannten Kochbücher in deutscher Sprache, verfasst um 1350 im süddeutschen Raum (vermutlich Würzburg). Es gibt Einblicke in die höfische und bürgerliche Küche des Spätmittelalters.
'Wuertze genuoc' bedeutet 'genug Gewürze'. Dies war eine typische Anweisung im Mittelalter, da die genaue Menge oft dem Koch überlassen wurde. Es impliziert eine Mischung der damals gängigen und geschätzten Gewürze wie Pfeffer, Ingwer, Galgant, Nelken und Muskat.
Morcheln - geschätzte Speisepilze mit wabiger Oberfläche, die gründlich gewaschen werden müssen.
In kaltem (Quell-)Wasser gewaschen / abgespült - das Reinigen der sandfangenden Morcheln vor dem Hacken.
Eine dickflüssige, konzentrierte Mandelmilch, die hier als Bindung dient - fastenkonformer Sahne-Ersatz.
„Genug Gewürze“ - typische offene Mengenangabe; gemeint ist die zeittypische Mischung aus Pfeffer, Ingwer, Galgant, Nelken und Muskat.
Färben/garnieren mit (essbaren) Blüten - zum Abschluss für Farbe und florale Note.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
mit wine wol gemacht die mandel milich
Gewählte Lesart: Der Wein ist Bestandteil der Mandelmilch-Zubereitung, nicht bloß ein nachträglicher Zusatz - die Bindeflüssigkeit ist von Anfang an weinhaltig.
Andere mögliche Lesart:
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