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Morchelmus mit Wein und Gewürzen

Daz buoch von guoter spîse · Würzburg · 1350

LagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10Höfische KücheHofkücheVegetarischVegetarisch
Zubereitungszeit45 Min.Portionen2-3 PersonenBuchDas Buch von guter Speise (~1350)

Wer ein Morchelmus zubereiten möchte, der nehme Morcheln und wasche sie gründlich in frischem, kaltem Wasser. Hacke sie danach fein und gib sie in eine dickflüssige Mandelmilch. Diese Mandelmilch soll zuvor gut mit Wein zubereitet worden sein. Lasse die Morcheln darin gar köcheln. Füge sodann reichlich Gewürze hinzu und färbe oder garniere das Gericht mit essbaren Blüten, bevor du es servierst.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
morchen 200 g frische Morcheln (oder 20 g getrocknete) Wochenmarkt, Spezialitätengeschäft andere Pilze (z.B. Kräuterseitlinge)
brunnen / kalden wazzer 500 ml kaltes Wasser Leitung -
dicke mandel milich 500 ml dickflüssige Mandelmilch (aus ca. 100 g Mandeln) Supermarkt, Bio-Laden (oder Mandeln zum Selbermachen) -
wine 100 ml Weißwein - -
wuertze genuoc 1 TL gemahlener Pfeffer, 1/2 TL Ingwer, 1/4 TL Galgant, Prise Nelkenpulver, Prise Muskat Supermarkt, Gewürzhandel -
bluomen Eine Handvoll essbare Blüten (z.B. Ringelblumen, Borretschblüten) Bio-Laden, Gärtnerei, eigener Garten -

Welches Gericht ist das? Ein feines Morchelmus - im Geiste ein cremiges Pilzragout oder eine sämige Pilzsuppe, gebunden mit Mandelmilch statt Sahne und damit fastenkonform. Verwandt mit dem Weinmus mha-021 und der Pasteten-Variante mit Morcheln m384-018.

morchen und das Waschen. Morcheln (morchen) sind wabig und fangen leicht Sand; der Text betont das gründliche Waschen vz eime kalden wazzer - in frischem, kaltem Quellwasser. Danach werden sie fein gehackt.

dicke mandel milich mit wine wol gemacht. Die Bindung kommt aus einer dickflüssigen, konzentrierten Mandelmilch, die ihrerseits gut mit Wein zubereitet ist - der Wein steckt also schon in der Mandelmilch, nicht nur als Schuss obendrauf. Erst in diese fertige, sämige Grundmasse kommen die gehackten Morcheln und garen sanft mit.

wuertze genuoc und ferve bluomen. Genug Würze meint die zeittypische Mischung aus Pfeffer, Ingwer, Galgant, Nelken und Muskat. Ferve bluomen - färben/garnieren mit Blüten - schließt das Gericht ab: essbare Blüten geben Farbe und eine zarte florale Note.

Praxis. Etwa 100 g blanchierte Mandeln auf 200-250 ml Flüssigkeit (Wasser + Wein) zu dicker Mandelmilch verarbeiten. 200 g frische (oder 20 g getrocknete, eingeweichte) Morcheln gründlich waschen, fein hacken, in die Mandelmilch geben und bei sanfter Hitze wenige Minuten köcheln, bis sie gar sind - nicht zu lange, sonst werden sie zäh, und nicht zu heiß, sonst brennt die Mandelmilch an. Großzügig würzen, mit essbaren Blüten (Ringelblume, Borretsch) garnieren. Die Konsistenz soll sämig am Löffel haften.

Wo bekomme ich Morcheln?

Frische Morcheln sind saisonal auf Wochenmärkten oder in gut sortierten Spezialitätengeschäften erhältlich. Getrocknete Morcheln gibt es ganzjährig im Feinkosthandel oder online bei spezialisierten Gewürzhändlern.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist gut für die Lagerküche geeignet. Getrocknete Morcheln lassen sich gut transportieren und vor Ort einweichen. Mandelmilch kann aus Mandeln und Wasser frisch zubereitet werden. Die Zubereitung über offenem Feuer oder auf einem Dreibein ist unkompliziert.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus 'Das Buch von guter Speise', einem der ältesten bekannten Kochbücher in deutscher Sprache, verfasst um 1350 im süddeutschen Raum (vermutlich Würzburg). Es gibt Einblicke in die höfische und bürgerliche Küche des Spätmittelalters.

Was bedeutet 'wuertze genuoc' im Rezept?

'Wuertze genuoc' bedeutet 'genug Gewürze'. Dies war eine typische Anweisung im Mittelalter, da die genaue Menge oft dem Koch überlassen wurde. Es impliziert eine Mischung der damals gängigen und geschätzten Gewürze wie Pfeffer, Ingwer, Galgant, Nelken und Muskat.

Ein muos. Der woelle machen ein morchen muos, der nem morchen vnd daz vz einem brunnen. vnd geballen vz eime kalden wazzer. gehacket cleine vnd tuo ez denne in ein dicke mandel milich. mit wine wol gemacht die mandel milich vnd die morche dor inne erwellet. vnd tuo dorzvo wuertze genuoc. vnd ferve bluomen vnd gibz hin.
morchen

Morcheln - geschätzte Speisepilze mit wabiger Oberfläche, die gründlich gewaschen werden müssen.

geballen vz eime kalden wazzer

In kaltem (Quell-)Wasser gewaschen / abgespült - das Reinigen der sandfangenden Morcheln vor dem Hacken.

dicke mandel milich

Eine dickflüssige, konzentrierte Mandelmilch, die hier als Bindung dient - fastenkonformer Sahne-Ersatz.

wuertze genuoc

„Genug Gewürze“ - typische offene Mengenangabe; gemeint ist die zeittypische Mischung aus Pfeffer, Ingwer, Galgant, Nelken und Muskat.

ferve bluomen

Färben/garnieren mit (essbaren) Blüten - zum Abschluss für Farbe und florale Note.

Handschrift
Daz buoch von guoter spîse
Folio
Fol. 164r
Sprache
Mittelhochdeutsch
Entstehung
Würzburg, 1350

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartmit wine wol gemacht die mandel milich

Gewählte Lesart: Der Wein ist Bestandteil der Mandelmilch-Zubereitung, nicht bloß ein nachträglicher Zusatz - die Bindeflüssigkeit ist von Anfang an weinhaltig.

Andere mögliche Lesart:

  • Mandelmilch und Wein werden erst beim Garen vermischt. - Möglich, doch „wol gemacht“ legt nahe, dass der Wein schon in die Mandelmilch eingearbeitet ist.

Originalwerk (~1350) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 164r, Universitätsbibliothek München, 2° Cod. ms. 731 (Cim. 4), Open Access LMU
Transkription
Uni Giessen (Gloning, Digitale Edition 1994/2001) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Gut lagertauglich: getrocknete Morcheln lassen sich leicht transportieren und vor Ort einweichen. Mandelmilch fertig oder aus gemahlenen Mandeln und Wasser. Zubereitung im Topf am Feuer oder auf dem Dreibein - keine Kühlung nötig.
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