The Forme of Cury · England · 1390
Weiche Reis über Nacht in Wasser ein. Am Morgen wasche ihn gründlich. Gib ihn danach auf das Feuer, bis er aufplatzt, aber nicht zu sehr. Nimm sodann das gekochte Fleisch von Kapaunen oder Hühnern und zerzupfe es fein. Nimm danach Mandelmilch und gib sie zum Reis und koche es. Und wenn es gekocht ist, gib das Fleisch hinzu und binde es damit ab, sodass es gut dickflüssig wird. Rühre es sehr gut, damit es nicht am Topf anhaftet. Und wenn es gar und dickflüssig ist, gib eine gute Menge Zucker hinzu. Gib darin Mandeln, die in weißem Schmalz gebraten wurden. Richte es als Blancmange an.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| Rys | 250 g Reis | - | - |
| water | 500 ml Wasser | Leitung | - |
| brawn of Capouns, or of hennes. soden | 500 g gekochtes Hühnerfleisch (Brust oder Keule) | - | - |
| mylke of Almandes | 500 ml Mandelmilch | - | - |
| sugur gode part | 100-150 g Zucker | - | - |
| almandes | 50 g Mandeln (gehobelt oder gestiftelt) | - | - |
| white grece | 2 EL Schweineschmalz oder Butter | - | - |
Welches Gericht ist das? Der klassische mittelalterliche Blanc Manger - „weiße Speise“: ein dicker, heller Brei aus Reis, Mandelmilch und fein zerzupftem Geflügel, gesüßt und mit gerösteten Mandeln garniert. Anders als das gleichnamige moderne Götterspeise-Dessert ist dies eine herzhaft-süße Hauptspeise. Es ist eines der am weitesten verbreiteten Gerichte des europäischen Spätmittelalters und gehört zur großen Blancmanger-Sippe (siehe related und Blancmanger).
Reis als Bindung. Der über Nacht eingeweichte Reis wird am Feuer gegart, bis er aufplatzt (berst), aber nicht zerfällt. Er ist hier das eigentliche Bindemittel - kein Mehl. Die Mandelmilch kommt hinzu und der gekochte, fein gezupfte Kapaun oder das Huhn (brawn ... drawe it smale), bis die Masse steif/dick ist (chargeaunt).
Weiß bleiben. Die Mandeln werden in weißem Schmalz (white grece) gebraten - hell gehalten, damit die weiße Optik des Gerichts gewahrt bleibt; ein Statussignal höfischer Küche. Erst zum Schluss kommt reichlich Zucker dazu.
Praxis. 250 g Rundkornreis über Nacht einweichen, weich köcheln, 500 ml Mandelmilch und 500 g gezupftes gekochtes Hühnerfleisch einrühren, unter ständigem Rühren auf Breikonsistenz einkochen (haftet sonst an, mung it fynelich wel þat it sit not to þe pot). 100-150 g Zucker einrühren, mit in Butter oder Schmalz goldgebratenen Mandeln bestreuen und anrichten.
Im Mittelalter war Blancmange (wörtlich 'weiße Speise') ein weit verbreitetes Gericht, das oft aus Reis, Mandelmilch und fein zerzupftem Hühner- oder Fischfleisch bestand. Es war bekannt für seine helle Farbe und seine glatte, cremige Textur. Im Gegensatz zur heutigen süßen, gelatineartigen Nachspeise war der mittelalterliche Blancmange oft eine herzhafte oder süß-herzhafte Hauptspeise.
Ja, dieses Rezept ist grundsätzlich für die Lagerküche geeignet. Die Zutaten sind gut transportierbar und die Zubereitung kann über offenem Feuer erfolgen. Beachte jedoch, dass das Gericht ständiges Rühren erfordert, um ein Anbrennen zu vermeiden, insbesondere wenn es dickflüssig wird.
Dieses Rezept stammt aus 'The Forme of Cury', einer der ältesten und wichtigsten englischen Rezeptsammlungen. Es wurde um 1390 für die Hofküche von König Richard II. verfasst und bietet einen tiefen Einblick in die gehobene mittelalterliche Küche Englands.
'White grece' bezieht sich auf ein helles Fett, typischerweise Schweineschmalz oder Butter. Beide waren im Mittelalter gebräuchlich und wurden verwendet, um den Mandeln eine goldbraune Farbe und zusätzlichen Geschmack zu verleihen, während die helle Optik des Gerichts erhalten blieb.
aufplatzen - der Reis wird gegart, bis die Körner aufspringen
das (gekochte) Fleisch von Kapaunen oder Hühnern, hier kein Wildschwein
steif, dickgebunden - die fertige Breikonsistenz
rühre es sehr gründlich
haftet nicht am Topf an (und brennt so nicht an)
weißes/helles Fett (Schmalz oder Butter), damit das Gericht hell bleibt
Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.