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Fleisch im August haltbar kochen

Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460

RezeptSonstigesLagerkücheLagerküche-tauglichEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10Höfische KücheHofküche
Zubereitungszeit30 Min.PortionenVariabel, je nach Menge des zu konservierenden FleischesBuchKochbuch des Meisters Hans (~1460)

Allerlei Fleisch bewahrst du auch so auf: So kannst du allerlei Fleisch in den Augusttagen haltbar machen. Wenn du es kochen willst, so brühe es gut ab und gieße die Brühe weg. Gieße dann wieder frisches Wasser daran, lass es sieden und trage es auf.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
allerlay hannd fleisch Fleisch (beliebige Sorte) Metzger -
frisch wasser Wasser Leitung -

Welches Gericht ist das? Kein eigenständiges Gericht, sondern ein kurzer Küchen-Kniff für die heißesten Wochen des Jahres - die Augsten (Hundstage Ende Juli bis Ende August), in denen frisches Fleisch ohne Kühlung am schnellsten umschlägt. Der Trick ist verwandt mit dem, was man bis heute mit angegangenem oder stark gesalzenem Fleisch macht: zweimal kochen, das erste Wasser wegschütten.

Das doppelte Sieden. Der Kern ist das erwallen (Aufwallen, Abbrühen) mit anschließendem Verwerfen der ersten Brühe. Dieser Schritt zieht Oberflächentrübes, Blut und - bei vorgesalzenem oder schon leicht strengem Fleisch - überschüssiges Salz und Fehlaromen heraus. Erst das zweite, frische Wasser gart das Fleisch dann sauber zu Ende. Der Text sagt nicht, wie das Fleisch zuvor behalten (aufbewahrt) wurde - in den Augsten lief das praktisch immer über Salzen, Pökeln oder Trocknen, sonst wäre nichts haltbar. Das Rezept setzt diese Vorratshaltung als bekannt voraus und liefert nur den Garschritt.

Praxis. Setze das (vorgesalzene oder einfach nicht mehr ganz taufrische) Fleisch in reichlich kaltem Wasser auf und bringe es zum Aufwallen. Nach wenigen Minuten Wallen das gesamte Wasser abgießen, den Topf kurz ausspülen, das Fleisch mit frischem kaltem Wasser erneut aufsetzen und bei mildem Sieden gar ziehen lassen - je nach Stück 30 Minuten bis mehrere Stunden, bis es zart, aber nicht zerfallen ist. Anschließend nach Belieben in einer frischen Brühe oder Sauce mit Pfeffer, Ingwer, Nelke und einem Schuss Verjus oder Essig vollenden. Sicherheitshinweis: Die historische Vorratshaltung von Fleisch bei Raumtemperatur entspricht nicht heutigen Standards - vorgesalzenes Fleisch heute im Kühlschrank lagern und nach dem Kochen binnen weniger Tage verzehren.

Was bedeutet 'allerlay hannd fleisch'?

Dies ist das fnhd. Idiom 'allerhand' und bedeutet 'jede Art/Sorte von Fleisch' - nicht 'zur Hand haben' oder 'handelsüblich'. Das Rezept ist also für verschiedene Fleischsorten gleichermaßen anwendbar.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist sehr gut für die Lagerküche geeignet. Es beschreibt eine Methode, bereits haltbar gemachtes Fleisch für den Verzehr fertig zu kochen, was im Lager ohne Kühlmöglichkeiten unerlässlich ist. Die Zubereitung durch Abbrühen und erneutes Kochen ist einfach und mit Lagerfeuerbedingungen umsetzbar.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch des Meisters Hans, der um 1460 als Koch am Hof Graf Ulrichs V. von Württemberg wirkte. Es ist ein typisches Beispiel für die praktische Seite der spätmittelalterlichen Hofküche - Vorratshaltung und Konservierung waren auch dort Alltagsgeschäft.

Welche Konservierungsmethode ist hier gemeint?

Das Rezept beschreibt nicht die Konservierung selbst, sondern die Zubereitung des bereits konservierten Fleisches für den Verzehr. Die Erwähnung des August deutet stark auf eine Methode wie Salzen, Pökeln oder Trocknen hin, um das Fleisch in warmen Monaten haltbar zu machen. Das Abbrühen und erneute Kochen dient dazu, überschüssiges Salz zu entfernen und das Fleisch wieder genießbar zu machen.

Allerlaj fleisch bahalt auch also Item also machtu Behalten allerlay hannd fleisch In den Augsten Als du es sieden wild So erwall es wol vnd geuss die prue darab vnd geuss frisch wasser wider daran lass es sieden vnd gib es hin .
Augsten

Die Augsten sind die heißen Hundstage rund um den August - die kritischste Zeit für die Fleischhaltung ohne Kühlung, in der frisches Fleisch am schnellsten verdirbt.

erwall es wol

Erwallen = kurz aufwallen/abbrühen. Das erste Kochwasser wird verworfen; es nimmt Trübstoffe, Blut und bei vorgesalzenem Fleisch überschüssiges Salz mit.

behalten

Behalten = aufbewahren, haltbar machen. Wie das Fleisch zuvor konserviert wurde (Salzen, Pökeln, Trocknen), sagt der Text nicht - er liefert nur den Garschritt.

Handschrift
Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch
Folio
Fol. 041r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)
Entstehung
Württemberg / Basel, 1460
CoReMA

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartBehalten ... In den Augsten

Gewählte Lesart: Anleitung, wie man im August aufbewahrtes (gesalzenes/gepökeltes) Fleisch zum Verzehr fertig kocht - das Abbrühen entsalzt und reinigt, das frische Wasser gart sauber zu Ende.

Originalwerk (~1460) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 041r, Universitätsbibliothek Basel, Cod. AN V 12 (1460); bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz (CC BY-NC-SA 4.0)
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), TEI-Edition Böhm/Klug 2021, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche · ⭐ Gold - vollständig lagerküchentauglich
Genau für Bedingungen ohne Kühlung gedacht: ein Topf über dem Feuer, einmal abbrühen, Wasser tauschen, fertig garen. Vorgesalzenes/gepökeltes Fleisch ist ohnehin der lagertaugliche Vorrat.
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