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Wildbret im August haltbar machen (Pökeln)

München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 5919 · Regensburg, Bayern · 1505

WildHauptspeise · WildLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9.3/10Höfische KücheHofküche
Zubereitungszeit20 Min.PortionenKonservierungsansatz, frei skalierbar (Beispiel: 500 g Wildbret)BuchRegensburger Kochbuch (Cgm 5919) (~1505)

Willst du Wildbret in den Augusttagen haltbar machen, so nimm zwei Teile Salz und ein Teil gekochtes Wasser. Schneide das Fleisch in Stücke und bestreue es mit Salz. Lass es einen halben Tag stehen und wasche es dann vom Blut ab. Lege es dann in das gekochte Salzwasser, sodass es gut bedeckt ist.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
wilpret Wildbret Metzger, Jäger -
saltz Salz (sehr salzreich; gesättigte Lake) - -
gesotten wasser gekochtes, erkaltetes Wasser Leitung -

Welches Gericht ist das? Eine Anleitung zum Haltbarmachen von Wildbret im Hochsommer - erst Trockensalzen, dann Einlegen in starke Salzlake. Das Verfahren lebt bis heute weiter: Surfleisch, Pökelfleisch, Salzfleisch und das Einsalzen von Speck gehören in dieselbe Familie. Im Korpus ist es eng verwandt mit dem direkten bairischen Nachbarn (Fleisch im August) sowie den Pökel-Anweisungen aus Meister Hans und dem Ménagier.

Das Rezept läuft in zwei Phasen. Zuerst wird das Fleisch in Stücke geschnitten und mit Salz petrauff - trocken bestreut - und liegt einen halben Tag. Das Salz zieht per Osmose Blut und Wasser aus dem Fleisch; deshalb wird es danach abgewaschen. Erst dann kommt es in die Lake. Diese Reihenfolge (trocken salzen, waschen, nass pökeln) ist der Kern der Technik, nicht zwei beliebige Salzgänge.

Gesotten wasser meint abgekochtes, wieder erkaltetes Wasser - keimärmer und kühl, nicht heiß ins Fleisch. Die Mengenangabe zwaitail saltz das drittail gesotten wasser ist die unsichere Stelle: gemeint ist ein sehr salzreicher Ansatz, praktisch eine gesättigte Lake. Eine konkrete Gewichtszahl lässt der Text nicht zuverlässig zu, und für Cgm 5919 gibt es keine kritische deutsche Edition zum Gegencheck.

Praxis. Für etwa 500 g Wildbret rund 150 g Salz zum Trockensalzen, einen halben Tag ziehen lassen, dann gründlich abwaschen. Lake aus abgekochtem, erkaltetem Wasser mit etwa 250-300 g Salz je Liter (gesättigt) ansetzen, das Fleisch vollständig untertauchen - notfalls mit einem Teller beschweren, das es wol daruber ge. Kühl lagern. Vor dem Verwenden 12-24 Stunden wässern, um zu entsalzen, dann garen.

Wo bekomme ich Wildbret?

Wildbret erhältst du beim Metzger deines Vertrauens, direkt vom Jäger oder auf gut sortierten Wochenmärkten.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Eingeschränkt. Es ist ein Konservierungsverfahren, kein fertiges Gericht - das Salzen und Einlegen geht am Feuer leicht von der Hand, aber das gepökelte Wildbret muss anschließend kühl lagern und vor dem Essen gewässert und gegart werden. Im Lager braucht es dafür eine Kühlbox oder einen Erdkeller.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Aus dem ‚Regensburger Kochbuch‘ (Cgm 5919), das um 1500 in Regensburg entstand. Es zeigt die gehobene bürgerliche Küche der Zeit, zu der auch Techniken zur Haltbarmachung gehörten.

Was bedeutet die Mengenangabe ‚zwei Teile Salz, ein Teil gekochtes Wasser‘?

Sie meint ein sehr salzreiches Verhältnis - im Ergebnis eine gesättigte Salzlake. Eine genaue Gewichtsangabe lässt der mittelalterliche Text nicht sicher zu (für Cgm 5919 fehlt eine kritische Edition); als moderne Näherung kannst du etwa 250-300 g Salz auf einen Liter abgekochtes, erkaltetes Wasser nehmen und das Fleisch vollständig bedecken.

wie man pehalt wilprat in den augsten wildu pehaltten wilpret in den augsten so nym zwaitail saltz das drittail gesotten wasser vnd schneid das fleisch zu stucken vnd petrauff es mit saltz laß es sten ain halben tag vnd wasch es dann von dem plutt vnd leg es dann in das gesotten saltz wasser das es wol daruber ge
wilpret

Frühneuhochdeutsch für Wildbret, also Fleisch von Wildtieren.

augsten

Der Monat August - im Spätmittelalter eine stehende Wendung für die heißeste Zeit (die ‚Hundstage‘), in der Frischfleisch sofort verdarb. Gerade darum war Konservierung jetzt dringend nötig.

petrauff

Frühneuhochdeutsch für ‚bestreuen‘. Beim Schreiber von Cgm 5919 wechseln p/b häufig (vgl. pehalt = behalten); hier ist trockenes Salz auf das Fleisch gemeint, nicht beträufeln.

gesotten wasser

Abgekochtes Wasser, das wieder erkaltet ist - keimreduziert und kühl in die Lake, nicht heiß.

drittail

‚Das dritte Teil (von dreien)‘, also ein Teil Wasser auf zwei Teile Salz - kein Drittel des Volumens. Eine kritische deutsche Edition zu Cgm 5919 fehlt, die genaue Menge bleibt unsicher.

Handschrift
München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 5919
Folio
Fol. 024r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (mittelbairisch, Regensburg, um 1500-1510)
Entstehung
Regensburg, Bayern, 1505

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartzwaitail saltz das drittail gesotten wasser

Gewählte Lesart: ‚Zwei Teile Salz, das dritte Teil gekochtes Wasser‘ - ein sehr salzreicher Ansatz, praktisch eine gesättigte Salzlake. Die Lesarten beruhen allein auf der hyperdiplomatischen CoReMA-Transkription; eine kritische deutsche Edition zum Gegencheck gibt es für Cgm 5919 nicht.

Andere mögliche Lesart:

  • Wörtlich ‚das dritte Teil Wasser‘ = ein Teil Wasser auf zwei Teile Salz (2:1). - Volumetrisch ist 2:1 Salz:Wasser kaum noch eine gießbare Lake (Löslichkeit von Salz ~360 g/L), sondern fast Trockenpökeln - das steht in Spannung zur Anweisung ‚das es wol daruber ge‘ (Fleisch in Flüssigkeit bedeckt). Praktisch sinnvoll ist eine gesättigte, aber noch gießbare Sole; die genaue Verhältnis-Lesart bleibt unsicher.

Lesartpetrauff

Gewählte Lesart: ‚Bestreue‘ - trockenes Salz auf das Fleisch.

Andere mögliche Lesart:

  • ‚Beträufeln‘. - Möglich vom Wort her, passt aber nicht zum trockenen Salz, das vor dem Einlegen in die Lake aufgebracht wird.

Originalwerk (~1505) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 024r, Bayerische Staatsbibliothek München, Cgm 5919 (Regensburg, um 1500); bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ms. M9 (München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 5919), hyperdiplomatische Basistranskription, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Eingeschränkt (Kühlung): Das ist ein Vorratsverfahren, kein fertiges Tellergericht. Salzen und Einlegen sind am Feuer leicht machbar, aber der eigentliche Genuss kommt erst im zweiten, hier nicht beschriebenen Schritt - Wässern und Garen des gepökelten Wildbrets. Die Lake muss kühl stehen (gesättigtes Salz hält dann lange), darum im Lager nur mit Erdkeller oder Kühlbox sinnvoll.
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