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Sauce nach Pfirsichblütenart

Libro de arte coquinaria · Norditalien · 1465

Gewürz / SauceGewürz / SauceLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10Höfische KücheHofkücheVeganVegan
Zubereitungszeit25 Min.Portionenca. 250 ml SauceBuchLibro de Arte Coquinaria (~1465)

Nimm blanchierte, weiße Mandeln und stoße sie sehr fein im Mörser. Gib eine Krume Weißbrot, ein wenig Ingwer und Zimt, etwas Verjus, Rotwein und Granatapfelsaft hinzu. Füge mit diesen Zutaten auch ein wenig Sandelholz hinzu. Dann verdünne und passiere diese Mischung durch ein feines Tuch oder Sieb. Mit dem Rotwein schmeckst du die Sauce nach Belieben süß und sauer ab.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
l'amandole monde bianche Blanchierte Mandeln - -
una mollicha di pane biancho Krume von Weißbrot - -
un pocho di zenzevero Ingwer - -
di cannella Zimt - -
un pocho de agresto Verjus Feinkostladen, Online-Handel Zitronensaft oder Weißweinessig
vino roscio Rotwein - -
sucho de pomi granati Granatapfelsaft - -
un pochi di sandali Rotes Sandelholzpulver spezialisierte Gewürzhändler, Online-Gewürzhandel -

Welches Gericht ist das? Ein sapor fior de persico - eine „Sauce nach Pfirsichblütenart“, eine süß-saure, mandelgebundene Würztunke, die über ihre zartrosa Farbe ihren Namen bekommt. Sie steht zwischen den weißen Mandelsaucen (foc-127, foc-132) und den rotgefärbten Saucen wie der Morree (foc-037): Mandeln bilden die Basis, rotes Sandelholz färbt sie blütenrosa.

Die Farbe macht den Namen. Wie bei der Pfirsichblüte zielt das Rezept auf einen zarten Rosaton. Gefärbt wird mit rotem sandali (Sandelholzpulver) - dem periodentreuen roten Speisefarbstoff der mittelalterlichen Küche, hier sparsam dosiert, damit aus dem hellen Mandelweiß ein blasses Rosa wird, kein kräftiges Rot. (Kein moderner Farbzusatz, kein Rote-Bete-Behelf.)

Brot bindet, Mandeln tragen. Eingeweichte Weißbrotkrume zusammen mit den fein zerstoßenen Mandeln gibt der Sauce Körper - die zeittypische Brotbindung. Ingwer und Zimt würzen, Verjus, Rotwein und Granatapfelsaft bringen die süß-saure Achse.

Rotwein zum Verdünnen und Abschmecken. Der Rotwein ist hier vor allem Flüssigkeitsbasis: mit ihm wird die dicke Mandel-Brot-Masse auf Saucenkonsistenz gestreckt und das Gleichgewicht aus Süße (Granatapfel) und Säure (Verjus) nach Geschmack justiert.

Praxis. Blanchierte (oder gemahlene) Mandeln mit einer eingeweichten Weißbrotkrume fein zerstoßen. Mit etwas Ingwer und Zimt, einem Schuss Verjus, Rotwein und Granatapfelsaft verrühren und eine kleine Prise rotes Sandelholzpulver für den Rosaton zugeben. Glattrühren, durch ein feines Tuch oder Sieb passieren und mit Rotwein auf die gewünschte Konsistenz verdünnen. Süß-sauer nach Geschmack abstimmen. Passt zu gesottenem Geflügel und Fisch.

Was ist Verjus und wo bekomme ich ihn?

Verjus (von französisch ‚vert jus‘, grüner Saft) ist der Saft unreifer Trauben. Er wurde im Mittelalter häufig als Säuerungsmittel verwendet, da Zitronen selten und teuer waren. Du findest Verjus heute in gut sortierten Feinkostläden oder im Online-Handel. Alternativ kannst du Zitronensaft oder einen milden Weißweinessig verwenden, um eine ähnliche Säure zu erzielen.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist gut für die Lagerküche geeignet. Die Mandeln können bereits blanchiert und gemahlen mitgebracht werden, ebenso die Gewürze. Das Passieren der Sauce erfordert lediglich ein feines Tuch oder Sieb, was am Lager meist vorhanden ist. Das Abschmecken kann direkt vor Ort erfolgen.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem „Libro de Arte Coquinaria“ von Maestro Martino da Como, einem der bedeutendsten Kochbücher des 15. Jahrhunderts. Es wurde um 1465 in Norditalien verfasst und bietet einen tiefen Einblick in die gehobene Küche der Renaissance, die sowohl von italienischen als auch von französischen Einflüssen geprägt war.

Was ist Sandelholz und wofür wird es in diesem Rezept verwendet?

Sandelholz ist ein aromatisches Holz, das in der mittelalterlichen Küche, insbesondere in Form von rotem Sandelholzpulver, vor allem als Farbstoff und für einen sehr milden, leicht holzigen Geschmack eingesetzt wurde. Es verleiht der Sauce eine ansprechende rötliche Tönung. Es ist in Apotheken oder bei spezialisierten Gewürzhändlern erhältlich.

Sapor fior de persico. Habi l'amandole monde bianche, et ben piste con una mollicha di pane biancho, un pocho di zenzevero et di cannella, et de un pocho de agresto et de vino roscio, et sucho de pomi granati, agiongendovi con queste cose un pochi di sandali. Poi distemperarai et passarai questa compositione, con il vino roscio la farai dolce et bruscha secundo che ti piace.
Sapor fior de persico

„Geschmack/Sauce nach Pfirsichblüte“ - ein beschreibender Name, der auf die zartrosa Farbe der Sauce zielt, nicht auf echte Pfirsichblüten.

agresto

Verjus, der Saft unreifer Trauben, als Säuerungsmittel.

sandali

Rotes Sandelholzpulver, der periodentreue rote Speisefarbstoff - hier sparsam für einen blütenrosa Ton.

Handschrift
Libro de arte coquinaria
Folio
Fol. 27r
Sprache
Frühitalienisch (15. Jh.)
Entstehung
Norditalien, 1465

Originalwerk (~1465) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 27r, Library of Congress, Rare Book and Special Collections Division, Washington MS (TX723 .M3 1460), Public Domain
Transkription
Uni Giessen (Gloning/Romanelli, Digitale Edition 2004, Basis: Faccioli 1966) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche · ⭐ Gold - vollständig lagerküchentauglich
Kalt angerührte Würztunke aus haltbaren Zutaten - kein Feuer nötig. Mandeln und Brot vorab gemahlen mitbringen; zum Passieren genügt ein feines Tuch oder Sieb. Rotes Sandelholzpulver gibt die Farbe.
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