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Rosinen-Verjus-Sauce für Fürsten

Registrum Coquine quomodo et qualiter preparantur cibaria per integrum annum · Päpstliche Kurie, Rom / Konstanz · 1433

Gewürz / SauceGewürz / SauceLagerkücheLagerküche-tauglichEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10Höfische KücheHofkücheVeganVegan
Zubereitungszeit20 Min.PortionenFür 6-8 Personen als BeilageBuchRegistrum Coquine (~1433)

Nimm Rosinen und gib sie in heißes Wasser. Füge die Kruste von Weißbrot hinzu, die zuvor in Rotwein eingeweicht wurde. Zerstoße alles zusammen mit Nelken, Ingwer und Muskatnuss. Vermische die Masse dann mit Verjus. Diese Sauce ist vortrefflich für Fürsten und Magnaten.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
uuam passam Rosinen - -
aquam calidam Heißes Wasser Leitung -
cortice panis albi Kruste von Weißbrot - -
vino rubeo Rotwein - -
gariofilo Nelken - -
zinzibero Ingwer - -
nuce muscata Muskatnuss - -
agresto Verjus Feinkostladen, Online-Handel Apfelessig oder Zitronensaft

Welches Gericht ist das? Eine süß-säuerliche Gewürzsauce auf Rosinen-Basis, mit Brot gebunden und mit Verjus gesäuert - die schlichtere Schwester von Martinos rosinenreicher "Kamel-Sauce" (mar-102) und verwandt mit Martinos Sauce nach Pfirsichblütenart (mar-106), die ebenfalls in Rotwein eingeweichtes Weißbrot bindet. Eine kalte, ungekochte Tischsauce der gehobenen Tafel.

Uua passa sind Rosinen ("abgelagerte/getrocknete Traube"), in heißem Wasser aufgequollen. Die cortice panis albi (Weißbrotkruste), zuvor in Rotwein eingeweicht, dient als zeittypisches Bindemittel - das Brot macht die Sauce sämig statt flüssig. Die Gewürz-Trias gariofilum (Nelken), zinziber (Ingwer) und nux muscata (Muskatnuss) ist die teure, statustragende Würzung, passend zum Titel pro Magnatibus et principibus ("für Magnaten und Fürsten").

Agresto ist Verjus, der Saft unreifer Trauben - das gängige milde Säuerungsmittel der Zeit. Es balanciert die Süße der Rosinen.

Praxis. Eine Handvoll Rosinen in heißem Wasser einweichen, eine Scheibe entrindetes Weißbrot (oder die Kruste) in Rotwein einweichen. Beides mit je einer Prise gemahlener Nelken, Ingwer und Muskat im Mörser oder Mixer fein zerstoßen, dann mit Verjus zu einer sämigen Sauce verrühren. Ersatzweise Apfelessig oder Zitronensaft, jeweils sparsam. Kalt zu Braten und Geflügel.

Wo bekomme ich Verjus?

Verjus ist der Saft unreifer Trauben und war im Mittelalter ein gängiges Säuerungsmittel. Heute findest du ihn in gut sortierten Feinkostläden oder online. Alternativ kannst du auch einen milden Apfelessig oder Zitronensaft verwenden, um eine ähnliche Säure zu erzielen, wobei der Geschmack leicht abweichen wird.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist sehr gut für die Lagerküche geeignet. Die Zutaten sind haltbar und leicht zu transportieren. Die Zubereitung ist einfach und erfordert lediglich einen Topf und einen Mörser oder eine Küchenmaschine, die man auch zu Hause vorbereiten und mitbringen kann.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem ‚Registrum Coquine‘ (Kochbuch-Register), verfasst um 1433 von Johannes von Bockenheim, einem Koch am Hof des Gegenpapstes Johannes XXIII. in Bologna. Es ist eine wichtige Quelle für die höfische Küche des Spätmittelalters.

Was bedeutet 'Magnaten und Fürsten' im Rezepttitel?

Die Erwähnung von ‚Magnaten und Fürsten‘ im Titel unterstreicht, dass diese Sauce für die gehobene Gesellschaftsschicht gedacht war. Die Verwendung von teuren Gewürzen wie Nelken, Ingwer und Muskatnuss war ein Statussymbol und zeigte den Reichtum des Gastgebers.

Ad faciendum aliam salsam pro Magnatibus et principibus Recipe uuam passam, Et mitte illam ad aquam calidam, cum cortice panis albi prius positi in vino rubeo, et trita illa cum gariofilo, zinzibero, et nuce muscata, et tempera illa insimul cum agresto et valebit pro principibus et magnatibus.
uua passa

Rosinen, wörtlich "abgelagerte/getrocknete Traube". In heißem Wasser aufgequollen, geben sie der Sauce Süße und Körper.

agresto

Verjus, der Saft unreifer Trauben - das gängige milde Säuerungsmittel der mittelalterlichen Küche, hier zum Ausgleich der Rosinensüße.

pro Magnatibus et principibus

"für Magnaten und Fürsten". Bockenheims Standesmarkierung; die teuren Importgewürze unterstreichen den gehobenen Adressatenkreis.

Handschrift
Registrum Coquine quomodo et qualiter preparantur cibaria per integrum annum
Folio
fol. 74v
Sprache
Mittellatein (frühes 15. Jh.)
Entstehung
Päpstliche Kurie, Rom / Konstanz, 1433

Originalwerk (~1433) gemeinfrei.

Bildquelle
BnF Ms. Latin 7054, fol. 74v/75r (Gallica ark:/12148/btv1b10035736w, f75) - Domaine public Quelle öffnen
Transkription
Robert Maier (Hg.): Das Registrum Coquine des Johannes von Bockenheim, Monumenta culinaria 3, GEB Gießen 2013 - CC BY-NC-SA 3.0 (urn:nbn:de:hebis:26-opus-93375) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Keine Kochstelle zwingend nötig - nur heißes Wasser zum Einweichen der Rosinen und ein Mörser. Gut vorab zuhause anrührbar und gekühlt mitzubringen.
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