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Getrocknete Kräutersauce für den Mai

München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 15632 · Rott am Inn, Oberbayern · 1460

Gewürz / SauceGewürz / SauceLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9.2/10Höfische KücheHofkücheVeganVegan
Zubereitungszeit30 Min.PortionenErgibt eine Menge getrockneter Kräuter für mehrere AnwendungenBuchKlosterkochbuch Rott am Inn (Clm 15632) (~1460)

Wenn du eine gute Sauce im Mai zubereiten möchtest, nimm Petersilie, Pfefferkraut und Mangoldblätter, so viel du willst, und hacke alles fein durcheinander.

Am frühen Morgen fange den Tau in einem weißen Tuch auf. Lege die gehackten Kräuter in das Tuch mit dem Tau und gib sie in ein flaches Gefäß. Setze dieses Gefäß in die Sonne, damit die Kräuter den Tau verlieren und wie Staub trocken werden.

Fülle die getrockneten Kräuter in Blasen zur Aufbewahrung. Wann immer du im Jahr eine Sauce zubereiten möchtest, weiche die Kräuter mit Wein oder Essig ein.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
petersil Petersilie - -
pfeffer kraut Pfefferkraut - Garten-/Brunnenkresse oder Pfefferkraut (Lepidium)
mangold pleter Mangoldblätter - -
wein Wein - -
essich Essig - -

Welches Gericht ist das? Eine grüne Kräuter-Salse für den Mai - im Kern der Vorfahr von Salsa verde und Frankfurter Grüner Soße: eine frische, säuerliche Kräutertunke. Der Clou ist die Haltbarmachung: die Kräuter werden getrocknet und übers Jahr bei Bedarf wieder angerührt. Fast identisch mit der grünen Mai-Salse m811-003 (Cgm 811); verwandt mit der grünen Kräutersauce foc-136.

Technik (Konservierung). Petersilie, Pfefferkraut und Mangoldblätter fein hacken. Früh am Morgen den Tau in einem weißen Tuch auffangen, die Kräuter hineinlegen, in ein flaches Trog-Gefäß (molter) geben und in die Sonne stellen, bis sie staubtrocken (stupp) sind. In Tierblasen (heute: luftdichte Gläser) abfüllen. Bei Bedarf mit Wein oder Essig wieder anrühren - fertig ist die Salse.

Warum Tau? Die sanfte Feuchte aus dem Morgentau lässt die Kräuter langsam und schonend trocknen, ohne sie in der prallen Sonne zu verbrennen - so bleibt mehr Farbe und Aroma.

Praxis. Wer es heute nachstellt: Kräuter fein hacken und schonend trocknen (Dörrgerät niedrig oder luftig im Schatten), trocken und luftdicht lagern. Zum Servieren mit Wein, Essig (und etwas Öl) zu einer grünen Sauce anrühren - passt zu Braten und Fisch.

Was ist 'Pfefferkraut'?

'Pfefferkraut' bezeichnete im Mittelalter verschiedene Pflanzen mit pfeffrigem Geschmack. Hier ist am ehesten Kresse (Gartenkresse oder Brunnenkresse) gemeint, die gut zu Petersilie und Mangold passt.

Warum soll ich Tau sammeln?

Das Sammeln von Tau war eine alte Praxis, um Kräuter sanft zu befeuchten. Es wurde angenommen, dass der Tau die ätherischen Öle der Kräuter besser konserviert und zu einem feineren Trocknungsergebnis führt, ähnlich einer langsamen Lufttrocknung.

Wie bewahre ich die Kräuter 'in Blasen' auf?

Im Mittelalter wurden getrocknete Kräuter oft in Tierblasen (z.B. Schweinsblasen) gefüllt, die luftdicht verschlossen wurden. Für moderne Nachkocher eignen sich luftdichte Gläser oder Dosen am besten, um die Kräuter trocken und aromatisch zu halten.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Goldstandard: Dieses Rezept ist ideal für die Lagerküche. Die Kräuter können vor Ort gesammelt, gehackt und in der Sonne getrocknet werden. Die Lagerung in Blasen kann durch moderne luftdichte Behälter ersetzt werden. Die fertige Kräuterbasis ist trocken und haltbar und kann bei Bedarf einfach mit Wein oder Essig angerührt werden.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem 'Klosterkochbuch Rott am Inn' (Clm 15632), einer Handschrift aus dem Benediktinerkloster Rott am Inn, datiert um 1458/1464. Es ist ein Beispiel für die klösterliche Küche des Spätmittelalters, die oft praktische Methoden zur Konservierung von Lebensmitteln umfasste.

Item wildu machen ein gute salsen In dem may so nym petersil vnd pfeffer kraut vnd mangold pleter als vil du wilt vnd hack daz klain durch ein ander dez morgens gar frue so vach daz taw In ein weyß thuech vnd leg daz kraut dar ein vnd thue es in ein molter vnd setz ez an die sunnen so verleust ez den taw vnd laß ez trucken werden alz ein stupp vnd mach ez in blasen vnd wen du wilt in dem Iar so netz ab mit wein oder mit essich
pfeffer kraut

Bezeichnet hier vermutlich eine Art Kresse (Lepidium sativum oder latifolium) oder ein anderes Kraut mit pfeffrigem Geschmack. Im Mittelalter war der Begriff ‚Pfefferkraut' nicht auf eine einzelne Pflanze festgelegt.

taw

Der Tau wurde gesammelt, um die Kräuter sanft zu befeuchten und so die ätherischen Öle beim Trocknen besser zu konservieren oder eine sanftere Trocknung zu ermöglichen.

molter

Ein ‚Molter' war ursprünglich ein Getreidemaß oder ein Mahlgefäß. Im Kontext dieses Rezepts ist es wahrscheinlich ein flaches Gefäß oder eine Schale zum Ausbreiten und Trocknen der Kräuter.

blasen

Tierische Blasen (z.B. Schweinsblasen) wurden im Mittelalter häufig als luftdichte und flexible Behälter zur Aufbewahrung von getrockneten Kräutern, Gewürzen oder Flüssigkeiten verwendet.

netz ab

Bedeutet hier, die getrockneten Kräuter mit Wein oder Essig zu befeuchten, um sie für die Verwendung als Sauce oder Würze wieder geschmeidig zu machen.

Handschrift
München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 15632
Folio
Fol. 148v
Sprache
Frühneuhochdeutsch (bairisch, Benediktinerkloster Rott am Inn, 1458/1464)
Entstehung
Rott am Inn, Oberbayern, 1460

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartpfeffer kraut

Gewählte Lesart: Kresse. Die Kombination mit Petersilie und Mangold deutet auf ein frisches, pfeffriges Kraut hin.

Andere mögliche Lesart:

  • Ein generisches 'pfeffriges Kraut'. - Der Begriff 'Pfefferkraut' war im Mittelalter nicht immer eindeutig einer spezifischen Pflanze zuzuordnen und konnte verschiedene scharfe Kräuter umfassen.

Lesartmolter

Gewählte Lesart: Ein flaches Gefäß oder eine Schale zum Trocknen. Die Anweisung, die Kräuter 'wie Staub' trocknen zu lassen, passt gut zu einem Ausbreiten in einem solchen Behälter.

Andere mögliche Lesart:

  • Ein Mörser. 'Molter' kann eine dialektale Variante von Mörser sein. - Obwohl Mörser zum Zerkleinern dienen, könnte hier auch ein Mörser gemeint sein, in dem die Kräuter nach dem Trocknen zu Pulver zerstoßen werden, bevor sie in Blasen gefüllt werden. Die Anweisung 'hack daz klain' spricht jedoch eher für eine Vorzerkleinerung, gefolgt von Trocknung.

Originalwerk (~1460) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 148v, Bayerische Staatsbibliothek München, Clm 15632 (Rott am Inn, 1458/1464); bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ms. M10 (München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 15632), hyperdiplomatische Basistranskription, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
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Goldstandard: Dieses Rezept ist ideal für die Lagerküche. Die Kräuter können vor Ort gesammelt, gehackt und in der Sonne getrocknet werden. Die Lagerung in Blasen kann durch moderne luftdichte Behälter ersetzt werden. Die fertige Kräuterbasis ist trocken und haltbar und kann bei Bedarf einfach mit Wein oder Essig angerührt werden.
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