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Sauce aus Weintrauben und Äpfeln

München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 15632 · Rott am Inn, Oberbayern · 1460

Gewürz / SauceGewürz / SauceLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9.3/10Höfische KücheHofkücheVeganVegan
Zubereitungszeit15 Min.Portionen4-6 Portionen als BeilageBuchKlosterkochbuch Rott am Inn (Clm 15632) (~1460)

Willst du eine Sauce aus Weintrauben und sauren Äpfeln zubereiten, so stoße diese Zutaten zusammen. Mische die gestampfte Masse anschließend mit Wein oder Essig. Drücke den Saft aus der Mischung. Diese Sauce ist hervorragend zu saftigen Braten und zu Fisch.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
wein trauben Weintrauben - -
saweren apfelen Saure Äpfel - -
wein Wein (optional) - Verjus
essich Essig (optional) - -

Welches Gericht ist das? Eine säuerlich-fruchtige Tunke aus zerstoßenen Weintrauben und sauren Äpfeln, mit Wein oder Essig vermischt und ausgepresst - es ist der Saft, der die Sauce bildet. Im romanischen Raum heißt so etwas Agrest/Agraz (verjus-artig). Fast wortgleich mit der Salse m811-001 (dort steht auch der welsche Name), verwandt mit der Agraz-Sauce bgs-032a.

Wozu? Die Säure schneidet Fett - darum ausdrücklich zu saftigen Braten und zu Fisch. Eine kalte, ungekochte Würztunke, kein gekochtes Gericht.

Praxis. Saure (notfalls reife) Trauben mit sauren Äpfeln im Mörser zerstoßen, mit etwas Wein oder Verjus/Essig mischen, durch ein Tuch pressen und den Saft als frische Sauce reichen. Frisch verwenden.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, ideal: schnell und kalt angerührt, kein Kochen nötig. Trauben und Äpfel zerstoßen, mit Wein/Essig mischen, Saft auspressen - fertig. Frisch zubereiten, da der Saft nicht lange hält.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem ‚Klosterkochbuch Rott am Inn' (Clm 15632), um 1458/1464 im Benediktinerkloster Rott am Inn in Bayern verfasst.

Was bedeutet ‚stoßen' im Rezept?

Das ‚Stoßen' bedeutet, die Zutaten im Mörser zu zerstampfen (oder fein zu hacken/pürieren), bis sich der Saft löst.

Item wildu machen ein salsen von wein trauben vnd von saweren apfelen so stoß daz ze sammen vnd misch ez mit wein oder mit essich vnd thue den safft dar auß die salsen ist gut zw safftigen praten vnd zw vischen
salsen

‚Salse' (von lat. salsa) ist eine würzige Tunke/Sauce - hier eine säuerliche Fruchtsauce, der Vorfahr von Agrest/Agraz und verwandt mit verjus-basierten Saucen. Nicht mit ‚Salz' verwechseln.

thue den safft dar auß

‚presse den Saft heraus' - es wird der ausgepresste Saft verwendet, nicht das ganze Mus; das macht die Sauce klar und scharf-säuerlich.

Handschrift
München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 15632
Folio
Fol. 149r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (bairisch, Benediktinerkloster Rott am Inn, 1458/1464)
Entstehung
Rott am Inn, Oberbayern, 1460

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartsaweren apfelen

Gewählte Lesart: ‚Saure Äpfel' - eine direkte und plausible Übersetzung des frühneuhochdeutschen Begriffs.

Lesartsafft

Gewählte Lesart: ‚Saft' - eine direkte und plausible Übersetzung des frühneuhochdeutschen Begriffs.

Lesartsafftigen

Gewählte Lesart: ‚saftigen' - eine direkte und plausible Übersetzung des frühneuhochdeutschen Begriffs.

Originalwerk (~1460) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 149r, Bayerische Staatsbibliothek München, Clm 15632 (Rott am Inn, 1458/1464); bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ms. M10 (München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 15632), hyperdiplomatische Basistranskription, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
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