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Fischsauce mit Salbei, Zimt und Walnuss

Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1) · Österreich (Mondsee, Oberösterreich) · 1480

Gewürz / SauceGewürz / SauceLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 7/10Höfische KücheHofkücheVeganVegan
Zubereitungszeit10 Min.Portionen2-4 PersonenBuchMondseer Kochbuch (~1480)

Willst du eine Sauce für Fisch zubereiten, so nimm Salbei, Zimt und Walnüsse. Reibe diese mit gutem Wein ab und passiere sie mit Essig. So wird die Sauce gut.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
saluan Salbei - -
zinamey Zimt gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel -
walisch nuss Walnüsse - -
guetten wein Guter Wein - -
esseich Essig - -

Welches Gericht ist das? Eine kalte, ungekochte Würztunke - eine salse - zu Fisch: Salbei, Zimt und Walnüsse werden im Mörser zerstoßen, mit gutem Wein zu einer streichfähigen Masse abgerieben und mit Essig durch ein Sieb passiert. Sie gehört zur großen spätmittelalterlichen Familie der grünen Salsen, kalter Kräuter-Essig-Saucen zu Fisch (vgl. foc-136). Das Besondere: Statt des sonst fast überall üblichen eingeweichten Brotes bindet hier die Walnuss - eine nussgebundene Kaltsauce, die im Korpus selten ist. Heute erinnert sie unmittelbar an die ligurische salsa di noci und, über die Achse Salbei-Nuss-Fisch, an moderne kalte Kräuter-Nuss-Saucen.

Die Walnuss ist hier Körper und Bindemittel zugleich, nicht bloß Aroma: Ihr Öl und ihre Zellmasse geben der sonst dünnen Wein-Essig-Flüssigkeit Substanz und eine leichte Emulsion. Sie übernimmt damit die Rolle, die im übrigen Salse-Genre das Weißbrot spielt (vgl. m5919-104, das mit Wein oder Essig getempert wird). Der Essig senkt zugleich den pH-Wert und setzt einen frisch-sauren Kontrast gegen den öligen Fisch, während der Zimt die süß-warme, prestigeträchtige Note liefert.

Praxis. Salbei, Zimt und Walnüsse fein im Mörser zerstoßen, dann mit gutem Wein zu einer geschmeidigen Paste abreiben. Anschließend mit Essig durch ein Sieb oder Tuch streichen - das entfernt Walnusshäutchen und faserige Salbeistiele und ergibt eine glatte Tunke. Am offenen Lager darf man das Passieren auch weglassen und die Sauce fein gemörsert rustikaler lassen. Zwei Kippgefahren: Salbei sehr zurückhaltend dosieren, sonst wird die Sauce bitter-medizinal; Essig vorsichtig zugeben, sonst wird sie zu scharf. Eine Prise Salz gehört küchenpraktisch dazu, auch wenn der knappe Text sie nicht nennt - im Salse-Genre ist Salz oft stillschweigend vorausgesetzt. Für eine üppigere Sauce einfach mehr Walnuss nehmen. Serviert wird sie kalt als Beilagen-Tunke zu Fisch, nicht als gekochte, sämige Sauce - das ist bewusst eine rohe Frischtunke.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist ideal für die Lagerküche. Es benötigt nur wenige Zutaten und kann schnell mit einem Mörser zubereitet werden. Eine Kühlung der fertigen Sauce ist nicht zwingend erforderlich.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem 'Mondseer Kochbuch', einer umfangreichen Sammlung von Rezepten aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Es wurde im bairisch-österreichischen Raum, vermutlich im Umfeld des Klosters Mondsee, verfasst.

Was bedeutet 'Salse' im Rezept?

Im mittelalterlichen Kontext bezeichnet 'Salse' (von lateinisch 'salsa') eine würzige Tunke oder Sauce, die zu verschiedenen Speisen gereicht wird, nicht Speisesalz.

ITem wildw machen ein salsen czw vischen So nym saluan vnd zina= mey vnd walisch nuss das reib mit guetten wein ab vnd esseich durch also wird es guett
saluan

Bairische Schreibweise für Salbei (Salvia officinalis).

salsen

Eine würzige Tunke oder Sauce, nicht Speisesalz. Cross-source bestätigt durch foc-136 (Verde sawse) und m5919-104 (Ein andre salssen).

walisch nuss

Wälsche oder welsche Nuss = Walnuss; wörtlich die romanische, italienische Nuss (belegt bei Pritzel: walisch nuss - mitthd.). Der Name spiegelt die südländische Herkunft und passt zur italienischen Verwandtschaft dieser Nuss-Sauce.

zinamey

Zimt (Zimmet), ein prestigeträchtiges Fernhandelsgewürz. Die Lesart ist gegenüber der theoretisch möglichen Deutung als Zinnkraut eindeutig, da Zimt in Fischsaucen der Zeit üblich war.

Handschrift
Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1)
Folio
Fol. 018v
Sprache
Frühneuhochdeutsch (bairisch-österreichisch, 15. Jh.)
Entstehung
Österreich (Mondsee, Oberösterreich), 1480
CoReMA

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartesseich durch

Gewählte Lesart: ‚und passiere sie mit dem Essig durch (ein Sieb)' - das Verb ist elliptisch ausgelassen; sinngemäß ‚durchtreiben' oder ‚durchseihen'.

Andere mögliche Lesart:

  • ‚und (gib) Essig dazu', ohne Durchschlagen - Grammatisch könnte ‚durch' auch bloß adverbial stehen. Doch das Salse-Genre und die glatte Tunken-Konsistenz sprechen für ein ausgelassenes Verb des Durchschlagens/Passierens - der Text lässt das Verb nur elliptisch weg.

Originalwerk (~1480) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 018v, Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609; bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz (CC BY-NC-SA 4.0)
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ms. GR1 (Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609), hyperdiplomatische Basistranskription, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Im Mörser schnell zubereitet, keine Kühlung nötig. Ideal als frische Würzsauce am Lagerfeuer.
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