Wo Mittelalter stattfyndet. Where medieval times happen.
Im Viewer öffnenIm Viewer öffnen ÜbersetzenTranslate

Hase in Rotwein-Blutsauce mit Bratäpfeln

Kuchařství o rozličných krměch, kterak se užitečně s chutí strojiti mají · Prag, Böhmen · 1535

WildHauptspeise · WildLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittel
Zubereitungszeit120 Min.Portionen4-6 PersonenBuchBöhmisches Kochbuch - Kuchařství o rozličných krměch (~1535)

Historische Illustration

Hase in Rotwein-Blutsauce mit Bratäpfeln - Originalseite aus Böhmisches Kochbuch - Kuchařství o rozličných krměch
Obstbaum, Tacuinum Sanitatis, Casanatense 4182 (ca. 1390)

Transkription - Frühneuzeitliches Tschechisch

V své jíše zajíc, takto dělaj:

Vezmi krve z něho na víno a ať se ustojí na víně u tichého ohně, vezmi polevku z hovězího masa, ssadě ji s tou krví a zsekaj zajíc na kusy, zastav v té jiše, usuše topenky z bílého chleba černě, daj tam, potom oceď jichu, zajíc přepeř v pivě a jichu protáhni skrze hartuch a daj zase do ní zajíc, ať vře znenáhla, daj koření, pepř, hřebičky, skořici, šafrán a spretuj jablka, jako na zvěřinu v sádle, daj svrchu na zajíc na misu.

Čeněk Zíbrt, Staročeské umění kuchařské (1927), Zlatý fond SME - Kap. 26-27: Pavel Severin z Kapí hory

Moderne Übersetzung

LagerkücheLagerküche-Tipp: Eingeschränkt (Kühlung): Frischer Hase und Hasenblut benötigen eine durchgehende Kühlkette. Der Aufwand für das Rösten des Brotes und das Passieren der Sauce ist moderat, aber machbar.

Einen Hasen in seiner eigenen Sauce zubereiten, wie folgt:

Nimm Blut vom Hasen und gib es zu Wein. Lasse es über milder Hitze im Wein stehen, damit es sich setzt. Nimm Rinderbrühe und vermische sie mit dem Hasenblut. Hacke den Hasen in Stücke und gib ihn in diese Sauce. Röste Scheiben von Weißbrot schwarz und gib sie ebenfalls hinzu. Seihe danach die Sauce ab.

Spüle oder mariniere den Hasen in Bier. Passiere die Sauce durch ein feines Tuch und gib den Hasen wieder hinein. Lasse alles langsam köcheln. Gib Gewürze hinzu: Pfeffer, Nelken, Zimt und Safran. Bereite Äpfel zu, wie man sie für Wild in Schmalz zubereitet, und gib sie oben auf den Hasen auf die Schüssel.

Zutaten

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
krve z něho Hasenblut Metzger (auf Bestellung) Hühnerleber oder Rinderblut (Metzger)
víno Rotwein - -
polevku z hovězího masa Rinderbrühe Supermarkt Selbstgemachte Rinderbrühe
zajíc Hase (ganz) Wildhändler Kaninchen oder Wildschwein
bílého chleba Weißbrot - -
pivě Helles Bier - -
koření Gewürzmischung - -
pepř Pfeffer - -
hřebičky Nelken - -
skořici Zimt - -
šafrán Safran gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel -
jablka Äpfel - -
sádle Schweineschmalz Supermarkt Pflanzenöl oder Butter

Lagerküche Zubereitungshinweis

Modernes Pendant: Ein edler Hasenpfeffer in der Liga des französischen civet de lièvre - dieselbe Idee einer dunklen, mit Blut und Wein gebundenen Wildsauce, die heute in der gehobenen Wildküche als 'Hasenrücken in Blutsauce' überlebt.

Technik - die kontrollierte Blutbindung: Das Blut wird zuerst in Wein bei milder Hitze stehengelassen, damit es sich setzt - der entscheidende Schritt, denn sprudelndes Kochen lässt das Blut ausflocken. Rinderbrühe gibt Körper, schwarzgeröstetes Weißbrot bindet und färbt zugleich (vgl. die verwandte 'pain brulé'-Technik). Das Passieren durch ein Tuch (hartuch) macht aus der groben Mischung eine samtig-glatte Sauce - das Kennzeichen der aufwändigen gegenüber der einfachen Variante sev-007.

Warum der Hase aus der Sauce und wieder hinein? Die Reihenfolge wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich: Hase in die Sauce, Sauce abseihen, Hase in Bier spülen, Sauce durchs Tuch passieren, Hase zurück. Tatsächlich laufen hier zwei parallele Arbeitsgänge an Fleisch und Sauce. Der Schlüssel ist das Passieren durch das hartuch: Um aus der körnigen Brot-Blut-Mischung eine samtige, gebundene Sauce zu machen, muss sie durch ein Tuch gestrichen werden - und das geht nur ohne Fleisch, denn die Stücke würden das Tuch verstopfen. Genau deshalb wird der Hase na kusy, also in groben Stücken zerteilt und nicht fein gehackt: So lässt er sich bequem herausheben und wieder einlegen. Während die Sauce passiert wird, wird der Hase in Bier abgespült (přepeř v pivě, im Manuskript mit '?!' markiert) - das reinigt ihn von anhaftenden Brot- und Blutresten und mildert das Wild, das Fleisch wartet also nicht untätig. Erst die fertige, glatte Sauce und das saubere Fleisch werden wieder vereint und ziehen gemeinsam bei milder Hitze durch.

Cluster-Verwandtschaft: Die Luxusversion von sev-007 und der technische Zwilling der Reh-Variante sev-009 - identische Sauce, nur das Wild ist getauscht. Teil der Severin-Hasen-Sektion (sev-006, sev-010, sev-011).

Anmerkungen

jíše

Alttschechisch für ‚Gericht' oder ‚Sauce'.

ustojí

Sich setzen lassen, gerinnen lassen.

polevku z hovězího masa

Rinderbrühe oder Rinderfond.

ssadě ji

Wörtlich ‚sie mischend/verbindend'.

zsekaj

Hacke, zerteile.

zastav

Hineingeben, hineinsetzen.

usuše topenky z bílého chleba černě

Scheiben von Weißbrot schwarz rösten oder trocknen. Dies dient der Bindung und gibt Farbe und Geschmack.

oceď jichu

Die Sauce abseihen, passieren.

hartuch

Ein grobes Leinentuch, das zum Passieren von Saucen oder Brühen verwendet wurde, um feste Bestandteile zu entfernen und eine glatte Konsistenz zu erzielen.

vře znenáhla

Langsam köcheln, sanft sieden lassen.

koření

Allgemeiner Begriff für Gewürze, hier gefolgt von einer spezifischen Aufzählung.

svrchu na zajíc na misu

Oben auf den Hasen auf die Servierschüssel.

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartpřepeř v pivě

Gewählte Lesart: Den Hasen in Bier spülen oder marinieren. Dies dient der Reinigung, Zartheit und Geschmacksgebung des Fleisches.

Andere mögliche Lesart:

  • Den Hasen kräftig mit Pfeffer würzen und in Bier kochen. - Das Wort 'přepeř' enthält den Stamm 'pepř' (Pfeffer), was eine Würzung nahelegen könnte. Jedoch deutet 'v pivě' (in Bier) auf eine Flüssigkeitsbehandlung hin, und eine separate Gewürzanweisung folgt später im Rezept, was die Lesart als 'spülen/marinieren' plausibler macht.

Lesartspretuj jablka

Gewählte Lesart: Äpfel in Stücke schneiden und in Schmalz braten. Dies ist eine gängige Zubereitungsart für Äpfel als Beilage zu Wild.

Andere mögliche Lesart:

  • Äpfel spalten und in Schmalz dünsten. - Das Verb 'spretovat' könnte eine Ableitung von 'spalten' sein. Das Dünsten in Schmalz wäre ebenfalls eine plausible Zubereitung für Äpfel zu Wild.

Häufige Fragen

Wo bekomme ich Hasenblut?

Hasenblut ist heute schwer zu bekommen, da es nicht im regulären Handel erhältlich ist. Am ehesten kann ein spezialisierter Metzger oder Wildhändler es auf Bestellung besorgen. Als Alternative kann man Hühnerleber oder Rinderblut verwenden, die ebenfalls beim Metzger erhältlich sind und eine ähnliche Bindung und Farbe bieten.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Eingeschränkt (Kühlung): Dieses Rezept erfordert frischen Hasen und Hasenblut, was eine durchgehende Kühlkette voraussetzt. Die Zubereitung mit dem Rösten des Brotes und dem Passieren der Sauce ist aufwendiger, aber mit guter Planung und entsprechendem Equipment (Kühlbox, Kochstelle, Sieb/Tuch) im Lager darstellbar.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem ‚Böhmischen Kochbuch - Kuchařství o rozličných krměch' von Pavel Severin z Kapí Hory, gedruckt um 1535 in Prag. Es ist das älteste erhaltene gedruckte Kochbuch in tschechischer Sprache und bietet einen Einblick in die gehobene bürgerliche und adlige Küche Böhmens der Frühneuzeit.

Was bedeuten die Anweisungen 'přepeř v pivě' und 'spretuj jablka'?

Die Anweisung 'přepeř v pivě' bedeutet, den Hasen in Bier zu spülen oder zu marinieren. Dies dient wahrscheinlich dazu, das Fleisch zu reinigen, zarter zu machen und ihm zusätzlichen Geschmack zu verleihen. 'Spretuj jablka' bezieht sich auf die Zubereitung der Äpfel. Basierend auf dem Kontext 'jako na zvěřinu v sádle' (wie für Wild in Schmalz) bedeutet dies, die Äpfel in Stücke zu schneiden und in Schweineschmalz zu braten oder zu dünsten, um sie als Beilage zum Wildgericht zu servieren.

Alle Rezepte aus Böhmisches Kochbuch - Kuchařství o rozličných krměch Alle Kochbücher