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Pastete in Brühe

Libro de arte coquinaria · Norditalien · 1465

GeflügelHauptspeise · GeflügelLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10Höfische KücheHofküche
Zubereitungszeit120 Min.Portionen4-6 PersonenBuchLibro de Arte Coquinaria (~1465)

Mache einen dicken Teig, wie er für Pasteten verwendet wird, in der Größe, die dir beliebt. Halte etwas leicht gesottenes Hühner- und Taubenfleisch bereit, in Viertel zerteilt, wobei du aus jedem Viertel zwei oder drei Stücke machst. Nimm gut zerstoßene Mandeln, einige Eigelb, Safran und gute, fette Brühe mit etwas Verjus. Lasse zuerst den besagten Teig trocknen, wie man es bei Pasteten macht. Damit die Ränder aufrecht stehen, fülle den Teig sehr gut mit Mehl, lege den Teigdeckel darauf und lasse ihn so lange backen, bis er dir fest erscheint. Schneide dann den Deckel ab, entferne das Mehl und gib die zuvor genannten Fleischstücke hinein, richte sie an, wie man eine Pastete füllt. Darüber gieße die Mischung aus Brühe und den anderen oben genannten Zutaten. Sorge dafür, dass sie gut nach Ingwer und etwas Pfeffer schmeckt. Diese Pastete backe im Ofen oder in der Pfanne, wie man andere Pasteten auch zubereitet.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
pasta grossa como se usa ne li pastelli Dicker Pastetenteig (aus Mehl, Wasser/Wein, Fett) - -
pollastri Hühnerfleisch - -
pipioni Taubenfleisch Metzger, Geflügelhof Wachteln oder weiteres Hühnerfleisch
amandole ben piste Fein gemahlene Mandeln - -
alcuno roscio d'ovo Eigelb - -
del zafrano Safran Supermarkt, Gewürzhandel -
di bon brodo grasso Fette Fleischbrühe (z.B. Hühnerbrühe) - -
un pocho d'agresto Etwas Verjus (unreifer Traubensaft) Feinkostladen, Online-Handel Weißweinessig oder Zitronensaft
farina Weizenmehl (zum Füllen der Kruste) - -
zenzevero Ingwerpulver - -
poco di pepe Pfeffer - -

Welches Gericht ist das? Eine gebackene Geflügelpastete, deren Hülle nach dem Backen mit einer goldgelben Mandel-Brühe aufgefüllt wird - daher torta in brodo (Pastete in Brühe). Sie gehört zur Familie der gefüllten Hofküchen-Pasteten (vgl. Gefüllte Pasteten mit Gewürzen via-074, Knochenmark-Pastete via-070): vorgegartes Fleisch in einer freistehenden Teighülle, übergossen mit einer reichen, mit Eigelb und Safran gebundenen Sauce.

Das philologisch und technisch Bemerkenswerte ist die Blindbacken-Methode: Die leere Teighülle wird mit Mehl gefüllt und mit Deckel gebacken, bis sie fest steht - das Mehl stützt die Wände, damit sie nicht einfallen. Danach schneidet man den Deckel ab, schüttet das Stützmehl heraus, legt das gesotene, geviertelte Hühner- und Taubenfleisch ein und gießt die compositione aus brodo grasso (fetter Brühe), zerstoßenen Mandeln, Eigelb, Safran und etwas agresto (Verjus) darüber. Würze: Ingwer und etwas Pfeffer.

Der Schluss nel forno overo ne la padella lässt offen, ob im Ofen oder in der Pfanne gebacken wird - beides setzt regelbare, allseitige Hitze für die freistehende Hülle voraus.

Praxis. Aus festem Mehl-Wasser/Wein-Fett-Teig eine standfeste Hülle formen, mit Mehl füllen, Deckel auflegen und im Ofen vorbacken, bis sie fest ist. Mehl entfernen. Huhn und Taube leicht vorgaren, vierteln, in Stücke teilen und einschichten. Fein gemahlene Mandeln mit fetter Geflügelbrühe, Eigelb, Safran (gelbe Farbe) und einem Schuss Verjus zu einer Sauce verrühren, mit Ingwer und Pfeffer abschmecken, über das Fleisch gießen und die Pastete fertig backen, bis die Sauce gebunden ist.

Was ist 'agresto'?

Agresto ist Verjus, der Saft unreifer Weintrauben. Er wird in der mittelalterlichen Küche als Säuerungsmittel verwendet, ähnlich wie Essig oder Zitronensaft, hat aber ein milderes, fruchtigeres Aroma. Du findest ihn in Feinkostläden oder online. Alternativ kannst du einen milden Weißweinessig oder Zitronensaft verwenden.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein, dieses Rezept ist nicht direkt für die Lagerküche geeignet. Das Backen der Pastetenkruste im Ofen oder in einer Pfanne, um sie stabil zu bekommen, erfordert eine kontrollierte Hitze, die am Lagerfeuer nur schwer zu erreichen ist. Die Pastete sollte zu Hause vorbereitet und dann zum Lager mitgebracht werden.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem ‚Libro de Arte Coquinaria‘, verfasst um 1465 von Maestro Martino da Como, einem der bedeutendsten Köche des 15. Jahrhunderts. Es ist in norditalienischem Volgare geschrieben und spiegelt die gehobene Küche der Renaissance wider, die oft an Fürstenhöfen und bei wohlhabenden Bürgern serviert wurde.

Was bedeutet 'allesso' im Rezept?

'Allesso' bedeutet ‚gesotten‘ oder ‚pochiert‘. Es beschreibt eine Garmethode, bei der das Fleisch in Wasser oder Brühe langsam gar gezogen wird, im Gegensatz zum Braten ('arrosto').

Was ist das Besondere an der Zubereitung dieser Pastete?

Das Rezept verwendet eine ungewöhnliche Methode, um die Stabilität der Pastetenkruste zu gewährleisten: Der leere Teigmantel wird vor dem Füllen mit Mehl gefüllt und gebacken. Das Mehl stützt die Wände und verhindert, dass sie beim Backen zusammenfallen. Nach dem Backen wird das Mehl entfernt und die Pastete wie gewohnt gefüllt.

Was ist ein 'Mörser', brauche ich einen Mörser und Stößel?

Im mittelalterlichen Kochkontext ist mit ‚Mörser‘ oft ein großer Fleischmörser gemeint, kein kleiner Gewürzmörser. Für die ‚gut zerstoßenen Mandeln‘ kannst du heute einfach fertig gemahlenes Mandelmehl aus dem Supermarkt verwenden. Wenn du es authentisch zubereiten möchtest, nutze einen großen Mörser mit schwerem Stößel oder eine Küchenmaschine/Blender, um die Mandeln sehr fein zu mahlen.

Torta in brodo. Farai una pasta grossa como se usa ne li pastelli, di quella grandeza che ti pare; et habi di pollastri et pipioni un pocho allessati et smembrati in quarti facendo d'ogni quarto doi o tre pezi; et habi de l'amandole ben piste, et alcuno roscio d'ovo, del zafrano, et di bon brodo grasso con un pocho d'agresto; et facendo prima asciuccare la ditta pasta a modo di quella di pastelli, et per fare che le sponde stagano dritte empierala molto bene di farina, mettendogli sopra il suo coperchio di pasta, et lasciarai cocere tanto che ti para che stia dritta. Poi taglia via il coperchio, et tirane fora la farina, et metterali dentro li sopra detti pizoli di la carne conciandoli ad ordine como si fa un pastello; et di sopra gli gittarai la compositione del brodo et dell'altre cose sopra scripte; et fa' che senta bene del zenzevero et poco di pepe. Et questa torta faraila cocere nel forno, overo ne la padella, como si fanno l'altre torte.
pastelli

Kleine Pasteten oder Pastetchen, oft mit einem festen Teig, der eine freistehende Form ermöglicht.

allessati

Gesotten oder pochiert; in Wasser oder Brühe gegart.

amandole ben piste

Wörtlich ‚gut zerstoßene Mandeln‘, was sehr fein gemahlene Mandeln oder Mandelmehl bedeutet.

roscio d'ovo

Eigelb.

brodo grasso

Eine reichhaltige, fette Brühe, typischerweise aus Fleisch gekocht.

agresto

Verjus, der Saft unreifer Trauben, der als Säuerungsmittel verwendet wird.

torta

Im mittelalterlichen Kontext eine Pastete oder ein Kuchen, der sowohl süß als auch herzhaft sein konnte.

Handschrift
Libro de arte coquinaria
Folio
Fol. 37v
Sprache
Frühitalienisch (15. Jh.)
Entstehung
Norditalien, 1465

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartasciuccare la ditta pasta

Gewählte Lesart: Den Teig vor dem Füllen antrocknen/anbacken lassen, damit er beim Befüllen mit Mehl standfest bleibt.

Lesartnel forno overo ne la padella

Gewählte Lesart: Die Pastete wird im Ofen oder in der Pfanne gebacken - beides erfordert eine regelbare Hitze, die die freistehende Hülle gar werden lässt, ohne sie zu verbrennen.

Originalwerk (~1465) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 37v, Library of Congress, Rare Book and Special Collections Division, Washington MS (TX723 .M3 1460), Public Domain
Transkription
Uni Giessen (Gloning/Romanelli, Digitale Edition 2004, Basis: Faccioli 1966) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Braucht regelbare Hitze (Ofen) zum Blindbacken und Garen der freistehenden Hülle - am offenen Feuer kaum zu kontrollieren. Fleisch und Sauce vorbereitbar, das Backen besser zu Hause oder im Lehmofen.
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