Le Ménagier de Paris · Paris · 1393
Lait de vasche lyé. Soit prins le lait a eslite, comme dit est cy devant ou chappitre des potages, et soit bouly une onde, puiz mis hors du pot. Puiz y filez par l'estamine grant foison de moyeulx de oeufz, et ostez la germe. Puiz broyez une cloche de gingembre et saffran, et mectez dedens, et tenez chaudement empres le feu. Puiz ayez des oeufz pochez en eaue, et mectez ii ou iii oeufz pochez en l'escuelle, et le lait dessus.
Base de Français Médiéval (BFM), ENS Lyon – TEI P5, Lizenz Etalab
🏕 Lagerküche-Tipp: Dieses Gericht lässt sich gut in der Lagerküche zubereiten. Milch und Eier können in einem kühlen Bach oder einer Erdgrube frisch gehalten werden. Zum Kochen der Milch und Pochieren der Eier benötigst du einen Topf und eine Feuerstelle. Die Gewürze können entweder vorab gemahlen mitgebracht oder direkt am Lager in einem Mörser zerstoßen werden. Ein feines Tuch zum Seihen der Eigelbe ist ebenfalls erforderlich.
Nimm die ausgewählte Kuhmilch, wie bereits im Kapitel der Eintöpfe beschrieben. Koche sie einmal auf, dann nimm sie vom Herd. Seihe anschließend eine große Menge Eigelb durch ein feines Tuch und entferne dabei die Hagelschnur. Zerstoße danach eine 'Glocke' Ingwer und Safran und gib beides zur Milch. Halte die Mischung warm am Feuer. Bereite dann pochierte Eier zu und lege zwei oder drei davon in eine Schale, bevor du die gewürzte Milch darüber gießt.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| Lait de vasche | 1 Liter Kuhmilch | — | — |
| moyeulx de oeufz | 6–8 Eigelb | — | — |
| gingembre | 1 TL gemahlener Ingwer | — | — |
| saffran | 1 Prise Safranfäden | — | — |
| oeufz pochez | 4–6 Eier (zum Pochieren) | — | — |
| eaue | Wasser (zum Pochieren) | Leitung | — |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten — mit den plausiblen Alternativen.
⚖ une cloche de gingembre et saffran
Gewählte Lesart: Die Mengenangabe 'une cloche' wurde als eine kleine, unbestimmte Menge interpretiert, die einer Prise oder einem Teelöffel entspricht, da die genaue historische Maßeinheit nicht mehr bekannt ist.
Andere mögliche Lesart:
Die Mengenangabe 'une cloche' (eine Glocke) ist eine historische Maßeinheit, deren exaktes Volumen heute nicht mehr bekannt ist. Sie deutet auf eine kleine, glockenförmige Schale oder ein Gefäß hin, das für Gewürze verwendet wurde. Interpretiere es als eine Prise oder einen kleinen Teelöffel, je nach gewünschter Intensität.
Ja, dieses Rezept ist sehr gut für die Lagerküche geeignet. Die Zutaten sind robust und die Zubereitung erfordert lediglich einen Topf und eine Feuerstelle. Gewürze können vorab gemahlen oder vor Ort im Mörser zerstoßen werden.
Dieses Rezept stammt aus dem 'Ménagier de Paris', einem Haushaltsbuch, das um 1393 in Paris verfasst wurde. Es bietet Einblicke in die bürgerliche Küche des späten Mittelalters und richtete sich an eine junge Ehefrau, um ihr die Haushaltsführung und Kochkunst beizubringen.
Im mittelalterlichen Kochkontext war der Mörser oft ein großer Fleischmörser aus Stein oder Metall, der zum Zerstoßen von Fleisch, Fisch oder Nüssen zu feinen Pasten diente. Für die Gewürze in diesem Rezept reicht ein kleinerer Gewürzmörser aus. Alternativ kannst du auch bereits gemahlenen Ingwer und Safranpulver verwenden, um Zeit und Aufwand zu sparen.