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Gebundene Milch mit pochierten Eiern

Le Ménagier de Paris · Paris · 1393

🏕 Lagerküche-tauglich ⚠ Viel Interpretationsspielraum Mittel
⏱ 25 Min.👥 2–3 Personen📖 Ménagier de Paris (~1393)

Original — Moyen Français

Gebundene Milch mit pochierten Eiern — Originalseite aus Ménagier de Paris
Fol. 147r, Scan: Bibliothèque nationale de France, Gallica (BnF Manuscrit Français 12477)

Transkription (Moyen Français)

Lait de vasche lyé. Soit prins le lait a eslite, comme dit est cy devant ou chappitre des potages, et soit bouly une onde, puiz mis hors du pot. Puiz y filez par l'estamine grant foison de moyeulx de oeufz, et ostez la germe. Puiz broyez une cloche de gingembre et saffran, et mectez dedens, et tenez chaudement empres le feu. Puiz ayez des oeufz pochez en eaue, et mectez ii ou iii oeufz pochez en l'escuelle, et le lait dessus.

Base de Français Médiéval (BFM), ENS Lyon – TEI P5, Lizenz Etalab

Moderne Übersetzung

🏕 Lagerküche-Tipp: Dieses Gericht lässt sich gut in der Lagerküche zubereiten. Milch und Eier können in einem kühlen Bach oder einer Erdgrube frisch gehalten werden. Zum Kochen der Milch und Pochieren der Eier benötigst du einen Topf und eine Feuerstelle. Die Gewürze können entweder vorab gemahlen mitgebracht oder direkt am Lager in einem Mörser zerstoßen werden. Ein feines Tuch zum Seihen der Eigelbe ist ebenfalls erforderlich.

Nimm die ausgewählte Kuhmilch, wie bereits im Kapitel der Eintöpfe beschrieben. Koche sie einmal auf, dann nimm sie vom Herd. Seihe anschließend eine große Menge Eigelb durch ein feines Tuch und entferne dabei die Hagelschnur. Zerstoße danach eine 'Glocke' Ingwer und Safran und gib beides zur Milch. Halte die Mischung warm am Feuer. Bereite dann pochierte Eier zu und lege zwei oder drei davon in eine Schale, bevor du die gewürzte Milch darüber gießt.

Zutaten

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
Lait de vasche 1 Liter Kuhmilch
moyeulx de oeufz 6–8 Eigelb
gingembre 1 TL gemahlener Ingwer
saffran 1 Prise Safranfäden
oeufz pochez 4–6 Eier (zum Pochieren)
eaue Wasser (zum Pochieren) Leitung

Anmerkungen

Lait de vasche
Kuhmilch
lyé
gebunden, angedickt
potages
Eintöpfe oder Breie
bouly une onde
einmal aufgekocht
filez par l'estamine
durch ein feines Tuch oder Sieb seihen
moyeulx de oeufz
Eigelb
ostez la germe
den Keim oder die Hagelschnur entfernen
broyez
zerstoßen, mahlen
cloche
Glocke, eine unklare Mengenangabe
empres le feu
nahe am Feuer
oeufz pochez
pochierte Eier
escuelle
Schale, Schüssel

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten — mit den plausiblen Alternativen.

une cloche de gingembre et saffran

Gewählte Lesart: Die Mengenangabe 'une cloche' wurde als eine kleine, unbestimmte Menge interpretiert, die einer Prise oder einem Teelöffel entspricht, da die genaue historische Maßeinheit nicht mehr bekannt ist.

Andere mögliche Lesart:

  • Eine 'cloche' könnte eine spezifische, glockenförmige Messschale gewesen sein, die ein festes Volumen hatte. — Historische Kochbücher verwendeten oft spezifische Gefäße als Maßeinheiten, die heute nicht mehr gebräuchlich sind oder deren Volumen variierte.

Häufige Fragen

Was bedeutet 'une cloche' als Maßeinheit?

Die Mengenangabe 'une cloche' (eine Glocke) ist eine historische Maßeinheit, deren exaktes Volumen heute nicht mehr bekannt ist. Sie deutet auf eine kleine, glockenförmige Schale oder ein Gefäß hin, das für Gewürze verwendet wurde. Interpretiere es als eine Prise oder einen kleinen Teelöffel, je nach gewünschter Intensität.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist sehr gut für die Lagerküche geeignet. Die Zutaten sind robust und die Zubereitung erfordert lediglich einen Topf und eine Feuerstelle. Gewürze können vorab gemahlen oder vor Ort im Mörser zerstoßen werden.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem 'Ménagier de Paris', einem Haushaltsbuch, das um 1393 in Paris verfasst wurde. Es bietet Einblicke in die bürgerliche Küche des späten Mittelalters und richtete sich an eine junge Ehefrau, um ihr die Haushaltsführung und Kochkunst beizubringen.

Was ist ein 'Mörser' — brauche ich einen Mörser und Stößel?

Im mittelalterlichen Kochkontext war der Mörser oft ein großer Fleischmörser aus Stein oder Metall, der zum Zerstoßen von Fleisch, Fisch oder Nüssen zu feinen Pasten diente. Für die Gewürze in diesem Rezept reicht ein kleinerer Gewürzmörser aus. Alternativ kannst du auch bereits gemahlenen Ingwer und Safranpulver verwenden, um Zeit und Aufwand zu sparen.

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