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Römische Coppiette vom Spieß

Libro de arte coquinaria · Norditalien · 1465

LagerkücheLagerküche-tauglichMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10Höfische KücheHofküche
Zubereitungszeit45 Min.Portionen4-6 PersonenBuchLibro de Arte Coquinaria (~1465)

Schneide das Fleisch in Stücke von der Größe eines Eis, doch schneide sie nicht vollständig durch, sodass die besagten Stücke miteinander verbunden bleiben. Nimm ein wenig Salz und Pitartema, das heißt Koriandersamen, oder zerstoßenen Fenchel, und reibe die besagten Stücke gut damit ein. Danach lege sie für kurze Zeit unter Druck. Brate sie dann am Spieß, indem du zwischen jedes Fleischstück eine dünne Scheibe Lardo legst, um die Coppiette zarter zu halten.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
carne Fleisch (z.B. Rind, Schwein) Metzger -
sale Salz - -
pitartema, cioè il seme di coriandri Koriandersamen - -
finocchio pesto gemahlener Fenchel - Koriandersamen
fettolina di lardo sottile dünne Scheiben Lardo Metzger dünne Scheiben Speck

Welches Gericht ist das? Mageres Fleisch wird fächerartig eingeschnitten, mit Salz und Koriander (oder Fenchel) eingerieben, kurz beschwert und dann am Spieß gebraten - mit dünnen Lardo-Scheiben zwischen den Stücken. Im Kern ein gewürzter Spießbraten mit eingelegter Speck-Bardierung. Der direkte Zwilling steht im Bockenheimer ‚Registrum Coquine‘ (boc-003), wo magere Fleischstücke ebenso mit zerstoßenem Koriander und Salz am Spieß gebraten werden - dort ‚für Italiener‘, hier ‚nach römischer Art‘. Lebende Verwandtschaft: mariniertes Spieß-/Grillfleisch, Saltimbocca-artige Fleisch-Speck-Schichtung.

Das Fleisch wird in eigroße Stücke geschnitten, aber nicht ganz durchtrennt (non la fornire di tagliare), sodass die Stücke zusammenhängen - das ist es, was die coppiette (von coppia, Paar) ausmacht: ein zusammenhängender Fächer statt loser Würfel. Am Spieß bleibt so mehr Saft im Fleisch.

Pitartema ist ein dunkles Würzwort, das Martino selbst sofort auflöst: cioè il seme di coriandri - Koriandersamen. Wahlweise finocchio pesto, zerstoßener Fenchel(samen). Pesto meint hier gemörsert/zerstoßen, nicht die moderne Basilikum-Paste.

Sopprescia heißt unter Druck/Beschwerung legen (vgl. soppressa, gepresste Wurst). Das kurze Beschweren presst Würzung und Fleisch zusammen, bevor es auf den Spieß geht. Die dünnen fettoline di lardo zwischen den Stücken schmelzen über der Glut und halten das magere Fleisch saftig - dieselbe Funktion wie die Speck-Bardierung eines Bratens.

Praxis. Mageres Rind, Kalb oder Schwein in eigroße Stücke schneiden, dabei nicht ganz durchtrennen, sodass sie verbunden bleiben (alternativ einfach in Stücke schneiden und abwechselnd mit Lardo aufspießen). Etwa 1 TL Koriandersamen (oder Fenchelsamen) mit Salz im Mörser zerstoßen, das Fleisch damit gut einreiben. 15-30 Minuten unter einem beschwerten Brett ruhen lassen. Dünne Scheiben Lardo (ersatzweise fetter Speck) zwischen die Stücke stecken und am Spieß über der Glut langsam garen.

Was sind ‚Coppiette‘ in diesem historischen Kontext?

Im Rezept von Maestro Martino sind ‚Coppiette‘ Fleischstücke, die so eingeschnitten werden, dass sie paarweise zusammenhängen und dann am Spieß gebraten werden. Dies unterscheidet sich von den modernen römischen ‚Coppiette‘, die getrocknete, gewürzte Fleischstreifen sind.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist hervorragend für die Lagerküche geeignet. Es benötigt lediglich einen Bratspieß und eine offene Feuerstelle oder Glut zum Garen. Die Vorbereitung ist einfach und kann direkt am Lagerplatz erfolgen.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem ‚Libro de Arte Coquinaria‘, verfasst um 1465 von Maestro Martino da Como, einem der bedeutendsten Köche der italienischen Renaissance. Es repräsentiert die norditalienische Küche des 15. Jahrhunderts.

Was bedeutet ‚pitartema‘ im Rezept?

‚Pitartema‘ ist ein alter Begriff, der im Rezept selbst als ‚seme di coriandri‘, also Koriandersamen, erklärt wird. Es handelt sich um ein Gewürz, das dem Fleisch Aroma verleiht.

Per fare coppiette al modo romano. Taglia la carne in pezzi grossi como uno ovo, ma non la fornire di tagliare, perché li ditti pezzi deveno restare attaccati l'uno coll'altro; et togli un pocho de sale et de pitartema, cioè il seme di coriandri, o vero finocchio pesto, et inbrattane bene li ditti pezzi, et dapo' poneli un pocho in sopprescia et coceli in lo speto arrosto mettendo in esso speto tra l'uno pezzo et l'altro una fettolina di lardo sottile per tenere le diete copiette più morbide.
pitartema

Ein dunkler Begriff, den Martino selbst sofort übersetzt: cioè il seme di coriandri - das heißt Koriandersamen. Wohl ein verschriftlichtes Fremd-/Apothekerwort; verlässlich ist nur, dass es hier Koriandersamen meint.

coppiette

Von coppia (Paar): die nicht ganz durchtrennten, noch zusammenhängenden Fleischstücke, die paarweise/fächerartig am Spieß garen. Nicht zu verwechseln mit den heutigen römischen coppiette, die getrocknete, gewürzte Fleischstreifen (Trockenfleisch) sind.

finocchio pesto

Zerstoßener Fenchel(samen) als gleichrangige Alternative zum Koriander - pesto heißt hier zerstoßen/gemörsert, nicht die moderne Basilikum-Paste.

sopprescia

Unter Druck/Beschwerung legen (vgl. ital. soppressa, gepresste Wurst). Das kurze Beschweren presst die eingeriebenen Stücke und die Würzung zusammen, bevor sie auf den Spieß kommen.

lardo

Italienischer Speck aus Rückenfett, oft gewürzt und gereift. Hier dünn geschnitten zwischen die Fleischstücke gesteckt: Beim Braten schmilzt das Fett und hält das magere Fleisch saftig.

Handschrift
Libro de arte coquinaria
Folio
Fol. 7r
Sprache
Frühitalienisch (15. Jh.)
Entstehung
Norditalien, 1465

Originalwerk (~1465) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 7r, Library of Congress, Rare Book and Special Collections Division, Washington MS (TX723 .M3 1460), Public Domain
Transkription
Uni Giessen (Gloning/Romanelli, Digitale Edition 2004, Basis: Faccioli 1966) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Lagertauglich: Das Fleisch wird nur eingerieben, kurz beschwert und am Spieß über der Glut gebraten - Spieß und eine offene Feuerstelle reichen, sonst kein Gerät nötig. Bis zum Aufspießen kühl halten. Den Lardo zwischen die Stücke stecken, damit nichts austrocknet.
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