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Gebratenes Fleisch für Italiener

Registrum Coquine quomodo et qualiter preparantur cibaria per integrum annum · Päpstliche Kurie, Rom / Konstanz · 1433

LagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10Höfische KücheHofküche
Zubereitungszeit150 Min.Portionen4-6 PersonenBuchRegistrum Coquine (~1433)

Bereite das Fleisch für Italiener auf diese Weise zu: Nimm Kalbfleisch oder mageres Schweinefleisch und schneide es in Stücke von der Länge eines Fingers. Mache so viele Stücke, wie du möchtest. Danach nimm Koriandersamen und zerstoße sie gut in einem Mörser; gib Salz hinzu. Lege die Fleischstücke auf ein Brett oder einen Stein. Lasse sie eine Stunde lang ruhen. Danach stecke sie auf einen Spieß und brate sie langsam. Bestreue sie dabei mit den zerstoßenen Samen. So wird es gut für Italiener sein.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
carnes uitellinas uel porcinas macras Kalbfleisch oder mageres Schweinefleisch - - -
granum coriandri Koriandersamen - - -
sal Salz - - -

Welches Gericht ist das? Magere Fleischstücke am Spieß, mit zerstoßenem Koriander und Salz bestreut - ein schlichter Spießbraten ‚für Italiener‘. Verwandt, aber nicht identisch, ist Martinos römische coppiette vom Spieß (mar-019): dort bleibt das Fleisch am Stück (nicht durchgeschnitten), wird vor dem Braten mit Koriander und Salz eingerieben und kurz unter Gewicht gepresst - bei Bockenheim dagegen werden die Stücke erst während des Bratens mit der zerstoßenen Mischung bestreut und ruhen zuvor unbeschwert. Lebende Verwandtschaft: gewürzter Fleischspieß, wie er heute als Schaschlik, Kebab oder koriandergewürztes Souvlaki bekannt ist.

Granum coriandri sind Koriandersamen (nicht das Kraut) - im Mörser zerstoßen geben sie ein warm-zitroniges Aroma, das gut zu gebratenem Fleisch passt. Das Salz kommt laut Wortlaut in den Mörser zum Koriander (inmitte sal), nicht aufs rohe Fleisch - gewürzt wird also erst beim Bestreuen über der Glut.

Warum die Fleischstücke vor dem Spießen eine Stunde auf Brett oder Stein ruhen (pone super tabulam uel lapidem ... sine eas stare per horam), sagt der Text nicht. Denkbar ist ein Temperieren vor dem Garen, denkbar auch reine Mise-en-place, während die Gewürzmischung im Mörser fertiggestellt wird - Bockenheim nennt den Grund nicht.

Praxis. Mageres Kalb- oder Schweinefleisch in fingerlange Stücke schneiden. Koriandersamen mit etwas Salz im Mörser grob zerstoßen. Die Fleischstücke eine Stunde auf einem Brett oder Stein ruhen lassen. Dann aufspießen und über Glut langsam garen, dabei mit der Koriander-Salz-Mischung bestreuen.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, hervorragend geeignet. Das Braten am Spieß über offenem Feuer oder Glut ist eine authentische mittelalterliche Zubereitungsart, die gut ins Lagerleben passt. Achte darauf, das Fleisch kühl zu lagern, bis es auf den Spieß kommt.

Was bedeutet ‚pro Italicis' im Rezept?

‚Pro Italicis' bedeutet ‚für Italiener'. Es ist wahrscheinlich eine Bezeichnung für eine Zubereitungsart oder einen Geschmack, der zu dieser Zeit als typisch italienisch galt oder in Italien beliebt war. Es könnte auch ein Hinweis darauf sein, dass das Gericht für italienische Gäste oder in einem italienischen Stil zubereitet werden sollte.

Was ist ein ‚Mörser', brauche ich einen Mörser und Stößel?

Im Mittelalter wurden Mörser oft für das Zerstoßen von Gewürzen, aber auch für das Zerkleinern von Fleisch oder Nüssen verwendet. Für dieses Rezept genügt ein kleinerer Gewürzmörser, um die Koriandersamen zu zerstoßen. Alternativ kannst du auch bereits gemahlenen Koriander verwenden oder die Samen in einer Gewürzmühle mahlen.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Registrum Coquine (Päpstliche Kurie, Rom / Konstanz). Das älteste erhaltene Kochbuch eines namentlich bekannten päpstlichen Küchenmeisters. Johannes von Bockenheim kochte ab 1417 für Papst Martin V.; sein Registrum (~1431-1435) verzeichnet 80 Rezepte mit Angaben, für welche Nationalitäten oder Stände sie geeignet sind - für Italiener, Deutsche, Böhmen, Frauen, Adelige, Söldner, Mönche u.v.m. Das macht es zum einzigen mittelalterlichen Kochbuch mit expliziter Zielgruppenzuordnung.

Ad carnes pro Italicis preparandas Ita prepara carnes pro Italicis. Recipe carnes uitellinas uel porcinas macras et scinde in partes ad longitudinem unius digiti. et fac tot petias quot uis. Post hoc Recipe granum coriandri et pista illa bene in mortario et inmitte sal. Et illas petias pone super unam tabulam uel super unum lapidem. Et sine eas stare per horam, et post hoc mitte ad verutum et fac illas lente rostire et sperge superius illa grana pistata et erit bonum pro Italicis.
granum coriandri

Koriandersamen (nicht das frische Kraut), im Mörser zerstoßen - warm-zitroniges Aroma für gebratenes Fleisch.

inmitte sal

Das Salz kommt in den Mörser zum Koriander, nicht aufs rohe Fleisch - gewürzt wird beim Bestreuen über der Glut.

pone super tabulam uel lapidem / stare per horam

Eine Stunde auf Brett oder Stein ruhen lassen, bevor es an den Spieß kommt - der Text nennt den Zweck nicht (denkbar: Temperieren vor dem Garen, denkbar reine Mise-en-place, während die Gewürzmischung fertiggestellt wird).

Handschrift
Registrum Coquine quomodo et qualiter preparantur cibaria per integrum annum
Folio
fol. 65v
Sprache
Mittellatein (frühes 15. Jh.)
Entstehung
Päpstliche Kurie, Rom / Konstanz, 1433

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

saltable salt Q11254

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartpro Italicis

Gewählte Lesart: ‚Für Italiener‘ - eine zu dieser Zeit als italienisch geltende Zubereitungsart; Bockenheim ordnet seine Gerichte durchweg Personengruppen oder ‚Nationen‘ zu.

Andere mögliche Lesart:

  • ‚Nach italienischer Art‘ als reine Stilbezeichnung, unabhängig davon, wer das Gericht isst. - Regional- und Völkernamen kennzeichnen im Spätmittelalter oft einen Geschmacksstil, nicht zwingend die Esser; der Twin mar-019 trägt eine verwandte Spieß-Koriander-Technik als ‚römisch‘.

Originalwerk (~1433) gemeinfrei.

Bildquelle
BnF Ms. Latin 7054, fol. 65v/66r (Gallica ark:/12148/btv1b10035736w, f66) - Domaine public Quelle öffnen
Transkription
Robert Maier (Hg.): Das Registrum Coquine des Johannes von Bockenheim, Monumenta culinaria 3, GEB Gießen 2013 - CC BY-NC-SA 3.0 (urn:nbn:de:hebis:26-opus-93375) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Am offenen Feuer über der Glut langsam braten; Mörser für die Koriandersamen und Spieße sind leichtes Equipment. Das Fleisch bis zum Aufspießen kühl halten.
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Stand dieser Fassung: 11.07.2026 - 2-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.