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Brotmus für Italiener und Bauern

Registrum Coquine quomodo et qualiter preparantur cibaria per integrum annum · Päpstliche Kurie, Rom / Konstanz · 1433

LagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10BauernkücheBauernkücheBrotBrot / BackwerkVegetarischVegetarisch
Zubereitungszeit15 Min.Portionen2-4 PersonenBuchRegistrum Coquine (~1433)

Wenn du ein Gericht aus Brot zubereitest: Nimm geriebenes Brot und mische es gut mit fetter Brühe, Safran und Käse sowie anderen guten Gewürzen, sodass es dickflüssig wird. Und es wird gut sein für Italiener und Bauern.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
panem grattatum Geriebenes Brot - -
brodio grasso Fette Brühe - -
croco Safran - -
caseo Käse - -
aliis spetiebus bonis Andere gute Gewürze - -

Welches Gericht ist das? Ein dickes Brotmus - geriebenes Brot, in Brühe eingekocht, mit Käse und Gewürzen sämig gerührt. Im Kern der direkte Vorfahr der italienischen panata und pancotto (Brotsuppe), bei uns mit der Brotsuppe und der eingekochten Brotpampe verwandt. Brotbindung ist DAS mittelalterliche Bindemittel, lange vor der Mehlschwitze - hier wird das Brot selbst zur Mahlzeit. Bockenheim adressiert es ausdrücklich ‚für Italiener und Bauern‘: ein einfaches, sättigendes Resteessen, das altes Brot verwertet.

Panem grattatum ist geriebenes Brot - frisch oder (typischer) getrocknet und auf der Reibe zerkleinert. Brodio grasso ist eine fette Brühe, also eine aus fettem Fleisch gekochte oder mit Schmalz angereicherte Brühe, die das magere Brot nahrhaft macht.

Croco ist Safran - er färbt das Mus goldgelb, die typische ‚edle‘ Farbe; selbst im Bauerngericht ein kleiner Luxus. Caseo (Käse) gibt Würze und Bindung, aliis spetiebus bonis meint eine freie Hand voll der üblichen warmen Gewürze.

Praxis. Altbackenes Weißbrot reiben (oder grob raspeln). In siedender, kräftiger Brühe einkochen, bis ein dickes Mus entsteht. Eine Prise Safran einrühren, geriebenen Käse (Hartkäse) unterziehen, mit Pfeffer und Ingwer abschmecken. In rund 15 Minuten am Feuer fertig.

Welche ‚anderen guten Gewürze' soll ich verwenden?

Im Mittelalter waren ‚gute Gewürze‘ oft eine Mischung aus Pfeffer, Ingwer, Galgant, Nelken, Muskat und Zimt. Wähle eine Kombination, die dir schmeckt, oder beschränke dich auf Pfeffer und Ingwer für eine authentische Basis.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist hervorragend für die Lagerküche geeignet. Es benötigt nur wenige Zutaten, die gut transportierbar sind, und lässt sich in einem Topf über offenem Feuer schnell zubereiten.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem ‚Registrum Coquine‘ (Kochbuch-Register), verfasst um 1433 von Johannes von Bockenheim, einem Koch am Hof des Papstes Martin V. Es ist eine wichtige Quelle für die höfische und klösterliche Küche des Spätmittelalters.

Was bedeutet ‚Ministrum' in diesem Rezepttitel?

‚Ministrum‘ bedeutet hier einfach ‚Gericht‘ oder ‚Speise‘. Der Zusatz ‚pro Italicis et rusticis‘ (für Italiener und Bauern) weist darauf hin, dass es sich um ein einfaches, nahrhaftes und kostengünstiges Gericht handelt, das auch für breitere Bevölkerungsschichten zugänglich war.

Ministrum pro Italicis et rusticis. Si facis ministrum de panibus. Recipe panem grattatum, et tempera bene cum brodio grasso et cum croco ac caseo et aliis spetiebus bonis, ut spissum fiat. Et erit bonum pro Italicis et rustico.
panem grattatum

Geriebenes Brot, frisch oder getrocknet auf der Reibe zerkleinert - das Brot ist hier die Hauptzutat, nicht nur Bindung.

brodio grasso

Fette Brühe - aus fettem Fleisch gekocht oder mit Schmalz angereichert, macht das magere Brot nahrhaft.

pro Italicis et rusticis

‚Für Italiener und Bauern‘ - Bockenheim ordnet seine Gerichte sozialen Gruppen zu; hier ein einfaches, sättigendes Alltagsessen.

Handschrift
Registrum Coquine quomodo et qualiter preparantur cibaria per integrum annum
Folio
fol. 65v
Sprache
Mittellatein (frühes 15. Jh.)
Entstehung
Päpstliche Kurie, Rom / Konstanz, 1433

Originalwerk (~1433) gemeinfrei.

Bildquelle
BnF Ms. Latin 7054, fol. 65v/66r (Gallica ark:/12148/btv1b10035736w, f66) - Domaine public Quelle öffnen
Transkription
Robert Maier (Hg.): Das Registrum Coquine des Johannes von Bockenheim, Monumenta culinaria 3, GEB Gießen 2013 - CC BY-NC-SA 3.0 (urn:nbn:de:hebis:26-opus-93375) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche · ⭐ Gold - vollständig lagerküchentauglich
In rund 15 Minuten im Topf am offenen Feuer fertig. Trockenes Brot, Hartkäse und Gewürze sind extrem lagerfähig und leicht zu transportieren - ein ideales Resteverwertungsgericht fürs Lager.
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