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Gebratene Hirsecreme

Libro de arte coquinaria · Norditalien · 1465

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10Höfische KücheHofkücheReisReis
Zubereitungszeit75 Min.Portionen4-6 PersonenBuchLibro de Arte Coquinaria (~1465)

Nimm die Hirse, gut gestoßen und sehr gut gewaschen, sodass sie weiß und sauber ist, und koche sie in guter Ziegen- oder Kuhmilch. Achte darauf, dass sie dickflüssig und gut durchgekocht ist. Nimm ein wenig feines Mehl und zwei Eiweiße, und verrühre sie zusammen mit dem besagten Mehl. Wem die Eier nicht zusagen, der kann das Mehl auch mit Milch verrühren. Gib die verrührte Mischung zur Hirse, rühre sie sehr gut mit dem Löffel um und lasse sie noch ein wenig kochen. Füge guten Zucker hinzu, rühre erneut und vermische alles sehr gut. Dann nimm diese Masse auf ein großes Schneidebrett, verteile und verstreiche sie, wie du es mit der Füllung einer Torte tun würdest, und lasse sie erkalten. Wenn du sie dann bei Tisch schneiden willst, mache große oder kleine Scheiben, wie es dir gefällt, und brate sie in der Pfanne mit gutem Schmalz. Wende sie einige Male und koche sie, bis sie unten und oben ein wenig Farbe angenommen haben. Nimm sie Stück für Stück heraus und lege sie auf den Teller, bestreue sie mit Zucker und Rosenwasser. Ähnlich kannst du es in der Fastenzeit zubereiten, indem du Mandelmilch anstelle der oben genannten Milch verwendest und es in gutem Öl brätst. Ebenso kannst du Reis auf diese beiden oben genannten Arten zubereiten.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
lo meglio pisto lavato molto bene, che sia biancho et netto 200 g Hirse (fein gestoßen) - -
bono lacte di capra, o di vaccha 500 ml Ziegen- oder Kuhmilch - -
un pocho di fiore di farina 2 EL Weizenmehl (Type 405) - -
doi bianchi d'ova 2 Eiweiße - -
bon zuccharo 50 g Zucker - -
bono structo 50 g Schweineschmalz - Pflanzenöl (für Fastenzeit)
zuccharo 2 EL Zucker (zum Bestreuen) - -
acqua rosata 1 EL Rosenwasser Reformhaus, Online-Gewürzhandel -
lacte de amandole 500 ml Mandelmilch (für Fastenzeit) - -
bono olio 50 g Pflanzenöl (für Fastenzeit) - -
riso 200 g Reis (alternativ zur Hirse) - -

Welches Gericht ist das? Eine süße Hirse-Creme, die zu einem festen Pudding eingekocht, kalt geschnitten und dann in Scheiben goldbraun gebraten wird - ein naher Verwandter der gebratenen Grieß- und Reis-Schnitten, die quer durch die spätmittelalterliche Süßküche reichen (vgl. Mandel-Húsce in Schmalz gebacken sev-253, gebratene Reis/Hirse-Speisen sev-050). Das Verfahren entspricht im Kern dem, was wir heute als gebratene Grießschnitte kennen.

Martino kocht meglio pisto (gestoßene Hirse) in Ziegen- oder Kuhmilch zu einem dicken Brei, bindet mit etwas fiore di farina (feinem Mehl) und Eiweiß nach, süßt mit Zucker und streicht die Masse zum Erkalten flach aus - al modo che farresti il pieno d'una torta (wie die Füllung einer Torte). Die erkaltete, geschnittene Masse wird in structo (Schmalz) gebraten und mit Zucker und acqua rosata (Rosenwasser) bestreut.

Das Rezept ist bewusst flexibel: In der Fastenzeit (quadragesimale) tritt Mandelmilch an die Stelle der Tiermilch und Öl an die des Schmalzes; ebenso lässt sich Reis statt Hirse verwenden.

Praxis. Fein gemahlene Hirse in Milch zu einem dicken, gut durchgekochten Brei kochen. Mehl mit zwei Eiweiß (oder, wer keine Eier mag, mit etwas Milch) glattrühren, unter den Brei ziehen, kurz mitkochen und mit Zucker süßen. Die Masse fingerdick auf einem Brett ausstreichen und vollständig erkalten lassen. In Scheiben schneiden und in reichlich Schmalz (fastentauglich: Pflanzenöl) von beiden Seiten goldbraun braten. Mit Zucker und Rosenwasser bestreut servieren.

Wo bekomme ich Rosenwasser?

Rosenwasser ist in gut sortierten Supermärkten (oft in der Backabteilung), in türkischen oder arabischen Lebensmittelgeschäften, in Reformhäusern oder Apotheken erhältlich.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist gut für die Lagerküche geeignet. Die Zubereitung erfordert lediglich eine Pfanne und eine Kochstelle. Die Hirse kann bereits zu Hause gestoßen oder fertig gemahlen mitgebracht werden, was die Arbeit vor Ort erheblich erleichtert.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem „Libro de Arte Coquinaria“ (Buch der Kochkunst), verfasst um 1465 von Maestro Martino da Como, einem der bedeutendsten Köche des 15. Jahrhunderts in Norditalien. Es gilt als eines der wichtigsten Kochbücher der italienischen Renaissance.

Was bedeutet 'Hirse gestoßen' und brauche ich einen Mörser?

‚Hirse gestoßen‘ (meglio pisto) bedeutet, dass die Hirse grob gemahlen oder im Mörser zerkleinert wurde, um die Kochzeit zu verkürzen und eine feinere Textur zu erzielen. Du benötigst dafür keinen großen Mörser; fertig gemahlene Hirse oder feine Hirse aus dem Supermarkt ist eine praktikable und geschmacklich gleichwertige Alternative. Wer es authentisch mag, kann einen großen Mörser und Stößel verwenden.

[Crema di miglio fritta.] Habi lo meglio pisto lavato molto bene, che sia biancho et netto, et fallo cocere in bono lacte di capra, o di vaccha, et fa' che si coca stretto, et che sia ben cotto; e piglia un pocho di fiore di farina et doi bianchi d'ova, et distemperali inseme in la ditta farina, et a chi non piacesse l'ova pò distemperare con latte la farina, et distemperata la mettirai nel ditto miglio menandolo molto bene col cocchiaro, et anchora lo lassarai bollire un pochetto, agiongendovi di bon zuccharo, menandolo di novo et mescolandolo molto bene. Poi cavarai questa tale compositione sopra un gran tagliere, distendendola et allargandola al modo che farresti il pieno d'una torta, et lassarala infredare. Et quando la vorrai tagliare in tavola farande fette grandi o picciole como ti piace, et frigirale in la padella con bono structo, volgendole alcuna volta, et cocerale tanto che siano un pocho colorite di sotto et di sopra. Et cavandole a pezo a pezo le metterai ne lo piattello buttandoli di sopra del zuccharo et dell'acqua rosata. Similemente poi fare in tempo quadragesimale, mettendo lo lacte de amandole in loco dell'altro lacte sopra ditto et frigendolo in bono olio. Item il riso poterai aconciare in questi doi modi sopra dicti.
meglio pisto

Gestoßene Hirse, d.h. grob gemahlen oder im Mörser zerkleinert.

fiore di farina

Wörtlich „Blume des Mehls“, bezeichnet sehr feines, helles Mehl.

structo

Schmalz, tierisches Fett, meist Schweineschmalz.

acqua rosata

Rosenwasser, ein aromatisches Destillat aus Rosenblüten.

quadragesimale

Die Fastenzeit vor Ostern, in der bestimmte Speisen (Fleisch, Milchprodukte, Eier) verboten waren.

lacte de amandole

Mandelmilch, ein pflanzlicher Milchersatz, der in der Fastenzeit erlaubt war.

tagliere

Ein großes Schneidebrett oder eine Holzplatte.

cocchiaro

Löffel.

Handschrift
Libro de arte coquinaria
Folio
Fol. 34v
Sprache
Frühitalienisch (15. Jh.)
Entstehung
Norditalien, 1465

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartlo meglio pisto

Gewählte Lesart: „Die Hirse, gut gestoßen“ - Dies wurde als Anweisung verstanden, die Hirse vor dem Kochen zu zerkleinern, um eine feinere Konsistenz zu erreichen.

Lesartun pocho di fiore di farina

Gewählte Lesart: „Ein wenig feines Mehl“ - Die ungenaue Mengenangabe wurde mit einer Schätzung von 2 Esslöffeln übersetzt, um eine praktische Anleitung zu bieten.

Originalwerk (~1465) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 34v, Library of Congress, Rare Book and Special Collections Division, Washington MS (TX723 .M3 1460), Public Domain
Transkription
Uni Giessen (Gloning/Romanelli, Digitale Edition 2004, Basis: Faccioli 1966) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Am Feuer gut machbar - Brei im Topf kochen, kalt werden lassen, in der Pfanne in Schmalz braten. Hirse vorab gemahlen mitbringen. Etwas Vorlauf nötig, weil die Masse erst erkalten muss.
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