Wo Mittelalter stattfyndet. Where medieval times happen.
Im Viewer öffnenIm Viewer öffnen ÜbersetzenTranslate DokumentDruckversion DokumentTEI-XML

Mandel-Húsce in Schmalz gebacken

Kuchařství o rozličných krměch, kterak se užitečně s chutí strojiti mají · Prag, Böhmen · 1535

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10Bürgerliche KücheBürgerlich
Zubereitungszeit45 Min.Portionen4-6 PersonenBuchBöhmisches Kochbuch - Kuchařství o rozličných krměch (~1535)

Nimm Mandelmilch und koche sie gut, dann vermische sie gut mit Zucker. Mache einen Teig aus weißem Mehl und rolle ihn mit dem Wellholz dünn aus. Lege die gekochten Mandeln darauf. Forme daraus die Húsce und backe sie in der Pfanne in Schmalz.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
mandlové mléko 500 ml Mandelmilch - -
cukrem 100 g Zucker - -
bílé mouky 300 g Weizenmehl (Type 405) - -
vařených mandlův 100 g gekochte Mandeln (gehackt) - -
sádle 200 g Schweineschmalz Metzger, Supermarkt Pflanzenöl (z.B. Rapsöl)

Welches Gericht ist das? Ein süßes, in Schmalz gebackenes Mandel-Gebäck - ein gefüllter, frittierter Teig, der den italienischen cannoli und den österreichischen Mandel-Buchteln nahesteht. Verwandt mit dem gebackenen Mandel-Reis-Mus kkm-046, den Milchküchlein kkm-099 und der gebratenen Mandel-Hirsecreme mar-136.

Húsce - „Gänschen". Húsce ist alttschechisch ein Diminutiv von husa (Gans) und bezeichnet ein kleines Backwerk - entweder nach Tier-Form ausgeschnitten oder schlicht als „kleine Köstlichkeit" benannt. Die Form-Benennung nach Tieren war im spätmittelalterlich-frühneuzeitlichen Backhandwerk üblich (vgl. die heutigen Martinsgänse aus Hefeteig).

Mandelmilch-Mandel-Füllung in dünnem Teig. Die mit Zucker eingekochte, eingedickte Mandelmilch und die gekochten Mandeln bilden eine süße Füllung, die in dünn ausgerolltem Weißmehl-Teig eingeschlagen und in der Pfanne (v pánvi) in Schmalz (v sádle) ausgebacken wird - eine Frittiertechnik, kein Ofengebäck.

Eine unklare Stelle. Die Passage vlož pak na rub a polož doch mezi ně ist im frühneuzeitlichen Tschechisch schwer zu deuten. Na rub heißt wörtlich „auf die Rückseite/Unterlage", doch ist hier nicht sicher bestimmbar. Sinngemäß geht es darum, die Füllung auf den Teig zu geben und einzuschlagen; die genaue Reihenfolge bleibt offen (siehe interpretive_choices).

Praxis. 500 ml Mandelmilch mit 100 g Zucker zu einer dicken Masse einkochen, mit 100 g gehackten gekochten Mandeln mischen. Aus 300 g Weizenmehl (und etwas Wasser) einen festen Teig kneten, dünn ausrollen, Füllung auftragen, einschlagen, in Stücke schneiden und in reichlich heißem Schmalz goldbraun ausbacken.

Was ist eine 'Húsce'?

‚Húsce' ist ein traditionelles böhmisches Gebäck, das oft als gefüllter Fladen oder Krapfen zubereitet wird. Der Name leitet sich vom tschechischen Wort für Gans (husa) ab, da es manchmal in dieser Form gebacken wurde oder eine ähnliche Konsistenz hatte.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist gut für die Lagerküche geeignet. Die Zubereitung des Teiges und der Füllung ist mit einfachen Mitteln möglich. Zum Backen benötigst du lediglich eine Pfanne und ausreichend Schmalz, was über offenem Feuer oder auf einem Kocher gut funktioniert.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem ‚Böhmischen Kochbuch, Kuchařství o rozličných krměch', verfasst von Pavel Severin z Kapí Hory und 1535 in Prag gedruckt. Es ist das älteste erhaltene gedruckte tschechische Kochbuch und bietet Einblicke in die frühneuzeitliche böhmische Küche.

Was bedeuten die unklaren Begriffe 'na rub' und 'doch' im Rezept?

Die genaue Bedeutung von ‚na rub' (wörtlich ‚auf die Rückseite' oder ‚auf eine Unterlage') und ‚doch' ist in diesem frühneuzeitlichen tschechischen Kontext nicht eindeutig. Wir haben ‚na rub' als Anweisung zur Teigbearbeitung interpretiert und ‚doch' als Hinweis auf die Füllung oder eine weitere Teigschicht. Im Wesentlichen geht es darum, die Mandelmilch-Zucker-Mischung und die Mandeln zwischen zwei Teigschichten zu legen.

Mandlová húsce. Vezmi mandlové mléko a vař dobře, a míšej s cukrem dobře, vlož pak na rub a polož doch mezi ně a učiň těsto z bílé mouky a rozšiř válkem, vložiž vařených mandlův na to, a obeřiž pak húsci, peciž ji v pánvi v sádle.
Húsce

Alttschechisch „Gänschen", Diminutiv von husa (Gans). Bezeichnet ein kleines, gefülltes Backwerk: Mandelmilch-Mandel-Zucker-Masse in dünnem Weißmehl-Teig, in der Pfanne in Schmalz ausgebacken. Die Form-Benennung nach Tieren war im spätmittelalterlich-frühneuzeitlichen Backhandwerk üblich (vgl. moderne Martinsgänse aus Hefeteig). Inhaltlich verwandt mit italienischen cannoli (Backhülle mit süßer Mandelmilch-Füllung) und österreichischen Mandel-Buchteln.

vlož pak na rub a polož doch mezi ně

Sprachlich unsichere Passage. Na rub = „auf die Rückseite/Unterlage", doch ist nicht eindeutig bestimmbar. Sinngemäß: die Füllung auf den Teig geben und einschlagen.

Handschrift
Kuchařství o rozličných krměch, kterak se užitečně s chutí strojiti mají
Sprache
Frühneuzeitliches Tschechisch
Entstehung
Prag, Böhmen, 1535

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartvlož pak na rub a polož doch mezi ně

Gewählte Lesart: Die Mandelmilch-Zucker-Masse als Füllung auf den ausgerollten Teig geben, die gekochten Mandeln darauflegen und den Teig darüberschlagen, sodass die Füllung umschlossen ist. Na rub („auf die Rückseite/Unterlage") und doch sind im Kontext sprachlich unsicher; diese Lesart ergibt den praktikabelsten Kochschritt für ein gefülltes Backwerk.

Originalwerk (~1535) gemeinfrei.

Bildquelle
Safran (Crocus), Tacuinum Sanitatis (ca. 1390)
Transkription
Čeněk Zíbrt, Staročeské umění kuchařské (1927), Zlatý fond SME - Kap. 26-27: Pavel Severin z Kapí hory Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Teig und Füllung lassen sich am Lager mit einfachen Mitteln herstellen. Gebacken wird in der Pfanne in Schmalz - über offenem Feuer oder Kocher gut machbar, kein Ofen nötig.
Alle Rezepte aus Böhmisches Kochbuch - Kuchařství o rozličných krměch Alle Kochbücher

Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.