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Gebratene Mandelküchlein

Daz buoch von guoter spîse · Würzburg · 1350

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10Höfische KücheHofkücheVegetarischVegetarisch
Zubereitungszeit75 Min.Portionen4-6 PersonenBuchDas Buch von guter Speise (~1350)

Wenn Ihr Mandelküchlein zubereiten wollt, so stellt zunächst Mandelmilch aus Mandelkernen her. Kocht diese Mandelmilch und rührt sie mit Zucker ab, sodass sie eindickt. Gießt die eingedickte Mandelmasse auf ein Tuch, unter das Ihr einen Strohwisch legt, damit die Flüssigkeit abtropfen kann. Bereitet einen Teig aus feinem Weizenmehl zu und rollt diesen mit einem Nudelholz aus. Legt die gekochte Mandelmasse auf den Teig, schneidet den Teig um die Füllung herum ab und bratet die Küchlein in einer Pfanne in Schmalz. Dies nennt man ein Mandelküchlein.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
mandelkerne 250 g Mandeln - -
zuckere 100 g Zucker - -
semel melwe 200 g feines Weizenmehl - Type 405 oder 550
smaltze 200 g Schmalz Metzger Pflanzenöl oder Butter für eine vegetarische Variante
Wasser ca. 500 ml Wasser Leitung -

Welches Gericht ist das? Ein in Schmalz gebackenes Teigtäschchen aus Weizenmehl mit einer fest eingekochten Mandelmilch-Zucker-Füllung - im Kern ein früher Vorläufer von Marzipan als süßer Kuchenfüllung. Der nächste lebende Verwandte ist ein in Fett gebackener Krapfen oder eine Mandeltasche, deren feste Fülle statt Konfitüre aus reduzierter Mandelmasse besteht.

Die Stroh-Unterlage (schaub). Die eingedickte Mandelmasse wird auf ein Tuch gegossen, unter das ein „schaub" gelegt wird - ein Strohwisch bzw. eine Stroh-Unterlage, kein Gefäß. Dasselbe Wort und dieselbe Konstruktion finden sich im verwandten Rezept „Ein cygern von mandeln" (Mandel-Ziger), wo die Stroh-Unterlage das Tuch luftig trägt, damit die Flüssigkeit ablaufen kann, während die Masse fest wird.

Praxis. Zunächst wird aus Mandeln und Wasser Mandelmilch hergestellt. Diese wird gekocht und mit Zucker abgerührt, bis sie sich deutlich vom Topfboden löst - das braucht stetiges Rühren und Geduld, denn Zucker und Milch brennen auf dem Feuer leicht an. Die eingedickte Masse kommt auf ein Tuch mit Stroh-Unterlage und kühlt dort ab, bis sie sich schneiden und portionieren lässt.

Für den Teig wird feines Weizenmehl schlicht ausgerollt - der Text nennt außer dem Mehl keine weiteren Zutaten, entsprechend fest und schlicht bleibt die Teighülle. Die abgekühlte Mandelmasse kommt darauf, der Teig wird ringsherum zugeschnitten, und die Küchlein werden in einer Pfanne in Schmalz gebacken.

Wo bekomme ich Schmalz?

Schmalz ist in gut sortierten Supermärkten oder beim Metzger erhältlich. Für eine vegetarische Variante kann Pflanzenöl oder Butter verwendet werden.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept eignet sich für die Lagerküche, verlangt aber etwas Aufmerksamkeit: Die Mandelmasse lässt sich zuhause vorbereiten und gekühlt mitbringen, muss beim Einkochen mit Zucker aber ständig gerührt werden, da sie leicht anbrennt. Am Lager werden dann nur noch Teig und Füllung zusammengebracht und die Küchlein über offenem Feuer oder auf einem Kohlebecken in heißem Schmalz gebacken - dabei ist wegen des offenen Fetts Vorsicht geboten.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem „Buch von guter Speise", einem der ältesten Kochbücher in deutscher Sprache, das um die Mitte des 14. Jahrhunderts entstand. Es ist Teil des Würzburger Hausbuchs des Stadtschreibers Michael de Leone und spiegelt die Küche des gehobenen Bürgertums bzw. niederen Adels wider.

Was bedeutet 'semel melwe' im Rezept?

„Semel melwe" bezeichnet im Mittelhochdeutschen ein besonders feines, weißes Weizenmehl - eine hochwertige Mahlqualität, wie sie auch zum Backen feiner Semmeln verwendet wurde. Es entspricht am ehesten modernem Weizenmehl Type 405 oder 550, nicht Grieß (Semolina).

Ein kuochen. So du wilt mandelkuochin machen, so mache von mandelkerne milch vnd suet die vnd ruere die abe mit eime zuckere vnd schuet das vf ein tuoch, vnd ein schaub drunder. mache ein teyc von semel melwe vnd wille daz mit eyner vnd leg des gesoten mandels dor vf vnd snit daz abe vnd in eyner pfannen im smaltze. daz heizzet ein mandelkuochin.
kuochen

Kuchen, Gebäck, hier im Sinne eines gefüllten Teigstücks

mandelkerne

Mandeln, geschält oder ungeschält

milch

Mandelmilch, ein häufiger Milch- und Sahneersatz im Mittelalter

suet die

siedet sie, kocht sie

ruere die abe

rührt sie ab, d.h. rührt sie, bis sie eindickt und vom Topfboden abgelöst werden kann

tuoch

Tuch, hier zum Abtropfen der Mandelmasse

schaub

Strohwisch, Stroh-Unterlage - kein Gefäß. Dient dazu, das Tuch mit der Mandelmasse luftig zu tragen, damit die Flüssigkeit ablaufen kann. Dieselbe Formulierung findet sich im Rezept „Ein cygern von mandeln" (Mandel-Ziger).

semel melwe

Semmelmehl, im Mittelalter oft gleichbedeutend mit feinem, weißem Weizenmehl

wille

wellen, ausrollen (des Teiges)

gesoten mandels

die gekochte Mandelmasse

snit daz abe

schneidet es ab, d.h. den Teig um die Füllung herum

smaltze

Schmalz, tierisches Fett (z.B. Schweineschmalz)

Handschrift
Daz buoch von guoter spîse
Folio
Fol. 163v
Sprache
Mittelhochdeutsch
Entstehung
Würzburg, 1350

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartvnd wille daz mit eyner

Gewählte Lesart: Die Textlücke nach 'eyner' wurde mit 'Walze' oder 'Nudelholz' ergänzt, da 'wellen' (mhd. 'wille') das Ausrollen von Teig bedeutet und ein entsprechendes Werkzeug erfordert.

Lesartvnd in eyner pfannen im smaltze.

Gewählte Lesart: Das fehlende Verb wurde als 'braten' (ausbacken) interpretiert, da die Küchlein in einer Pfanne mit Schmalz zubereitet werden sollen, was auf eine Frittier- oder Bratmethode hindeutet.

Originalwerk (~1350) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 163v, Universitätsbibliothek München, 2° Cod. ms. 731 (Cim. 4), Open Access LMU
Transkription
Uni Giessen (Gloning, Digitale Edition 1994/2001) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Mandelmilch eindicken, formen und in Schmalz ausbacken - am Feuer machbar, aber etwas aufwendig.
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