Wo Mittelalter stattfyndet. Where medieval times happen.
Im Viewer öffnenIm Viewer öffnen ÜbersetzenTranslate DokumentDruckversion DokumentTEI-XML

Fisch kochen und Frische erkennen

Le Ménagier de Paris · Paris · 1393

FischHauptspeise · FischLagerkücheLagerküche-tauglichEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10Bürgerliche KücheBürgerlichFischFastenspeise
Zubereitungszeit15 Min.PortionenVariabel, je nach FischmengeBuchMénagier de Paris (~1393)

Um Fisch zu kochen, bringe zuerst das Wasser zum Sieden und gib Salz hinzu. Dann lasse die Köpfe ein wenig kochen, danach die Schwänze, und koche sie zusammen, und dann den Rest des Fisches. Jeder frisch getötete Fisch ist fest und hart unter dem Daumen und hat rote Kiemen; ist er hingegen schon länger tot, verhält es sich anders.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
l'eaue Wasser Leitung -
du sel Salz - -
poisson Fisch (ganz) Fischhändler / Wochenmarkt -

Welches Gericht ist das? Keine einzelne Speise, sondern eine Grundlehre: wie man Fisch im Sud gart und woran man frischen Fisch erkennt. Das Verfahren - gestaffeltes Garen nach Stückdicke - ist bis heute Küchenpraxis beim pochierten Fisch.

Der Kern ist das zeitversetzte Einlegen nach Garzeit: Zuerst kommen die testes (Köpfe) ins siedende Salzwasser, weil dicke, knochige Teile am längsten brauchen, dann die queues (Schwänze) und zuletzt der remenant (der übrige, dünnere Rumpf). So wird alles gleichzeitig gar, ohne dass die zarten Teile zerfallen, während die dicken noch roh sind. Das Wasser soll fremir - leise sieden, nicht sprudelnd kochen, sonst zerfällt das Fleisch.

Die Frischeprobe ist handfest: Frisch getöteter Fisch ist ferme soubz le poulce et dur - fest und hart unter dem Daumen (das Fleisch federt zurück) - und hat oreille vermeille. Wörtlich heißt das "rotes Ohr"; gemeint sind die leuchtend roten Kiemen, die bei länger totem Fisch verblassen und gräulich werden. Secus (lateinisch "andersherum") fasst knapp zusammen: bei altem Fisch ist es umgekehrt.

Praxis. Wasser salzen und zum leisen Sieden bringen. Ganze Fische oder Stücke nach Dicke gestaffelt einlegen - dicke, kopfnahe Teile zuerst, dünne zuletzt -, damit alles gleichzeitig gar wird. Nur ziehen lassen, nicht sprudelnd kochen. Beim Einkauf auf pralles, festes Fleisch und leuchtend rote Kiemen achten.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses einfache Rezept ist hervorragend für die Lagerküche geeignet. Du benötigst lediglich einen Topf, Wasser, Salz und eine Feuerstelle. Achte darauf, dass der Fisch wirklich frisch ist, da die Zubereitung sehr schlicht ist und die Qualität der Zutat entscheidend ist.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem 'Ménagier de Paris', einem französischen Haushaltsbuch, das um 1393 verfasst wurde. Es diente als umfassender Ratgeber für die Haushaltsführung, einschließlich Kochrezepten, und richtete sich an eine junge Ehefrau.

Was bedeutet 'oreille vermeille' im Rezept?

Wörtlich übersetzt bedeutet 'oreille vermeille' 'rotes Ohr'. Im Kontext der Fischfrische ist damit jedoch die Farbe der Kiemen gemeint. Frischer Fisch hat leuchtend rote Kiemen, während sie bei älterem Fisch verblassen und gräulich werden.

A cuire poisson couvient premierement mectre l'eaue fremir, et du sel, et puis mectre les testes boulir ung petit, puis les queues, et boulir ensemble, et puis le remenant. Tout poisson freschement mort est ferme soubz le poulce et dur, et a l'oreille vermeille; et s'il est vieil mort, secus.
fremir

Sieden, leicht kochen

boulir

Kochen

poulce

Daumen

oreille vermeille

Rote Kiemen (wichtiges Frischemerkmal bei Fisch)

secus

Anders, gegenteilig

Handschrift
Le Ménagier de Paris
Folio
Fol. 150v
Sprache
Moyen Français
Entstehung
Paris, 1393

Originalwerk (~1393) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 150v, Scan: Bibliothèque nationale de France, Gallica (BnF Manuscrit Français 12477)
Transkription
Base de Français Médiéval (BFM), ENS Lyon - TEI P5, Lizenz Etalab Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Denkbar einfach: Topf, Wasser, Salz, Feuer. Weil die Zubereitung so schlicht ist, hängt alles an der Frische des Fischs - genau das, was der Text mit der Daumenprobe und den roten Kiemen lehrt.
Alle Rezepte aus Ménagier de Paris Alle Kochbücher

Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.