Le Ménagier de Paris · Paris · 1393
Um Fisch zu kochen, bringe zuerst das Wasser zum Sieden und gib Salz hinzu. Dann lasse die Köpfe ein wenig kochen, danach die Schwänze, und koche sie zusammen, und dann den Rest des Fisches. Jeder frisch getötete Fisch ist fest und hart unter dem Daumen und hat rote Kiemen; ist er hingegen schon länger tot, verhält es sich anders.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| l'eaue | Wasser | Leitung | - |
| du sel | Salz | - | - |
| poisson | Fisch (ganz) | Fischhändler / Wochenmarkt | - |
Welches Gericht ist das? Keine einzelne Speise, sondern eine Grundlehre: wie man Fisch im Sud gart und woran man frischen Fisch erkennt. Das Verfahren - gestaffeltes Garen nach Stückdicke - ist bis heute Küchenpraxis beim pochierten Fisch.
Der Kern ist das zeitversetzte Einlegen nach Garzeit: Zuerst kommen die testes (Köpfe) ins siedende Salzwasser, weil dicke, knochige Teile am längsten brauchen, dann die queues (Schwänze) und zuletzt der remenant (der übrige, dünnere Rumpf). So wird alles gleichzeitig gar, ohne dass die zarten Teile zerfallen, während die dicken noch roh sind. Das Wasser soll fremir - leise sieden, nicht sprudelnd kochen, sonst zerfällt das Fleisch.
Die Frischeprobe ist handfest: Frisch getöteter Fisch ist ferme soubz le poulce et dur - fest und hart unter dem Daumen (das Fleisch federt zurück) - und hat oreille vermeille. Wörtlich heißt das "rotes Ohr"; gemeint sind die leuchtend roten Kiemen, die bei länger totem Fisch verblassen und gräulich werden. Secus (lateinisch "andersherum") fasst knapp zusammen: bei altem Fisch ist es umgekehrt.
Praxis. Wasser salzen und zum leisen Sieden bringen. Ganze Fische oder Stücke nach Dicke gestaffelt einlegen - dicke, kopfnahe Teile zuerst, dünne zuletzt -, damit alles gleichzeitig gar wird. Nur ziehen lassen, nicht sprudelnd kochen. Beim Einkauf auf pralles, festes Fleisch und leuchtend rote Kiemen achten.
Ja, dieses einfache Rezept ist hervorragend für die Lagerküche geeignet. Du benötigst lediglich einen Topf, Wasser, Salz und eine Feuerstelle. Achte darauf, dass der Fisch wirklich frisch ist, da die Zubereitung sehr schlicht ist und die Qualität der Zutat entscheidend ist.
Dieses Rezept stammt aus dem 'Ménagier de Paris', einem französischen Haushaltsbuch, das um 1393 verfasst wurde. Es diente als umfassender Ratgeber für die Haushaltsführung, einschließlich Kochrezepten, und richtete sich an eine junge Ehefrau.
Wörtlich übersetzt bedeutet 'oreille vermeille' 'rotes Ohr'. Im Kontext der Fischfrische ist damit jedoch die Farbe der Kiemen gemeint. Frischer Fisch hat leuchtend rote Kiemen, während sie bei älterem Fisch verblassen und gräulich werden.
Sieden, leicht kochen
Kochen
Daumen
Rote Kiemen (wichtiges Frischemerkmal bei Fisch)
Anders, gegenteilig
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