München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 384 · Südwestdeutschland · 1470
Bereite einen Bärenkopf oder einen Schweinekopf sauber vor und teile ihn in zwei Hälften. Koche ihn sehr gut und schneide die Haut würfelig ein, sodass sie am Knochen haften bleibt. Lege ihn auf einen Rost und gieße heißes Schmalz darüber. Bestreue ihn mit Gewürzen in die Einschnitte und serviere ihn trocken.
Nimm einen Bärenkopf und sänge ihn sehr gut. Lege ihn auf einen Rost und brate ihn sehr gut. Bestreue ihn sehr gut mit Gewürzen. Und wenn du ihn servieren möchtest, gib einen Schwarzen Pfeffer dazu.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Ain bern kopff oder ain schwin kopff | Bären- oder Schweinekopf, ganz | 1 | - | - |
| schmaltz | Schmalz | - | - | - |
| gewurtz | Gewürze | - | - | Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelken, Muskat |
| schwartzen pfeffer | Schwarzer Pfeffer (Sauce) | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Ein historisches Kuriosum der höfischen Prunkküche: ein ganzer, prächtig zugerichteter Bärenkopf als Schaustück der Festtafel. Wir dokumentieren das Gericht als Zeugnis seiner Zeit - es ist kein Nachkoch-Rezept. Bären sind in Deutschland und der EU streng geschützt; ein Bärenkopf ist heute weder jagd- noch handelbar.
Kein „mit Schweinekopf nachkochen": Die Handschrift nennt daneben zwar den Schweinekopf - das war die alltägliche, bürgerlich übliche Variante desselben Zurichtungsprinzips. Wer einen gebratenen oder gepressten Schweinskopf zubereiten möchte, findet das als eigenes Gericht (vgl. kkm-056, kkm-057); der Bärenkopf wird damit aber nicht „nachgekocht" - er bleibt das Kuriosum.
Was der Text beschreibt: Zwei Zurichtungen eines ganzen Kopfes. (1) Halbiert, sehr gut gekocht, die Schwarte würfelig eingeschnitten (wurfflott, aber am Knochen haftend), auf dem Rost mit heißem Schmalz übergossen, Gewürz in die Einschnitte gestreut und trocken (ohne Sauce) gereicht. (2) Der Bärenkopf gesengt, auf dem Rost gebraten, kräftig gewürzt und mit einem Schwarzen Pfeffer (dunkle, brotgebundene Sauce, vgl. m384-022) serviert. Beides ist Prunk-Präsentation, kein Alltagsgericht.
Nein - der Bärenkopf ist ein historisches Kuriosum der höfischen Prunkküche; Bären sind heute streng geschützt. Wir zeigen das Gericht rein dokumentarisch. Die Handschrift nennt zwar auch den Schweinekopf, und ein gebratener oder gepresster Schweinskopf ist ein bis heute existierendes, eigenständiges Gericht (vgl. kkm-056, kkm-057) - aber das ist nicht „ein Bärenkopf, nachgekocht‘.
Nein. Es ist als historisches Schaustück dokumentiert, nicht als Lager- oder Nachkochrezept. Der Bärenkopf ist heute nicht verfügbar; das verwandte Schweinskopf-Gericht steht als eigenes Rezept zur Verfügung.
Im mittelalterlichen Kochkontext bezeichnet ‚Schwarzer Pfeffer‘ oft eine dunkle, würzige Sauce, die mit geröstetem Brot gebunden und kräftig gewürzt wurde (Pfeffer, Ingwer, Zimt) - kein bloßes gemahlenes Pfefferpulver, sondern ein eigenständiges Saucengericht (vgl. m384-022).
Dieses Rezept stammt aus dem Münchner Kochbuchhandschriften (Cgm 384) (2. Hälfte 15. Jh., Südwestdeutschland). Das umfangreichste der Münchner Kochbuchhandschriften und das letzte in CoReMA edierte: 83 alemannische (südwestdeutsche) Rezepte des späten 15. Jh., sauber rubriziert von einer Hand auf Bl. 076r-078r und 103v-115v. Schwerpunkt auf Saucen und Vorräten - zahlreiche Salsen (Sältz), Pfeffer- und Leberpfeffer-Saucen (auch schwarzer Pfeffer), Gumpost (eingelegtes süß-saures Gemüse/Obst), Latwergen, Senf sowie Kraut- und Gemüsegerichte. Die gelegentlich erwähnte hebräische Schrift betrifft nur spätere Marginal-Nachträge (Bl. Ir + 122v-123v), nicht die Kochrezepte. Im CoReMA-Projekt (Uni Graz) als Handschrift M2 ediert; größtes Cross-Link-Potenzial zu den anderen Münchner Büchern (Cgm 725/349/811).
Ein Bärenkopf war ein Prunk-Schaustück der höfischen Festtafel - heute ein historisches Kuriosum: Bären sind in Deutschland und der EU streng geschützt, ein Bärenkopf ist weder jagd- noch handelbar. Die Handschrift nennt daneben den Schweinekopf als alltägliche Variante.
‚Würfelig‘ - hier das rautenförmige Einschneiden der Schwarte (am Knochen haftend), damit sie beim Übergießen mit heißem Schmalz knusprig wird und das Gewürz in die Einschnitte aufnimmt.
‚Sänge ihn gut ab‘ - die Borsten/Haare des Kopfes werden über der Flamme abgesengt, bevor er auf den Rost kommt.
Gewürz in die Einschnitte (‚Wunden‘) der Schwarte streuen - so zieht das Aroma ein.
Ein Schwarzer Pfeffer ist hier eine dunkle, mit geröstetem Brot gebundene Würzsauce (kein bloßes gemahlenes Gewürz), die zur gebratenen Variante gereicht wird - vgl. m384-022.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| Ain bern kopff oder ain schwin kopff | bear meat or pig head Q17222480 · Q2255787 |
| schmaltz | animal fat Q1423543 |
| gewurtz | spice Q42527 |
| schwartzen pfeffer | pepper Q3143131 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Gewählte Lesart: Eine dunkle, mit geröstetem Brot gebundene Würzsauce (vgl. m384-022), zur gebratenen Variante gereicht.
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Stand dieser Fassung: 26.06.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.